So zahlt sich der Erfolg aus

Was deutsche Athleten für Gold kassieren

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Robert Harting präsentiert sein Gold

London - Der ideelle Wert einer Goldmedaille ist nicht zu beziffern, doch für die deutschen Sportler kann sich der Olympiasieg in London im wahrsten Sinne des Wortes auszahlen.

Nach dem großen Gold-Erfolg wartet auf einige Athleten die nächste Disziplin: Geld verdienen. „Der Marktwert einer Goldmedaille ist zwar von Sportart zu Sportart und von Land zu Land unterschiedlich, aber mit Sponsorenverträgen kann er Millionen wert sein“, sagt Peter Carlisle vom Sportsponsoring-Beratungsunternehmen Octagon, nach eigenen Angaben Marktführer der Branche: „Aber es muss eine Goldmedaille sein. Oder hinter dem Athleten steckt eine besondere Geschichte.

Gold, Silber, Bronze - die deutschen Medaillengewinner bei Olympia 2012

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Bei Degenfechterin Britta Heidemann traf vor vier Jahren beides zu. In Peking holte sie Gold, in London Silber - und sie war in den letzten vier Jahren auch abseits der Planche präsent. `Wenn ein Athlet Erfolg hat und die Geschichte drumherum stimmt, kann man damit gut Sponsoren gewinnen“, bestätigte die 29-Jährige aus eigener Erfahrung: „Das Gold in Peking in Verbindung damit, dass ich die Sprache spreche, hat dazu beigetragen, dass gerade Unternehmen, die viel in China investieren, interessiert sind.“

Eigeninitiative und auch eine Portion Glück sind für finanziell lukrative „Nachwirkungen“ aber notwendig, denn von der Deutschen Sporthilfe erhält ein Olympiasieger in Deutschland „nur“ 15.000 Euro. Der Achtplatzierte bei den Spielen bekommt noch 1500 Euro.

Üppiger sollen Athleten anderer Nationen für Gold in London bedacht werden. Für den ersten Olympiasieger der Geschichte aus Singapur soll der Stadtstaat bereit sein, knapp 650.000 Euro zu berappen. In Armenien sollen Prämien von bis zu 700.000 Euro im Raum stehen.

Der rein materielle Wert der Goldmedaille in London mutet dagegen schon fast bescheiden an. Umgerechnet knapp 580 Euro kostet eine der Siegermedaillen. Die allerdings keineswegs aus reinem Gold bestehen, sondern überwiegend aus Silber. Würden alle Erstplatzierten in den 302 Disziplinen reine Goldmedaillen bekommen, würde dies das Organisationskomitee knapp 32,7 Millionen Euro kosten.

Als letzte Rettung könnten die Sportler natürlich auch einfach ihre Plaketten verkaufen. Zuletzt brachte die Versteigerung der olympischen Goldmedaille von Box-Weltmeister Wladimir Klitschko von Atlanta 1996 eine Million Euro für einen guten Zweck.

Für viele käme so etwas allerdings überhaupt nicht in Frage. „Aus den USA habe ich schon Angebote über 500.000 Euro bekommen. Aber die gebe ich nicht her. So etwas gibt es nie nie wieder“, sagte Carl Schuhmann, Enkel des gleichnamigen ersten deutschen Olympiasiegers von 1896, dem SID. Die Auszeichnungen seines Großvaters bewahrt er in einer Vitrine auf. Manchmal ist der ideelle Wert dann doch wichtiger als profanes Geld.

sid

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