Britta Steffen zurück in der Weltspitze

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Britta Steffen hat sich bei den Deutschen Meisterschaften für Olympia qualifziert.

Berlin - Britta Steffen hat ihr WM-Debakel endgültig abgehakt und wieder Edelmetall im Blick. Auch Paul Biedermann schaltet bei den Deutschen Meisterschaften auf Wettkampfmodus. Jetzt können sich die Schwimmstars auf Olympia freuen.

75 Tage vor den Olympischen Spielen haben die beiden deutschen Schwimmstars mit dem Ticket in der Tasche Kurs auf London genommen. „Mit dieser Leistung kommt man ins Finale. Für eine Medaille muss man aber noch ein bisschen mehr schaffen“, sagte Doppel-Olympiasiegerin Steffen, die sich bei den deutschen Meisterschaften in Berlin mit zwei Titeln und einer Weltklassezeit eindrucksvoll zurückmeldete.

Ihr Freund Biedermann, der über seine Paradestrecke 200 m Freistil die Norm deutlich unterbot, über die doppelte Distanz aber knapp darüber blieb, sieht sich ebenfalls auf dem richtigen Weg. „Ich komme wieder in meinen Wettkampf-Modus“, sagte der Weltrekordler: „Je mehr Wettkämpfe ich mache, desto näher komme ich an meine Bestform.“ Noch fehlen dem dreifachen WM-Dritten einige Sekunden zu den Besten der Welt, doch die will er schon bei der EM im ungarischen Debrecen (21. bis 27. Mai) aufholen: „Je stärker der Gegner ist, desto stärker bin ich.“

Neben den beiden Vorzeigeschwimmern schoben sich auch andere wie Shooting-Star Jan-Philip Glania in den Vordergrund. Vier deutsche Rekorde und insgesamt 14 Athleten, die sich für London auf Einzelstrecken qualifizierten, stimmten Lutz Buschkow, Leistungssportdirektor im Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV), optimistisch. „Da keimt Hoffnung auf“, sagte er und sprach von „international sehr hochwertigen Ergebnissen“.

Die lieferte auch Britta Steffen ab, die sich über 100 m Freistil in 53,68 Sekunden als aktuelle Nummer vier der Welt positionierte. Am Sonntag blieb sie über die halbe Distanz in 24,92 zwar ebenfalls unter der Norm, war aber langsamer als im März bei der EM-Qualifikation. „Ich bin sehr zufrieden, es hat alles gepasst. Jetzt freue ich mich auf die EM“, sagte die Berlinerin.

„Sie ist für unsere Olympia-Mannschaft eine wichtige Säule“, sagte Buschkow über die 28-Jährige, die bei der WM in Shanghai vor zehn Monaten als Vorlauf-16. völlig niedergeschlagen vorzeitig abgereist war. „Die WM ist vergessen. Britta ist wieder an der Weltspitze dran“, urteilte ihr Trainer Norbert Warnatzsch.

Das gilt für Biedermann noch nicht. 1:46,70 Minuten über 200 und 3:47,98 über 400 m bedeuten aktuell die Ränge 7 und 13 in der Welt. „Ich muss speziell an meinen technischen Defiziten arbeiten, das Niveau halten und die Schnelligkeit verbessern“, sagte der 25-Jährige, der am Sonntag über 100 m als Vierter an seiner „Grundschnelligkeit arbeitete“. Sein Trainer Frank Embacher erwartet in London „über 200 ein richtiges Gemetzel. Das wird die Königsdisziplin.“

Aus dem Schatten der Stars schwamm vor allem Glania. Der Militär-Weltmeister von 2009 brach über 200 m Rücken den sechs Jahre alten deutschen Rekord von Helge Meeuw. „Ich wusste gar nicht genau, wo der steht. Damit habe ich mich überhaupt nicht beschäftigt“, gab der 23-Jährige zu, „es ging nur um die Olympia-Norm.“

Mit seinen 1:55,87 Minuten katapultierte sich der Frankfurter auf Platz zwei der Jahresweltbestenliste und ist für Buschkow schon „unsere große Olympia-Hoffnung“. Auch Jenny Mensing (Wiesbaden) gleich zweimal über dieselbe Strecke und Kurzbahn-Vizeweltmeister Markus Deibler (Hamburg) über 200 m Lagen schwammen deutsche Rekorde.

Am Sonntag verpasste die EM-Dritte Mensing die nationale Bestmarke über 100 m Rücken in 59,85 Sekunden nur um acht Hundertstelsekunden, sicherte sich aber ebenso ihren zweiten Einzelstart wie Glania. Der Frankfurter setzte sich auf 100 m Rücken in 53,50 gegen Titelverteidiger Meeuw durch, der die Norm verfehlte und bei der EM um seine letzte Chance auf seine dritten Olympischen Spiele schwimmt. Die Essenerin Caroline Ruhnau unterbot dagegen über 100 m Brust in 1:07,28 Minuten erneut die Olympia-Norm, die sie schon im Vorlauf geknackt hatte.

sid

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