Darum ist Kerber so stark

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Angelique Kerber bejubelt ihren Halbfinaleinzug

London - Angelique Kerber steht im Halbfinale von Wimbledon. So nah war wohl seit Steffi Graf keine Deutsche mehr am Triumph dran. Die Vergleiche kontert sie mit einem Witz. Barbara Rittner erklärt, was Kerber so stark macht.

Angelique Kerber pariert die unvermeidlichen Steffi-Graf-Vergleiche schon mit charmantem Witz. „Ich kenne Steffi Graf gut... aber nur vom Fernseher!“, erzählte Deutschlands neuer Tennisstar schelmisch. Tatsächlich ist die „Gräfin“ ihr Idol - und womöglich kann sie sie dieser Tage in Wimbledon endlich mal kennenlernen. Die sonst kaum greifbare Wahl-Amerikanerin Graf kam just am Dienstag in London mit ihrem Mann Andre Agassi an, als Kerber mit einem Dreisatz-Kampfsieg über Sabine Lisicki ihren ersten Wimbledon-Halbfinaleinzug perfekt machte. Graf würdigte via Facebook ein „emotionales Achterbahn-Match“ der zwei „German Girls“.

So nah wie Kerber war wohl seit Graf keine Deutsche mehr an diesem legendären Silber-Teller dran - trotz des Halbfinal-Sturmlaufs von Lisicki im Vorjahr. „Ich traue Angie auf jeden Fall das Finale zu. Und da ist immer alles möglich“, sagt Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner. Kerber ist als Weltranglisten-Achte - und nach dem Turnier mindestens Siebte - nicht nur die bestplatzierte Deutsche seit Grafs Abschied im August 1999. Sie ist auch die Erste, die seither zwei Grand-Slam-Halbfinals erreicht hat. Der Stellenwert diesmal ist für die 24-jährige Kielerin anders als ihr Semifinale bei den US Open, als sie vom Nobody zum Stern aufstieg: „In New York hat keiner mit mir gerechnet - hier merke ich den Druck.“

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Vielleicht ist diese Bestätigung aber noch wertvoller. Nun bekommt sie es in der Vorschlussrunde am Donnerstag mit ihrer guten Freundin Agnieszka Radwanska aus Polen zu tun. „Gegen Radwanska wird es wieder ein hartes und langes Match“, sagt die Norddeutsche mit polnischen Wurzeln. Mit den Radwanska-Schwestern und Ex-Nummer-eins Caroline Wozniacki war sie auch schon mal im Malediven-Urlaub. Im direkten Vergleich mit der Weltranglisten-Dritten steht es 2:2.

Lisicki hat auch polnische Wurzeln, Freundinnen sind Kerber und die amerikanisierte Berlinerin nicht. Lisickis Glückwunsch nach Kerbers 6:3, 6:7, 7:5-Sieg fiel kühl aus. Die introvertierte Kerber wollte dazu nichts weiter sagen. Scharapowa-Bezwingerin Lisicki war „sehr enttäuscht“ und kündigte an, aus der Niederlage „noch stärker heraus zu kommen“. Und: „Das ist mein Lieblingsturnier und ich freue mich darauf, bei den Olympischen Spielen wieder hier zurück zu sein.“

Just bei Olympia in London sind Kerber und Lisicki Doppel-Partnerinnen. Erinnerungen werden wach ans Zweck-Duo Graf und Claudia Kohde-Kilsch. Die allerdings mochten sich wohl noch weniger. Und außerdem: Rivalinnen können sich auch nach vorne treiben.

Was die Linkshänderin Kerber, die früher allzu wenig an sich glaubte, so stark macht? „Ihre gute Beweglichkeit mit der klasse Antizipation, ihre Konstanz und Konterstärke. Außerdem ist sie zäh“, sagt Rittner. „Das Spiel auf Rasen kommt Angie auch sehr gelegen.“

Wimbledon 2011 war der Wendepunkt in Kerbers Karriere. Nach einer desaströsen ersten Saisonhälfte kassierte sie dort eine klägliche Erstrundenpleite gegen die englische Nachwuchsspielerin Laura Robson. Sie beschloss: So geht's nicht weiter. Ganz oder gar nicht. Sie quartierte sich vor den US Open in der Schüttler-Waske-Akademie in Offenbach zum Fitness-Drill ein. In Wimbledon 2012 feierte sie nun ihren 45. Matchgewinn des Jahres - das ist spitze auf der Tour. Und erst als vierte deutsche Wimbledon-Halbfinalistin nach Bettina Bunge (1982), Graf und Lisicki träumt sie nun vom ganz großen Coup.

dpa

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