Freund "verblasen", Schlierenzauer disqualifiziert

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Severin Freund (Archivfoto)

Bad Mitterndorf - Die deutschen Topspringer Severin Freund und Richard Freitag haben bei den ersten Skiflug-Weltcups des Winters noch keine WM-Form bewiesen.

Severin Freund haderte mit dem Wind, Gregor Schlierenzauer mit seinem Reißverschluss: Während der deutsche Vorflieger Freund bei den ersten Skiflug-Weltcups des Winters mit Platz neun noch für das beste deutsche Ergebnis sorgte, ging Vierschanzentournee-Sieger Schlierenzauer aus Österreich am heimischen Kulm sogar leer aus. Nach einem enttäuschenden siebten Rang im ersten von zwei Wettbewerben flog der Top-Favorit im zweiten Wettkampf mit geöffnetem Anzug und wurde nach seinem vermeintlichen Sieg disqualifiziert. Nutznießer war der Norwger Anders Bardal, den ersten Sieg hatte der Slowene Robert Kranjec geholt.

„Das war heute richtig zäh“, sagte Freund, der sechs Wochen vor der Skiflug-WM im norwegischen Vikersund (23. bis 26. Februar) mit den mageren Plätzen zwölf und neun jeweils das beste Ergebnis der DSV-Adler erzielte. Dem 23-Jährigen aus Rastbüchl machten dabei die wechselnden Winde zu schaffen: „Die 173 Meter in meinem letzten Versuch waren eigentlich mein bester Sprung, obwohl ich vorher viel weiter gekommen bin. Das sagt viel über die Bedingungen.“ Im Gesamtweltcup fiel Freund bis auf Platz acht zurück.

Weiterhin Fünfter ist Hoffnungsträger Richard Freitag, der sich beim Traditionsspringen im österreichischen Bad Mitterndorf mit den Plätzen 33 und 10 begnügen musste. Dem 20-Jährigen aus Aue reichte auch der weiteste Flug seiner Karriere nicht für eine bessere Platzierung: Mit einem Satz auf 201,5 Meter knackte er erstmals die 200-m-Marke. „Ich habe endlich meinen 200er. Es ist Wahnsinn, wie man hier mit der Luft spielen kann“, sagte Freitag.

Zuvor hatten 25.000 Zuschauer ihren Tournee-Helden Schlierenzauer bereits als Sieger gefeiert, ehe die Jury zurückruderte. „Ich habe den Anzug angezogen und sofort gemerkt, dass sich etwas löst und der Reißverschluss kaputt ist. Das passiert sehr selten und ist natürlich schade“, sagte der Tiroler: „Es war einfach ein Materialfehler, das kann passieren.“

Schon der Absprung des Österreichers hatte sich um mehrere Minuten verzögert. Mit Sicherheitsnadeln und Klebeband flickte Schlierenzauer seinen Anzug, doch Materialkontrolleur Sepp Gratzer kannte keine Gnade. „Das Reglement schreibt vor, dass der Anzug geschlossen sein muss“, sagte auch Schlierenzauer, der zum ersten Mal in seiner Karriere disqualifiziert wurde.

Als Konsequenz holte Bardal seinen zweiten Saisonsieg vor Daiki Ito (Japan) und Kamil Stoch (Polen). Das in einem Durchgang ausgetragene erste Springen hatte Kranjec vor Lokalmatador Thomas Morgenstern und Bardal gewonnen. Weltcup-Spitzenreiter bleibt Andreas Kofler (Österreich) trotz seiner schwachen Plätze 14 und 26 mit 795 Punkten vor Schlierenzauer (753) und Aufsteiger Bardal (749).

Das deutsche Team zeigte derweil auch als Mannschaft eine nur durchschnittliche Leistung. Andreas Wank knackte mit exakt 200 Metern zwar ebenfalls erstmals die magische Grenze, landete am Ende aber nur auf den Plätzen 38 und 21. Michael Neumayer (Berchtesgaden) belegte die Ränge 15 und 16. „Ich bin trotzdem sehr zufrieden. Wegen der Windbedingungen war nicht mehr drin“, sagte Neumayer. Maximilian Mechler (Isny) landete auf den Plätzen 27 und 17. Skiflug-Debütant Markus Eisenbichler (Siegsdorf) verpasste zweimal die Punkte.

sid

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