"Brudal": Stechert feiert Abfahrts-Coup

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Tobias Stechert

Lake Louise - Mit dem besten deutschen Abfahrtsergebnis seit acht Jahren hat Tobias Stechert dem DSV ein überraschendes Erfolgserlebnis beschert - und seine eigene Leidenszeit beendet.

Tobias Stechert war richtig perplex. „Für mi is des brudal, ja scho Wahnsinn“, sagte der 27-Jährige in bestem Allgäuerisch nach seiner Sensationsfahrt auf den fünften Platz in Lake Louise. Ein Ergebnis, das selbst Alpindirektor Wolfgang Maier „aus den Schuhen haute“, wie er im fernen Aspen zugab. „Das ist eine extreme Überraschung für uns alle und ein sehr erfreuliches Ergebnis“, sagte er.

Warum, wird bei einem Blick in die Geschichtsbücher klar: Besser war ein deutscher Abfahrer zuletzt am 18. Dezember 2004. „I glaub“, des war der Rauffer in Gröden„, sagte Cheftrainer Charly Waibel. Der `Rauffer Max“, wie sie ihn nannten, gewann damals in Südtirol sogar.

Für Stechert fühlte sich aber auch Platz fünf an wie ein Sieg. Der Sportsoldat war noch nie in den Top 10 im Weltcup. Mit Platz 14 fuhr er beim Super-G in Sölden im vergangenen Dezember sein bestes Ergebnis ein, im Februar war er 18. der Abfahrt von Chamonix.

Dennoch haben ihm die Trainer immer eine Fahrt wie am Samstag in Kanada zugetraut. Gerade auf einer Piste wie der „Men“s Olympic„, wo die Fähigkeiten eines Gleiters gefragt sind. Doch wie so viele in seinem Sport plagte sich der `Stechert Tobi“ häufig mit Verletzungen herum. Die Kreuzbänder in beiden Knien rissen ihm schon. Das Sommer-Trainingslager in Chile musste er wegen einer Verletzung am Daumen abbrechen - OP statt Schnee.

„Tobi hat schon so viel durchgemacht“, sagte Waibel. Dennoch habe der Oberstdorfer „schon länger mal gezeigt, dass er unheimlich Speed hat. Aber er wurde immer wieder gebremst.“

Am Samstag fand er sich plötzlich in der Weltspitze wieder, 0,85 Sekunden hinter Tagessieger Aksel Lund Svindal aus Norwegen. „Ja“, sagte Stechert, der Berg liege ihm. „Aber i bin jetz scho fünf Johr do und hob no nie was z“risse.„ Rang fünf und umgerechnet 5800 Euro Preisgeld `ist was, wovon man vielleicht mal träumt. Ich hätte mich ja schon brudal g“freut, wenn da der 15er aufleuchtet. Aber so, des is' richtig guad.„

Nebenbei qualifizierte sich Stechert als erster deutscher Speed-Spezialist für die WM im Februar in Schladming. `Das tut schon gut“, sagte Waibel, „gerade im Speed-Bereich.“ Der hatte, siehe Geschichtsbücher, in den vergangenen Jahren in der Königsdisziplin Abfahrt nicht allzu viel Anlass zum Jubeln gegeben. Stechert „kann stolz sein“ auf seine Überraschungsfahrt, ergänzte Waibel.

In Stecherts Schatten fuhr Stephan Keppler (Ebingen) auf einen beachtlichen 21. Platz. Beachtlich, weil er „immer noch Schmerzen“ im Knie hat, wie er sagte. Probleme mit der Patellasehne ließen im Vorfeld kaum reguläres Training zu. Er sei „sehr zufrieden“, sagte Keppler deshalb. Verglichen mit Stecherts Leistung sei die Kepplers eine „fast noch größere Überraschung“, meinte Waibel.

Für die kommenden Rennen erhofft sich Waibel einigen Rückenwind durch den guten Auftakt. „Erfolgserlebnisse sind das beste Doping für einen Sportler“, sagte er. Stechert, trotz Allgäuer Herkunft übrigens glühender Dortmund-Fan, dämpfte die Erwartungen. „I bin lang gnug dabei, dass i weiß, dass es auch mal anders geh“n kann„, sagte er. Seine Marschroute: `Ofach drobleibe.“

sid

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