Chaos beim Badminton-Turnier

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Marc Zwiebler

London - Peinlich, aber wahr. Der Badminton-Weltverband hat die eigenen Regeln nicht eingehalten und kurzfristig nahezu den kompletten Spielplan umwerfen müssen. Marc Zwiebler: "Es müssen Köpfe rollen."

Nach dem Spielplan-Chaos rastete Badminton-Europameister Marc Zwiebler richtig aus. “Das ist ein Skandal, was da abgelaufen ist“, wetterte der 28 Jahre alte Bonner, “es müssen Köpfe rollen.“ Dabei waren er und die Berlinerin Juliane Schenk vom peinlichen Wirrwarr gar nicht betroffen. Einen Tag vor Beginn des olympischen Turniers mussten sämtliche Ansetzungen komplett über den Haufen geworfen werden, weil die Funktionäre bei der Erstellung des Tableaus ihre eigenen Regeln nicht eingehalten hatten. Vor allem in den Doppeldisziplinen war auf einmal alles anders.

Um Attraktivität und Spannung zu erhöhen, hatte der Weltverband BWF in Abstimmung mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) die Regeln dahingehend verändert, dass die vermeintlich besten Spieler erst in den letzten Gruppenspielen aufeinandertreffen. Diese Richtlinien hatten die BWF-Funktionäre aus unerklärlichen Gründen selbst nicht befolgt und mussten deshalb Spieler und Teams vor den Kopf stoßen. Die BWF gab nach dem Vorfall lediglich eine kurze Pressemitteilung heraus und entschuldigte sich bei den Beteiligten “für die Unannehmlichkeiten“. Eine Erklärung, wie es zu der Panne kommen konnte, blieben sie schuldig.

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Auch Martin Kranitz, Sportdirektor des Deutschen Badminton Verbandes (DBV) wurde “lediglich in einer kurzen Mail über die Änderung informiert“. Betroffen davon war das deutsche Herrendoppel mit Ingo Kindervater (Bonn) und Johannes Schöttler (Saarbrücken), das statt am Samstagmorgen gegen ein schwächer eingestuftes australisches Duo am Abend gegen die schärfsten Konkurrenten um den Einzug ins Viertelfinale antreten mussten - und verloren.

“Die Planänderungen sollen keine Entschuldigung sein. Das ganze Wirrwarr war aber völlig unverständlich und irritierend“, sagte der 33-jährige Olympiadebütant Ingo Kindervater nach der verloren Partie gegen die Taiwanesen Fang Chieh Min und Lee Sheng Mu. Kindervater und Partner Johannes Schöttler hatten sich nahezu eine Woche auf die ursprüngliche Spielfolge vorbereitet und sogar ihren Schlaf-und Trainingsrhythmus darauf ausgerichtet.

Nicht nur die Spieler waren betroffen. Auch Fans und Angehörige mussten umdisponieren. “Wir können über ein Family and Friend Programm jeweils zwei Karten für Verwandte oder Bekannte bekommen, wenn wir spielen“, sagte Zwiebler, der im ersten Gruppenspiel Mohamed Ajfan Rasheed von den Malediven mit 21:9, 21:6 bezwang und wie Juliane Schenk nach ihrem 21:18, 21:14 gegen die Tschechin Kristina Gavnholt mit 21:18, 21:14 Richtung K.o.-Runde schielt. Nach der Planänderung musste vielfach getauscht werden. Auch die TV-Anstalten waren auf den alten Plan fixiert. “Das ist einfach ein Unding, dass so etwas bei den Olympischen Spielen passiert, wo wir mal die große Chance haben, dass wir als Sportart überhaupt vom Fernsehen wahrgenommen werden“, schimpfte der sechsfache deutsche Meister.

“Für uns war alles mit einem hohen Aufwand verbunden“, sagte DBV-Sportdirektor Kranitz. Da die Wembley Arena im Westen der Stadt liegt und es bis zu zwei Stunden vom olympischen Dorf bis dorthin dauert, übernachten die deutschen Akteure vor ihren Partien in einem nahe zur Halle gelegenen Hotel. “Wir mussten einige Umbuchungen vornehmen und auch beim Training ganz kurzfristig umdisponieren“, so Kranitz.

Wenigstens sportlich hielt sich der Schaden in Grenzen. Das Mixed-Duo Michael Fuchs (Saarbrücken) und seine Bonner Partnerin Birgit Michels gewann am Sonntagmorgen sein zweites Gruppenspiel gegen die englischen Vizeweltmeister Chris Adcock und Imogen Bankier mit 11:21, 21:17, 21:14 und kann mit einem Sieg an diesem Montag im letzten Gruppenspiel das Weiterkommen perfekt machen

dpa

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