"Es geht um alles"

Deutsche Handballer schwer unter Druck

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Martin Heuberger gestikuliert aufgeregt an der Seitenlinie

Granollers - Nach der Niederlage gegen Tunesien stehen die deutschen Handballer bei der WM in Spanien am Dienstag gegen Argentinien gewaltig unter Druck.

Martin Heuberger nippte nervös an seinem schwarzen Kaffee. Mit kleinen Augen verfolgte er das muntere Treiben im Foyer des Mannschaftshotels „Ciutat de Granollers“. Während die französischen Superstars um den Ex-Kieler Nikola Karabatic gut gelaunt Autogramme schrieben, gerät der Bundestrainer mit seiner neuformierten Mannschaft zunehmend unter Druck.

Die deutschen Handballer müssen gegen Argentinien unbedingt gewinnen, um nicht das gesteckte Minimalziel Achtelfinale zu verpassen. Auch das Präsidium des Deutschen Handballbundes (DHB) unterstrich vor dem Schlüsselspiel am Dienstag (18.15 Uhr/ARD) seine Erwartungshaltung.

„Es geht um alles. Ich erwarte nichts anderes als einen Sieg“, sagte Torhüter Silvio Heinevetter am Tag nach der ebenso schmerzhaften wie unnötigen Niederlage (23:25) gegen Tunesien: „Wir haben immer ein Grottenspiel dabei. Das sollte mit der Partie am Sonntag erledigt sein.“

Auch Kapitän Oliver Roggisch, der sich im Spiel gegen den Afrikameister den Rücken „verknackst“ hatte und deswegen am Montag nicht trainierte, unterstrich die Bedeutung des Duells mit den Gauchos: „Wir haben jetzt zwei Spiele, die wir gewinnen müssen. Wir wollen es schließlich nicht auf die Partie gegen Frankreich ankommen lassen.“ Nach dem Spiel am Mittwoch gegen Montenegro ist der Olympiasieger am Freitag der letzte deutsche Gruppengegner - und in der aktuellen Verfassung beider Mannschaften außer Reichweite für Heubergers Team.

Der Bundestrainer hatte sich auch am Montag noch nicht vollständig von der ersten Niederlage seiner Handballer im Jahr 2013 erholt. Zu viele Baustellen hatte ihm die nächtliche Spielanalyse offenbart. Zum einen war er mit der Defensivarbeit inklusive der Torhüterleistung seines Teams unzufrieden. Zu oft waren die blutjungen nordafrikanischen Rückraumspieler um den zukünftigen Kieler Wael Jallouz aus der Ferne zu Torerfolgen gekommen. Vor allem bemängelte Heuberger aber die schlechte Chancenverwertung.

„Ich habe bei vielen Fehlwürfen den letzten Einsatz vermisst, besonders im Gegenstoß“, sagte Heuberger verärgert. Zudem haderte er mit nicht angebrachten Trickwürfen seiner Spieler: „Wenn ein Dreher im Tor ist, ist das die einzige Entschuldigung.“

DHB-Vizepräsident Horst Bredemeier erhöhte unterdessen auch offiziell den Druck auf die Mannschaft. „Wir müssen die nächsten beiden Spiele gewinnen, das ist sehr wichtig“, sagte Bredemeier. Er wünscht sich von der Mannschaft ein mutigeres Angriffsspiel. „Wir haben noch immer ein klares Ziel vor Augen, und das heißt Viertelfinale“, sagte der deutsche Delegationsleiter.

Bob Hanning glaubt, dass die Mannschaft trotz der Niederlage gestärkt aus dem Tunesien-Spiel hervorgeht. „Sie kann daraus eine Menge mitnehmen. Die Analyse aus der Niederlage kann helfen auf dem Weg ins Viertelfinale“, sagte der Geschäftsführer der Füchse Berlin dem SID. Es sei gut für die Mannschaft, jetzt ein Spiel zu verlieren, um die Fehler rechtzeitig für die K.o.-Runde abzustellen.

Für den angeschlagenen Roggisch steht ein Misserfolg am Dienstagabend nicht zur Debatte. „Wir werden gegen Argentinien gewinnen, und dann ist Tunesien vergessen“, sagte der 34-Jährige trotzig: „Wenn du nachher im Viertelfinale bist, zählt alles, was vorher war, nicht mehr.“ Mit einer möglichen Niederlage hat er sich - wie das gesamte deutsche Team - noch nicht beschäftigt.

sid

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