Handballer heiß auf Knockout-Phase

DHB-"Gurkentruppe" hat Lunte gerochen

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Sven-Sören Christophersen (r.) gegen Frankreich

Barcelona - Der Coup gegen Frankreich ist schon wieder Vergangenheit, die deutschen Handballer richten ihre volle Konzentration auf das WM-Achtelfinale gegen Mazedonien.

Das Lächeln war noch etwas strahlender, das Kreuz zumindest gefühlt ein bisschen breiter. Beschwingt vom berauschenden 32:30-Erfolg gegen den Titelverteidiger Frankreich am Vorabend bezogen die deutschen Handballer am Samstagmittag ihr neues WM-Quartier in Barcelona. In der noblen Vier-Sterne-Herberge „Hotel Princess“ schwört Bundestrainer Martin Heuberger seine Spieler auf das Achtelfinale gegen Mazedonien am Sonntag (15.45 Uhr/ZDF) ein.

„Die Mannschaft hat Lunte gerochen, aber wir dürfen jetzt nicht überpacen“, sagte Heuberger nach der für ihn kürzesten Nacht seit Turnierbeginn: „Wir müssen jetzt schön auf dem Boden bleiben. Den Sieg zu überschätzen, wäre fatal. Auch wenn es noch so schön war, für den Erfolg gegen Frankreich können wir uns nichts kaufen.“ Dem Bundestrainer dürfte bewusst sein, dass die Erwartungshaltung in der Heimat nach der grandiosen Leistung gegen den Olympiasieger deutlich gestiegen ist.

Beim historischen Sieg gegen Frankreich, dem ersten seit sechs Jahren, hatte sich die Heuberger-Sieben von ihrer besten Seite gezeigt. In der Abwehr war die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) gewohnt bissig, aber diesmal präsentierte sich auch der Angriff deutlich spielfreudiger als zuvor. Heuberger war seiner Linie auch im Duell mit dem großen Turnierfavoriten treu geblieben und hatte munter durchgewechselt. Bereits vor der Pause hatte er sämtlichen Akteuren Spielanteile gegeben.

„Wir sind hier angereist als die Gurkentruppe vom Dienst, die vielleicht überhaupt keine Chance hat. Es gab Leute, die haben uns schon in der Vorrunde nach Hause geschickt. Doch jetzt haben wir Selbstbewusstsein getankt“, sagte Spielmacher Michael Haaß. Er hob die Bedeutung des Siegs gegen einen „Großen des Handballsports“ hervor. „Wen das nicht pusht, dem ist nicht mehr zu helfen“, so Haaß.

Von einer Favoritenstellung gegen den EM-Fünften Mazedonien will das deutsche Team nichts wissen. „Das ist ein K.o.-Spiel, da ist es scheißegal, wer der Favorit ist. Es geht 60 Minuten um alles. Das Achtelfinale soll nicht unsere Endstation sein“, sagte Rechtsaußen Patrick Groetzki, der mit sechs Toren bester deutscher Werfer gegen Frankreich war.

Heuberger warnte in erster Linie vor dem wurfgewaltigen Kiril Lazarov. Der Rückraumspieler ist der unumstrittene Topstar des deutschen Achtelfinalgegners und kann mit seinen Toren ein Spiel alleine entscheiden. Bei der WM 2009 in Kroatien wurde der inwischen 32-Jährige mit 92 Treffern bester Werfer, in Spanien glänzte er bisher mit 36 Treffern in den fünf Vorrundenspielen. Kapitän Oliver Roggisch ist vor dem Achtelfinale nicht bange.

Kapitän Oliver Roggisch ist vor dem Achtelfinale nicht bange. „Wenn wir die Leistung vom Frankreich-Spiel wiederholen, wird es schwierig uns zu schlagen“, sagte der Abwehrchef, der sich bis zum Turnierende nicht mehr rasieren wird. „Wer rasiert, verliert. Bei dieser WM wird der Bart nicht mehr abkommen“, so Roggisch.

Bei all der guten Laune im deutschen Lager trat ausgerechnet Torhüter Silvio Heinevetter auf die Euphoriebremse. „Wir wollen den Tag nicht vor dem Abend loben. Wir wissen das einzuordnen und werden nicht die Bodenhaftung verlieren. Jetzt geht es in die K.o. -Phase, da ist der Sieg vollkommen wurscht“, sagte Heinevetter.

Die Erinnerungen an Mazedonien sind jedenfalls gut. Im letzten Duell vor einem Jahr bei der EM in Serbien behielt das deutsche Team in einem Handball-Krimi knapp die Oberhand (23:24). Alle drei bisherigen Duelle gewann die DHB-Auswahl.

sid

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