Neuner hat nur noch  große Kugel im Visier

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Fest entschlossen: Magdalena Neuner will in Chanty Mansijsk ihren dritten Gesamtweltcup-Erfolg feiern.

Chanty Mansijsk - Nur noch 50 Schüsse und 30 Kilometer in der Loipe: Beim Weltcupfinale in Chanty-Mansijsk will sich Magdalena Neuner zum Abschluss ihrer Karriere zum dritten Mal den Gesamtsieg sichern.

Die Tränen von Ruhpolding sind getrocknet, jetzt hat Magdalena Neuner nur noch Augen für die große Kristallkugel. Die 25-Jährige bestreitet am Freitag im russischen Chanty-Mansijsk die letzten drei Rennen ihrer Biathlon-Karriere, die sie mit dem dritten Gewinn des Gesamtweltcups krönen will. „Vollgas voraus“ und mit 55 Punkten Vorsprung nach Einrechnung zweier Streichresultate auf ihre größte Konkurrentin Darja Domratschewa aus Weißrussland geht die Wallgauerin noch einmal für 30 km in die Loipe und muss 50 Schuss erfolgreich ins Ziel bringen.

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Unter der Sonne Sibiriens hat Neuner nach den Weltmeisterschaften in Ruhpolding wieder ein bisschen Ruhe gefunden. „Langsam geht es wieder. Am Sonntag und Montag nach Ruhpolding war ich komplett leer. Vor allem vom Kopf her. Ich bin apathisch dagesessen und habe ins Leere gestarrt. Das war echt Wahnsinn“, sagte Neuner, die insgesamt viermal Edelmetall geholt hatte.

Am Abschlussabend im Haus des Deutschen Skiverbandes (DSV) waren sogar ein paar Tränen geflossen, aus Erleichterung und weil der ganze Druck endlich abgefallen war. „Am Anfang der WM war ich vom Kopf her noch brutal gut fit.“ Nach dem Sprint-Gold drehte sich endgültig alles bei den Neuner-Festspielen um die Rekordweltmeisterin, die unter der Erwartung ungewohnte Schwächen zeigte.

„Du stehst da vorne und weißt, dass 20.000 Leute hinter dir stehen. Du hast diese Stille und merkst diese Energie in der Luft, du kannst die Gedanken der anderen irgendwie greifen“, beschreibt Neuner die Situation am Schießstand von Ruhpolding.

Dass sie sich nach den Schießfehlern im Einzel, der Staffel und im Massenstart fragen lassen musste, ob sie etwas verlernt hat, findet Neuner reichlich fehl am Platz. „Die solche Fragen stellen, müssten sich einfach mal hinstellen und nachvollziehen, wie das ist, wenn man als Magdalena Neuner in Deutschland eine WM läuft, und dann auch noch erfolgreich.“

Erfolg soll auch das Stichwort für die Tage in Chanty-Mansijsk sein. Nachdem es mit der erhofften Goldmedaille bei der Heim-WM gleich doppelt geklappt hat, soll jetzt der Gesamtweltcup her, sprich die große Kristallkugel. „Das wäre meine dritte, es wäre ein perfekter Abschluss. Es war die beste Saison meiner Karriere. Ich hätte es mir verdient“, sagte Neuner, die im Training schon wieder 100 Treffer bei 100 Schuss feierte und strahlte. Wie bemerkte Staffelweltmeisterin Tina Bachmann in Sibirien so passend: „Uns wird ein bisschen der Sonnenschein in der Mannschaft fehlen.“

Den Anfang machen die Frauen am Freitag (13.30 MEZ/ZDF und Eurosport) mit dem Sprint über 7,5 km („Ich habe in dieser Saison so viele gewonnen, da will ich auch beim letzten oben stehen“). Bereits um 11.00 Uhr gehen die Männer in die Loipe. Am Samstag stehen die Verfolgungsrennen (Männer 11.30/Frauen 13.45) und am Sonntag die Massenstarts (10.30/12.45) auf dem Programm.

Im Mittelpunkt steht dabei das Duell zwischen Neuner und Domratschewa, die in Ruhpolding WM-Gold in der Verfolgung gewonnen hat. „Dascha und ich haben uns in dieser Saison nichts geschenkt“, sagt Neuner. Trotzdem ist ihr Optimismus wie immer grenzenlos: „Mein großer Traum wäre es, am Sonntag beim Massenstart als Erste durchs Ziel zu laufen.“

Ein richtig gutes Argument spricht zudem noch dafür, dass die Kugel an Neuner geht. „Ich habe ein schwarzes Kleid dabei, da passt die Kugel einfach perfekt zu“, sagt Neuner. Das wird eine modebewusste Frau wie Darja Domratschewa bestimmt nachvollziehen können ...

sid

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