Davis-Cup-Team geht mit 0:5 unter

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Deutschland hat gegen Argentinien eine ernüchternde Niederlage einstecken müssen

Buenos Aires - Auch unter Carsten Arriens kämpft das deutsche Männertennis gegen den Abstieg. Der Novize bleibt nach der 0:5-Niederlage in Argentinien gelassen - spätestens vor der Relegation im September wird der Druck aber steigen.

Noch immer klingt Carsten Arriens dieser Schlachtruf in den Ohren. Vamos, vamos Argentina, vamos, vamos a ganar - auf gehts, Argentinien, auf gehts zum Sieg! „Davon brauche ich eine CD“, sagte Deutschlands Davis-Cup-Teamchef nach der 0: 5-Niederlage seiner Mannschaft in Buenos Aires: „Das ist ein richtiger Ohrwurm.“

Ein Ohrwurm also - zu mehr reichte es für Arriens bei seiner Premiere im neuen Amt nicht. Die Pleite gegen Argentinien war bereits am Samstag besiegelt, Deutschland ist sportlich keinen Schritt weiter, als es das Team unter Patrik Kühnen vor genau einem Jahr war. Erneut wartet die Relegation, erneut droht die Versetzung in die unbedeutende Grauzone der Tennis-Welt.

Nach dem verlorenen Doppel zum 0:3 lächelte Arriens freundlich: „Ehrlich gesagt, hält sich meine Enttäuschung in Grenzen.“ Wie bitte? Die Hoffnung auf einen erfolgreichen Neuanfang nach einem Jahr voller Querelen starb bereits mit der Verletzung von Philipp Kohlschreiber im Auftakteinzel gegen Carlos Berlocq. Und doch hält sich die Enttäuschung in Grenzen?

„Wir haben viele Erfahrungen, viele Erlebnisse und viele Erkenntnisse gesammelt. Auch viel Positives“, sagte Arriens. Das alles müsse er erst einmal verarbeiten, bevor er seine Schlüsse aus der ersten gemeinsamen Woche mit der Nationalmannschaft ziehen könne. Der 43-Jährige bat um „ein paar Tage Abstand“. Bloß kein Schnellschuss. Bloß keine Schwarz-Weiß-Malerei.

Den nervigen Kleinkrieg in seiner Mannschaft hat Arriens wenigstens beendet, so viel steht fest. Anständig verlieren kann der Teamchef-Novize auch: Arriens schüttelte der Dolmetscherin die Hand, unterhielt sich mit den deutschen Fans und lobte die Gastgeber für die Stimmung auf den Rängen des Stadions Parque Roca. Das kam an bei den Gauchos, die sympathischen Deutschen bekamen freundlichen Applaus. Sie hatten ja auch fleißig - natürlich keineswegs freiwillig - mitgeholfen, die Angst der Argentinier vor der Abstiegsrunde im Nu zu vertreiben.

Erst streikte Kohlschreibers Muskel im fünften Satz, dann forderte die Hitze ihren Tribut. Florian Mayer kämpfte bei 38,7 Grad im Schatten - die Behörden hatten Alarmstufe Orange ausgegeben - mit hochrotem Kopf bravourös gegen den Sandplatzspezialisten Juan Monaco. Der Flo mag es aber lieber „kalt und nass“. Schon stand es 0:2.

Debütant Tobias Kamke und Routinier Christopher Kas waren noch angenehmere Gegner. Oder sollte man sie Gäste nennen? Die Chancen, die sich gegen David Nalbandian und Horacio Zeballos boten, ließ das Not-Doppel beim 1:6, 4:6, 7:5, 2:6 gekonnt liegen. Argentinien durfte mit Champagner spritzen, Arriens und seine Recken standen bedröppelt und zugleich staunend daneben.

Die unbedeutenden Einzel am Sonntag verloren Kamke gegen Monaco mit 4:6, 6:7 (2:7) und Kas, der kurzfristig für Mayer eingesprungen war, gegen Berlocq 2:6, 4:6. Mayer war mit Verdacht auf Lebensmittelvergiftung ins Krankenhaus gefahren worden - das Wochenende voller Pleiten, Pech und Pannen war perfekt.

„Tobias hat seine Sache gut gemacht“, lobte Arriens seinen Debütanten, gab dann jedoch zu: „Philipps Verletzung hat alles durcheinandergewürfelt. Wir hatten keine Alternative.“ Es ist die Machtlosigkeit, die Arriens geradezu zwingt, die Pleite gelassen zu sehen. Außerdem hänge längst nicht alles am Davis Cup. „Mich inspiriert diese Aufgabe“, sagt Arriens, der Bundestrainer.

Bis zur Relegation vom 13. bis 15. September hat er nun Zeit, sich um die strukturellen Probleme im Nachwuchs des Deutschen Tennis Bundes (DTB) zu kümmern. Da liegt mehr im Argen als bei der Nationalmannschaft. Dennoch wäre der Gang in die zweite Liga fatal, das weiß auch Arriens, drückt es nur anders aus: „Hier anzutreten und sofort abzusteigen, wäre nicht schön.“

Egal, gegen wen es im nächsten Match geht, der Druck wird steigen, die Schonfrist läuft ab. Gelingt es nicht, das beste Team mit Tommy Haas, Philipp Petzschner, Kohlschreiber und Mayer aufzubieten, wird auch Kritik an Arriens laut werden. Gelingt ihm allerdings der Klassenerhalt, darf er auf einen neuen Ohrwurm hoffen. Frei nach dem argentinischen Vorbild: „Auf geht“s Deutschland - wir werden siegen!„

sid

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