"Es läuft alles wunderbar"

Steffen geht entspannt in die Spiele

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Britta Steffen ist vor den Spielen in London in bestechender Form - und dennoch entspannt

London - Ein Jahr nach ihrem WM-Debakel geht Doppel-Olympiasiegerin Britta Steffen ihre vierten Spiele so entspannt wie nie an. Die Form stimmt - und die Einstellung auch.

Britta Steffen zieht im Londoner Becken die ersten Bahnen. Am Rand steht ihr Trainer Norbert Warnatzsch mit der Stoppuhr und nickt. Die Doppel-Olympiasiegerin ist genau im Plan - und entspannt wie nie. „Ich fühle mich gut, ich mag mich so, wie ich bin, und es läuft alles wunderbar“, sagt die Berlinerin vor ihren vierten Spielen im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (SID) und ergänzt: „Wenn ich mich wohl fühle in mir, dann ist das immer ein sehr gutes Zeichen.“

Ein Jahr nach dem WM-Debakel von Shanghai, als sie als Vorlauf-16. vorzeitig abreiste, ist die 28-Jährige mit sich und der Welt im Reinen - und so schnell wie seit ihren Weltrekorden 2009 nicht mehr. Platz vier in den Jahresweltbestenlisten über 50 und 100 m Freistil unterstreicht: Britta Steffen ist genau zur richtigen Zeit wieder weltklasse.

In dieser Form wird sie in London auch gebraucht, denn sie ist neben ihrem Freund Paul Biedermann fast die einzige Medaillenhoffnung der deutschen Schwimmer. Mit diesem Druck, an dem sie früher schon mal zerbrach, kann sie mittlerweile gut umgehen. „Impossible is nothing, würde ich da sagen“, antwortet sie schmunzelnd auf die Frage, ob ihr Doppel-Triumph von Peking zu wiederholen ist.

Ein genaues Gespür für ihre Gemütslage hat ihr Trainer. „Wir kennen uns, wir wissen jede Geste, jede Mimik des anderen zu deuten“, sagt Warnatzsch und fasst seine Beobachtungen zusammen: „Sie ist entspannt, gelöst, konzentriert und optimistisch.“

Dafür verantwortlich ist auch die Psychologin Friederike Janofske, mit der Steffen seit Jahren zusammenarbeitet. Sie besuchte sie im Trainingslager auf Teneriffa, auch in London ist sie vor Ort. Das Ergebnis der Gespräche: Steffen ist längst nicht mehr so verbissen wie früher. „Ihr ist bewusst geworden, was sie schon alles erreicht hat“, sagt Warnatzsch: „Es gibt nicht das doppelte Lottchen, sondern die doppelte Britta. Sie ist Doppel-Olympiasiegerin, Doppel-Weltmeisterin, Doppel-Weltrekordlerin. Diese Sachen nimmt ihr keiner mehr. Sie geht ran mit dem Bewusstsein, eigentlich schon ganz schön was erreicht zu haben.“

Die eine oder andere Olympiamedaille soll aber doch noch dazukommen. Nicht nur über ihre beiden Einzelstrecken gehört Steffen spätestens seit ihren drei EM-Titeln im Mai und ihren besten Zeiten nach drei Jahren wieder zu den Kandidaten auf Edelmetall. Schon am Samstag könnte mit der 4x100-m-Freistilstaffel ihre insgesamt vierte olympische Medaille herausspringen - 2000 war sie im Vorlauf am Staffel-Bronze über 4x200 m beteiligt.

„Es wäre sehr, sehr schön, wenn wir mit der Staffel ein gutes Ergebnis erzielen könnten“, sagt sie: „Die Mädels sind sehr gut drauf, was ich so gesehen habe. Wenn wir uns da zusammenraufen, ist vielleicht eine Überraschung möglich.“ Bei der WM im Vorjahr gab es Bronze, obwohl Steffen außer Form war und wenige Tage später frustriert abreiste.

Das Debakel von Shanghai hat sie verarbeitet. „Ich bin ganz, ganz unten gewesen, mir kann nichts mehr passieren, denn es ist nur Schwimmen. Aber es ist auch eine ganz große Chance. Es gibt keine Furcht, nur Vorfreude und den Gedanken: Mach was draus!“.

Für ein erneutes Olympia-Gold müsste allerdings alles zusammenkommen, denn Topfavoritin Ranomi Kromowidjojo aus den Niederlanden ist in diesem Jahr allen Konkurrentinnen davon geschwommen. Vor allem über 100 m setzte sie mit 52,75 Sekunden eine Marke, die den anderen Respekt einflößte. „Sie ist in diesem Jahr sehr, sehr gute Zeiten geschwommen“, sagt Steffen, „aber auf der anderen Seite bin ich zweimal auf Platz vier in der Weltrangliste in diesem Jahr, über 50 und 100. Da kann es sowohl nach vorne als auch nach hinten schnell gehen. Ich versuche einfach, ins Finale zu kommen. Dann haben alle die Möglichkeit, eine Medaille zu erringen.“

SID

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