Bradl verdient sich "alleine in der Wüste" die Sporen

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Stefan Bradl

Doha - Stefan Bradl hat bei seinem MotoGP-Debüt eine überzeugende Vorstellung gezeigt und in Katar den achten Platz belegt. Es war zwar mehr drin, doch der Moto2-Weltmeister war zufrieden.

Stefan Bradl stand strahlend im Scheinwerferlicht, als es in Katar langsam aber sicher auf Mitternacht zuging. „Es war cool. Es hat mir echt Spaß gemacht“, sagte der 22-Jährige nach seinem starken Debüt in der MotoGP sichtlich zufrieden. Bradl überzeugte beim Nachtrennen als Achter auf ganzer Linie, obwohl der Moto2-Weltmeister in der Schlussphase „ein paar Fehler“ gemacht und bei seinem Debüt in der Königsklasse doch noch Lehrgeld gezahlt hatte.

Für den Zahlinger war im Konzert der Großen durchaus mehr drin, doch in der entscheidenden Rennphase stand dem Neuling seine mangelnde Erfahrung im Weg. „Am Ende habe ich den Bremskraftversteller in die falsche Richtung gedrückt, das hat uns eine halbe Sekunde gekostet“, beschrieb Bradl seine Probleme zu später Stunde.

Auf den ersten Runden hatte das beim Saisonauftakt der Motorrad-WM anders ausgesehen. Bradl fuhr mit viel Selbstvertrauen, leistete sich keine Fehler und schluckte schnell drei Gegner. Bis kurz vor Schluss war der vom neunten Platz ins Rennen gegangene Aufsteiger Sechster, musste dann aber Ex-Weltmeister Nicky Hayden (USA/Ducati) und Alvaro Bautista (Spanien/Honda) passieren lassen.

Bradl hakte seine Serie von Missgeschicken ganz schnell ab. „Dumm gelaufen, aber daraus kann man lernen“, sagte der Honda-Pilot. Bradl blickte nach vorn und verschwendete keine Zeit damit, der vergebenen Chance nachzutrauern: „Es war in Ordnung. Ich bin sehr zufrieden mit meinem ersten Rennen.“ Ein Lob gab es von Vater Helmut. „Er ist am Anfang ein Spitzenrennen gefahren. Er muss noch lernen, aber er ist auf einem guten Weg“, sagte der frühere Vizeweltmeister.

Rundum glücklich war Bradl junior nach seinen ersten 22 Rennrunden auf der Honda RC213V des LCR-Teams aber nicht: „Schade, dass ich nicht in einer Gruppe mitfahren und mir was abschauen konnte. Ich war ziemlich alleine in der Wüste unterwegs.“ Lange hatte der zurzeit beste deutsche Fahrer im Rennverlauf einsam seine Kreise gezogen, dann stellten die Verfolger wieder den Kontakt her.

„Am Schluss habe ich nur noch versucht, dranzubleiben“, sagte Bradl, der nach seinem Titelgewinn aus der Moto2 in die schwerste Klasse gewechselt war. Der Plan ging auf. Sicher brachte der Rookie den achten Platz nach Hause und ließ damit den neunmaligen Weltmeister Valentino Rossi (Italien/Ducati) hinter sich. Der Superstar wurde diesmal nur Zehnter - und er wurde Bradl nicht ein einziges Mal gefährlich. Den Sieg holte Rossis ehemaliger Teamkollege Jorge Lorenzo (Spanien/Yamaha).

Plätze zwischen sechs und acht visiert Bradl in dieser Saison an, und der Nachfolger von Alex Hofmann liegt auf Kurs. Mit dem heutigen TV-Moderator hat der Bayer ganz schnell gleichgezogen. Hofmann, bislang einziger deutscher MotoGP-Pilot, war in seiner Karriere nie über den achten Platz hinausgekommen.

Hofmann freute sich in Katar natürlich dennoch über Bradls Vorstellung, den einzigen deutschen Podiumsplatz kommentierte der 31-Jährige aber in der neuen Moto3-Klasse, die an die Stelle der bisherigen 125er-Kategorie getreten ist. Sandro Cortese (Berkheim/KTM) beendete als Dritter seinen „Pole-Fluch“ und schaftte es im vierten Anlauf endlich vom ersten Startplatz auf das Treppchen.

„Ich habe 200 Prozent gegeben und war schon über dem Limit. Ich hätte es mir nicht so hart vorgestellt“, sagte Cortese. Sieger Maverick Vinales (Spanien) und Debütant Romano Fenati (Italien) waren dem 22-Jährigen weit enteilt: „Der Abstand nach vorn war extrem groß. Es hat mich schon beunruhigt, dass die beiden da vorne so weggefahren sind.“ Toni Finsterbusch (Krostitz/MZ) belegte den 23. Platz. Marcel Schrötter (Vilgertshofen/Mahindra) und Jonas Folger (Schwindegg/IodaRacing) kamen nicht ins Ziel.

Max Neukirchner (Stollberg) ging ebenfalls leer aus. Der Bradl-Nachfolger beim Kiefer-Team musste mit seiner Moto2-Maschine wegen eines Defekts am Bremshebel in die Box und hatte nach einer Reparatur keine Chance mehr auf WM-Punkte. Der Kalex-Pilot belegte am Ende den 30. und letzten Platz. Der Sieg ging an Vizeweltmeister Marc Marquez (Spanien).

sid

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