"Es war ein krasses Fehlurteil“

Boxen: Kritik nach Härtel-Niederlage

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Stefan Härtel (l.) im Kampf gegen  Anthony Ogogo

London - Im Lager der deutschen Olympia-Boxer ist der Ärger nach dem umstrittenen Urteil im Kampf zwischen Mittelgewichtler Stefan Härtel und dem Briten Anthony Ogogo groß.

„Ich möchte nicht von Betrug sprechen, aber wir sind doch verschaukelt worden. Es war ein krasses Fehlurteil“, sagte Jürgen Kyas, Präsident des Deutschen Boxsport-Verbandes (DBV), dem SID.

Der dreimalige deutsche Meister Härtel war nach dem mit 10:15 gewerteten Kampf am Montagabend als letzter deutscher Faustkämpfer aus dem olympischen Turnier ausgeschieden. Mit einem Sieg hätte Härtel die Bronzemedaille sicher gehabt. Dabei wurden alle drei Runden gegen den 24 Jahre alten Berliner gewertet, obwohl er zumindest die zweite dominiert hatte. „Die Ringrichter haben nicht den Mut besessen, die gebotene Neutralität durchzusetzen, und haben sie stattdessen mit Füßen getreten“, sagte Kyas, der von einer nachhaltigen Bevorzugung der Briten sprach.

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In der prall gefüllten Box-Arena im Londoner ExCeL hatten Hunderte Briten ihren Landsmann lautstark unterstützt und jeden noch so kleinen Treffer frenetisch gefeiert. Eine Atmosphäre, die nach Ansicht von Härtel auch eine Rolle in der Entscheidungsfindung der Punktrichter gespielt hat: „Ich hatte das Gefühl, dass sie ihn wegen des Publikums bevorzugt haben. Es wäre schön gewesen, eine Medaille mitzunehmen, aber ich war auch für die Erfahrung hier.“

Bereits zu Beginn des olympischen Boxturniers waren Ringrichter nach umstrittenen Entscheidungen scharf kritisiert worden. Der Berliner Unparteiische Frank Scharmach wurde sogar für fünf Tage suspendiert. Grund waren die Wertungen im Schwergewichtskampf zwischen dem Iraner Ali Mazaheri und Jose Larduet Gomez aus Kuba. Bantamgewichtler Satoshi Shimizu war im Kampf gegen Magomed Abdulhamidow aus Aserbaidschan überraschend zum Verlierer erklärt worden, obwohl der Japaner seinen Gegner gleich sechs Mal auf die Bretter geschickt hatte.


SID

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