"Ich bin NBA-Center. Und ich bin schwul"

Collins: Viel Zuspruch nach Outing

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Jason Collins

New York - Der amerikanische Basketballer Jason Collins hat sich als erster aktiver US-Profisportler offen zu seiner Homosexualität bekannt. Sogar aus dem Weißen Haus erhält er nun Unterstützung.

Barack Obama griff spontan zum Telefon, um dem Pionier persönlich Respekt zu zollen. Selbst im Weißen Haus hatte Jason Collins mit seinem mutigen Outing die alltägliche Routine durcheinandergebracht. Schon unmittelbar nach dem Schritt in die Öffentlichkeit erhielt der homosexuelle Basketballer breite Unterstützung, vor allem aus dem Sport. Doch es gefiel nicht jedem, dass Collins als erster aktiver US-Profisportler sein Schweigen gebrochen hatte.

„Ich bin ein 34 Jahre alter NBA-Center. Ich bin schwarz. Und ich bin schwul“, hat Collins der Sports Illustrated gesagt. Erst am 6. Mai kommt die neue Ausgabe der Zeitschrift in den Handel, doch der Basketballer ist nach der vorzeitigen Veröffentlichung seiner revolutionären Aussagen schon jetzt in aller Munde.

Obama betrachtet das Coming-Out „als weiteres Beispiel für den Fortschritt und die Entwicklung, die in diesem Land stattgefunden hat. Wir loben ihn für seinen Mut und unterstützen ihn.“ Auch die Wegbegleiter des derzeit vertragslosen Collins hoffen, dass sein Tabubruch nur ein Anfang war.

Allein die Anzahl der Reaktionen in den USA zeigt deutlich, wie sehr das Land darauf gewartet hat, dass ein Profi sein Versteckspiel beendet. „Ich bin stolz auf Jason Collins. Unterdrücke wegen der Ignoranz anderer nicht, was du bist“, schrieb Superstar Kobe Bryant von den Los Angeles Lakers bei Twitter. Auch sein Teamkollege Steve Nash („Die Zeit ist reif. Allergrößten Respekt“) und Tony Parker von den San Antonio Spurs („Ich freue mich, dass er keine Angst mehr davor haben muss zu sein, was er ist“) freuten sich für und über Collins.

Seit 2001 spielt der 2,13-m-Hüne in der nordamerikanischen Profiliga NBA. Collins ist viel rumgekommen und stand bei sechs verschiedenen Klubs unter Vertrag. In dieser Saison war er für die Boston Celtics und die Washington Wizards am Ball. Viele Profis kennen ihn, deshalb eignet sich Collins bestens für die Rolle als Tabubrecher, auch wenn er international ein unbeschriebenes Blatt ist.

„Jason war in seiner Karriere immer ein hochangesehener Spieler und Teamkollege“, sagte NBA-Boss David Stern: „Wir sind stolz, dass er bei diesem wichtigen Thema die Vorreiterrolle übernommen hat.“ Auch Michael Cole-Schwartz, Kommunikationsdirektor der Organisation Human Rights Campaign, die sich unter anderem für Homosexuelle einsetzt, ist begeistert. „Jason war sehr mutig, und ich erwarte, dass sich sehr bald eine ganze Reihe von Profis outen werden - in allen großen US-Profiligen.“

Ganz einfach wird es nach dem Outing nicht. Das ist Collins klar. „Ich weiß nicht, was passiert, nachdem ich diese Türe geöffnet habe“, sagte er. Dass sich der eine oder andere abfällig äußert, dürfte Collins nicht überraschen.

Blitzschnell stellte sich der ehemalige NBA-Profi Larry Johnson ins Abseits. „Ich würde mich mit Schwulen in der Kabine nicht wohlfühlen“, twitterte der 44-Jährige: „Es geht um einen Mann, der sagt, dass ihn andere Männer anziehen. Und er läuft mit nackten Männern durch die Umkleide.“

Noch tiefer unter die Gürtellinie begab sich Football-Profi Mike Wallace: „Auf der Welt gibt es all diese schönen Frauen, und Männer lassen sich mit anderen Männern ein. Kopfschütteln“, schrieb der Spieler der Miami Dolphins. Wenig später löschte er den Tweet und entschuldigte sich.

Collins weiß, dass Mut nicht immer belohnt wird. Die Entscheidung bereut er bislang aber nicht: „Die Unterstützung ist eine echte Inspiration. Ich wusste, dass ich auf einem kaum benutzten Pfad wandle. Aber ich gehe nicht allein.“

Im vergangenen Jahr hatte sich Profiboxer Orlando Cruz aus Puerto Rico als schwul geoutet, im Februar folgte der amerikanische Fußball-Nationalspieler Robbie Rogers. Cruz steht weiterhin im Ring, Rogers beendete seine Karriere. Zu einem Umschwung im Umgang mit dem sensiblen Thema konnte er deshalb nur bedingt beitragen. Bei Collins sieht es anders aus. Der Routinier will unbedingt weitermachen. Auch für die Sache: „Ich freue mich, die Debatte anzuschieben.“

sid

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