Enttäuschung über 100 m Freistil

Steffen: "Vielleicht ist meine Zeit vorbei"

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Britta Steffen kann's kaum fasst

London - Auch Britta Steffen konnte das deutsche Debakel im olympischen Pool nicht verhindern. Die letzte Medaillenhoffnung im Schwimmen ist dahin. Steffen gibt auf, freut sich aber auf Donnerstag.

Die 28-Jährige, vor vier Jahren in Peking noch Doppel-Olympiasiegerin, schied über 100 m Freistil schon im Halbfinale aus und raubte dem Deutschen Schwimm-Verband (DSV) die wohl letzte Medaillenhoffnung in London. „Vielleicht ist meine Zeit auf den 100 m Freistil einfach vorbei, aber die 50 m habe ich ja noch“, sagte Steffen.

Gold, Silber, Bronze - die deutschen Medaillengewinner bei Olympia 2012

Gold, Silber, Bronze - die deutschen Medaillengewinner bei Olympia 2012

370 Tage nach ihrem WM-Fiasko in Shanghai fehlten der Dreifach-Europameisterin aus Berlin als Zwölfte 32 Hunderstel zum Endlauf am Donnerstag. In 54,18 Sekunden war die 28-Jährige zwar sieben Zehntel schneller als vor einem Jahr, als sie nach dem Vorlauf vorzeitig in die Heimat abgereist war. Doch an ihre Leistungen der DM und der EM im Mai, als sie so schnell geschwommen war wie seit ihren Weltrekorden 2009 nicht mehr, kam sie im Aquatics Centre bei weitem nicht heran.

Und dabei hatte sie nach ihrem Vorlauf am Mittwochmorgen noch alles versucht, um die bestmögliche Leistung abzurufen. „Ich hae auch noch mental gearbeitet und mein Rennen wissenschaftlich analysiert“, sagte sie: „Dabei haben wir festgestellt, dass die Wende nicht gut war.“ Am Ende blieb es trotz aller Analysen und Erkenntnisse beim Aus im Halbfinale.

Über 50 m hat die Doppel-Weltmeisterin von 2009 am Freitagmorgen zwar noch einen weiteren Start, die Chancen auf eine vordere Platzierung stehen aber eher schlecht. Damit ist die historische Pleite wohl unvermeidlich: Erstmals seit 1932 drohen die deutschen Schwimmer bei Olympischen Spielen ohne eine einzige Medaille zu bleiben. Schon Steffens Freund Paul Biedermann, als Weltrekordler und dreifacher WM-Dritter die zweite große Olympia-Hoffnung, war leer ausgegangen.

„Wenn ich sehe, was die anderen schwimmen, dann bin ich schon deutlich ins Hintertreffen geraten“, sagte Steffen, die im Vorlauf in 54,42 als 14. nur mit viel Mühe weitergekommen war: „Es fällt mir ein bisschen schwer, anerkennen zu müssen, dass ich vielleicht nicht mehr zur Weltspitze gehöre. Aber die Jugend kommt nach, und das kann man nicht aufhalten.“

Im Londoner Olympia-Becken ist ihr die junge Generation davongeschwommen. Von der 21 Jahre alten Staffel-Weltmeisterin Ranomi Kromowidjojo aus den Niederlanden als Schnellster (53,05), US-Jungstar Missy Franklin (17) und der chinesischen Jugend-Olympiasiegerin Tang Yi (19) sah sie nur die Füße. Nach den ersten 50 Metern lag die Berlinerin am Ende ihres Vorlaufs, dann arbeitete sie sich noch zwei Plätze vor.

Auch die EM-Dritte Daniela Schreiber scheiterte als 15. in 54, 39. Die 23-Jährige aus Halle/Saale war schon am Morgen mit der 4x200-m-Freistilstaffel im Vorlauf ausgeschiedne. Das Quartett mit Silke Lippok (Pforzheim), Theresa Michalak (Halle/Saale) und Annika Bruhn (Waiblingen) war in 7:58,93 Minuten nur auf Rang 13 gekommen.

Vor Olympia hatte sich Steffen noch unter den Besten der Welt gesehen. Als Nummer vier der Jahresweltbestenliste hatte sie von einer Medaille geträumt. Doch schon der Auftakt in London ging schief. Auf Anweisung ihres Trainers Norbert Warnatzsch schwamm sie als Startschwimmerin der 4x100-m-Freistilstaffel nur „90 bis 95 Prozent“, das Quartett mit Medaillenambitionen ging schon im Vorlauf baden.

Vor vier Jahren in Peking hatte Steffen den DSV noch vor einem Fiasko bewahrt. Mit ihren beiden Goldmedaillen übertünchte sie die ansonsten schwarze Bilanz mit nur zwei weiteren Finalteilnahmen. Diesmal ging der DSV vollends baden: Die Zielvereinbarung mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) sah zweimal Gold, zweimal Silber und zweimal Bronze vor. Selbst die Ausbeute der WM in Shanghai, mit drei Bronzemedaillen die schlechteste der Geschichte, war unerreichbar.

sid

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