Chisora: "Bin die schlimmste Pest"

München - Dereck Chisora zeigt vor dem Schwergewichtskampf um die Weltmeisterschaft gegen Witali Klitschko in München keine Furcht. Ganz im Gegenteil.

Er nicht. Er will, er darf nicht schon vor dem ersten Schlag der Verlierer sein. Das hat sich Dereck Chisora geschworen. Deshalb hat sich der bullige Brite ein überdimensionales Plakat seines kommenden Gegners an die Wand seiner Trainingshalle in London gehängt. Also starrte Witali Klitschko in den vergangenen Wochen auf ihn herab - bei jeder Einheit, jeder Übung, jedem Schlag. So wollte sich Chisora an Klitschkos eiskalten, durchdringenden Blick gewöhnen. Denn, so Chisora, der ältere der beiden Klitschko-Brüder habe seine Gegner doch immer schon vor dem ersten Gong besiegt.

„Vorher ist er nett zu dir, doch dann will er dich zerstören. Das ist Klitschkos Psychologie“, sagt Chisora vor dem Duell um die Schwergewichtskrone nach Version der WBC mit dem 40 Jahre alten Ukrainer in der mit 12.500 Zuschauern ausverkauften Münchner Olympiahalle (Samstag, 22.45 Uhr/RTL). „Die meisten Jungs hatten gegen ihn doch schon verloren, als sie in den Ring gestiegen sind. Weil sie vor Angst gezittert haben“, sagt Chisora, „aber ich habe Stolz und Leidenschaft. Ich bin die schlimmste Pest.“ Eine Runde für seinen K.o.-Sieg hat sich der 28-Jährige auch schon ausgesucht, die achte. „Ich brauche nur den einen richtigen Schlag, um Klitschko zu fällen“, sagt Chisora.

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Große Worte des nur 1,87 m langen „Del Boy“. Und schon so oft gehört. Immer wieder hatten seine Gegner vor den Kämpfen mit markigen Sprüchen getönt, Klitschko endlich in Rente schicken zu wollen. Geschafft hat es bisher keiner. Zur Erinnerung: Klitschko hat 43 seiner 45 Profikämpfe gewonnen, seine K.o.-Quote liegt bei überragenden 89 Prozent. Trotzdem behauptet Chisora, er rieche Angst bei Klitschko, „die Angst, etwas Großes zu verlieren“. Freche Sprüche sind halt immer gut für die Dramaturgie und die Zuschauerzahlen.

Doch Lennox Lewis glaubt, dass sein Landsmann auch entsprechende Taten im Ring folgen lassen wird. „Chisora hat eine Chance. Er ist ein echtes Schwergewicht“, sagt der Ex-Weltmeister, der Klitschko 2003 in einem dramatischen Kampf seine bisher letzte Niederlage zugefügt hatte. „Alles was er braucht, ist ein Treffer zum Kinn. Wenn Klitschko im Kampf getroffen wird, dann besteht die Chance, dass er wackelt oder ausgeknockt wird.“ Doch dafür muss Chisora erst einmal an Klitschkos Kopf herankommen, schließlich ist er 15 Zentimeter kürzer als der Weltmeister. Auch in der Reichweite hat der in Simbabwe geborene Linksausleger Nachteile (ebenfalls 15 Zentimeter).

Trotzdem kann sich Klitschko auf einiges gefasst machen. Denn was passiert, wenn es für den zum Jähzorn neigenden Chisora nicht so läuft, demonstrierte er 2009. Damals biss er seinem Gegner Paul Butlin in bester Mike-Tyson-Manier in der fünften Runde ins Ohr. Zwar gewann er den Fight - der Ringrichter hatte die Aktion nicht gesehen - doch anschließend wurde Chisora für vier Monate gesperrt. Ein Jahr später wurde er zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, weil er seine damalige Freundin verprügelt hatte - er hatte Nachrichten eines anderen Mannes auf ihrem Handy gefunden.

Doch zu diesem Bösewicht-Image passt es so gar nicht, dass er sich auch für die Rechte Homosexueller einsetzt. Für einen testosteronüberfluteten Boxer immerhin erwähnenswert. Ohnehin liebt er die Provokation. Seinem Gegner Carl Baker küsste er bei einer Pressekonferenz auf den Mund - woraufhin es beinahe zur Schlägerei zwischen den beiden gekommen wäre.

Für Klitschko hat er sich Annäherungsversuche ganz anderer Art aufgehoben. „Ich werde ihn von Anfang an attackieren und ihm weh tun“, sagt Chisora, „Klitschko hat noch nie gegen einen Mann wie mich gekämpft.“ Er will nicht schon vor dem ersten Schlag der Verlierer sein.

sid

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