Schock bei Florettfechten

Deutsche Medaillen-Hoffnung von Gegnerin verletzt

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Carolin Golubytskyi liegt verletzt am Boden

London - Ein umstrittener "Kinnhaken" ihrer Gegnerin hat die olympischen Medaillenträume von Florettfechterin Carolin Golubytskyi buchstäblich durch K.o. beendet.

Beim Stand von 8:6 für die deutsche Meisterin hatte ihre italienische Gegnerin Elisa di Francisca einen Treffer gesetzt und dabei die 26-Jährige mit der Glocke des 500g schweren Floretts am Kinn getroffen.

„Mir war sofort schwindelig. Ich bin nicht der Typ, der etwas unterstellt, aber das war hart und nicht fair“, sagte die Tauberbischofsheimerin: „Ich war einfach nicht gemein genug.“ Nach dem Kinnhaken taumelte Golubytskyi kurz, ging zu Boden und musste mehrere Minuten behandelt werden. Zwar konnte sie weiterfechten, doch körperlich beeinträchtigt hatte sie keine Chance mehr. Am Ende stand es 9:15. Aus der Traum vom deutschen Edelmetall zum Auftakt der Fecht-Wettbewerbe.

Deutsche Medaillen-Hoffnung von Gegnerin verletzt

Deutsche Medaillen-Hoffnung von Gegnerin verletzt

Zumindest bis zu dieser entscheidenden Szene war Golubytskyi auf einem guten Weg gewesen. 8:3 hatte sie gegen die favorisierte italienische Vize-Weltmeisterin geführt, ehe diese Punkt um Punkt herankam und dann im wahrsten Sinne des Wortes zum Gegenschlag ausholte. „Sie hatte ja schon getroffen, hat aber nochmal nachgesetzt und hochgezogen“, sagte Golubytskyi, die einzige qualifizierte deutsche Florettspezialistin, für die wie schon in Peking das Aus in der Runde der letzten 16 kam.

„Ich würde niemanden so etwas unterstellen. Fechten ist eben eine Kampfsportart“, sagte Manfred Kaspar, Sportdirektor des Deutschen Fechter-Bundes (DFeB), dem SID in der Rückschau auf die entscheidende Szene: „Aber es war keine Show von Caro, sie ist sofort drehend umgefallen. Und es sah ja vorher so aus, als würde sie die Sensation schaffen. Das hat dann leider nicht mehr geklappt.

So olympisch feiern die Fans die Spiele

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Dabei hatte Golubytskyi einiges getan um in diesem Jahr besser abzuschneiden. Zeit, Nerven und sogar eigenes Geld hatte sie in die Olympiavorbereitung investiert. Doch es zahlte sich nicht aus. Ich wusste, dass es schwer werden würde“, sagte Golubytskyi, die etwas mit ihrem Abschneiden haderte und nach dem Gefecht auch ein oder zwei Tränen verdrückte: „Ich habe gut angefangen und hätte es nach Hause bringen müssen.“

Elisa di Francisca holte die Goldmedaille. Den italienischen Dreifachtriumph machten Arianna Errigo mit Silber und Valentina Vezzali mit Bronze perfekt. Erstmals seit dem Sensationssieg von Anja Fichtel, Sabine Bau und Zita Funkenhauser 1988 in Seoul und erst zum zweiten Mal überhaupt kamen im Damenflorett alle drei Medaillengewinner aus einem Land.

Am Sonntag soll nun der Topfavorit und Weltranglistenerste Nicolas Limbach die erste deutsche Fechtmedaille holen. Golubytskyi muss dagegen schon nach dem ersten Tag die Heimreise antreten. Da sich die deutsche Florettmannschaft erstmals in der Geschichte nicht für Olympia qualifiziert hat, ist der London-Trip für die 26-Jährige beendet, noch bevor er so richtig begonnen hat.

sid

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