„Pat ist unser Mann“

DEB: Cortina sammelt Pluspunkte

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Drei Monate nach dem Olympia-Aus hat Bundestrainer Pat Cortina mit Platz neun bei der WM nicht nur bei den Spielern Pluspunkte gesammelt.

Berlin - Drei Monate nach dem Olympia-Aus hat Bundestrainer Pat Cortina mit Platz neun bei der WM nicht nur bei den Spielern Pluspunkte gesammelt.

Als der deutsche Eishockey-Tross am Mittwochmittag früher als erhofft in Helsinki in den Flieger gen Heimat stieg, durfte sich einer als Gewinner fühlen. Bundestrainer Pat Cortina, nach dem historischen Olympia-Aus zwischenzeitlich schon in der Kritik, sammelte Pluspunkte - auch wenn es nicht zum WM-Viertelfinale reichte.

Allen voran stärkte NHL-Star Christian Ehrhoff dem Italo-Kanadier, der vielen als „Sparlösung“ galt, den Rücken. „Er hat einen guten Job gemacht und uns gut eingestellt. Deswegen ist jede Kritik fehl am Platz“, sagte der Kapitän und verwies auf den Absturz unter Cortinas Vorgänger Jakob Kölliker: „Nach der letzten WM sah es noch ziemlich düster aus.“

Vom zwölften Platz vor einem Jahr in Stockholm verbesserte sich die deutsche Mannschaft in Helsinki auf Rang neun und blieb damit in der Weltrangliste Zehnter. Zumindest der Abwärtstrend ist gestoppt. Und Cortina darf weitermachen. „Pat ist unser Mann, ich hatte daran nie einen Zweifel“, sagte Uwe Harnos, Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), dem SID: „Er hat gezeigt, dass er sein Handwerk versteht.“

Allen Diskussionen zum Trotz, die Harnos kurz vor dem WM-Start selbst losgetreten hatte, wird der 48-Jährige auch wie vereinbart Sportdirektor. „Er hat die Doppelfunktion, er hat einen Dreijahresvertrag“, betonte der Verbandschef. Man werde sich in den nächsten Wochen zusammensetzen und Konzepte entwickeln. Zu dem Doppeljob, den Harnos infrage gestellt hatte, werde man „jetzt Erfahrungen sammeln“.

Cortina selbst sieht seine künftige Aufgabe vor allem als Werber für die Nationalmannschaft. „Wir müssen sie in den Mittelpunkt stellen. Alle müssen verstehen, dass sie ein Spiegelbild des deutschen Eishockeys ist“, sagte er und fügte an die Adresse der Deutschen Eishockey Liga (DEL) an: „Wenn die Nationalmannschaft gut ist, hilft es auch der Liga.“

Der Italo-Kanadier, der bis März auch noch Trainer des EHC München war, wünscht sich vor allem mehr Vorbereitungszeit und „mehr Möglichkeiten für die jungen Spieler“. Dabei setzt Cortina nicht unbedingt auf eine weitere Ausländerreduzierung in der DEL: „Wenn man die Zahl verringert, sinkt das Niveau. Das macht die deutschen Spieler nicht besser, sondern bequemer.“ Eine „Entwicklungsliga“ sei eine weitere Option.

In diesem Punkt allerdings widersprach Ehrhoff seinem Trainer. Die Zahl von derzeit neun Ausländern pro Klub zu senken, „wäre sicherlich wünschenswert“, sagte der Verteidiger der Buffalo Sabres, der während des NHL-Lockouts drei Monate in der DEL gespielt hatte: „Wenn man jedes Jahr einen abzieht, wäre das auf lange Sicht positiv für das deutsche Eishockey.“

Kurzfristig positiv war vor allem das Engagement des Kapitäns in Helsinki. Der 30-Jährige, der beim 3:2-Sieg nach Verlängerung zum Abschluss gegen Frankreich zwei Tore erzielte, ging mit exzellentem Beispiel voran. 196:29 Minuten, mehr als dreieinviertel Stunden, führte er seine Mitspieler auf dem Eis - 46 Prozent der gesamten Spielzeit.

„Er war ein unglaublicher Anführer“, lobte Cortina, „was er alles investiert hat - Hut ab.“ Der Bundestrainer wusste ganz genau: Ohne den überragenden NHL-Profi wäre seine erste WM möglicherweise ganz anders ausgegangen. Und dann hätte DEB-Präsident Harnos vielleicht nicht von einer „Wiedergutmachung in Anführungszeichen“ für die verpasste Olympia-Qualifikation gesprochen.

So aber wertete Cortina sein erstes großes Turnier als „positiven Start einer neuen Ära im deutschen Eishockey“, verabschiedete sich in den „Urlaub und in ein bisschen Familienzeit“ und versprach: „Jetzt habe ich Zeit für Deutschstunden, mindestens ein paar pro Woche.“

SID tl ab

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