Bradl von Party überwältigt

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Motorradpilot Stefan Bradl fährt am Donnerstag (10.11.2011) vor der Gemeindehalle von Obergriesbach mit seinem Vater Helmut (l) in einem offenem Cabrio vor.

Leipzig - Motorrad-Weltmeister Stefan Bradl hat überwältigt auf den großen Empfang am Donnerstag in seiner Heimatgemeinde Obergriesbach reagiert.

Deutschlandfahnen an fast jedem Balkon, ein neues Ortsschild mit der Aufschrift “Bradling“, ein Autokorso, Blasmusik und der Eintrag ins Goldene Buch der Gemeinde. Motorrad-Weltmeister Stefan Bradl ist zurück in seiner bayerischen Heimat, aber noch nicht in der Lage, abzuschalten. “Das wird sicher noch etwas dauern“, sagte der glückliche aber erschöpfte Titelgewinner am Donnerstagabend nach einem Marathon aus Ehrungen und Feierlichkeiten.

“Stefan hat Unglaubliches für uns geleistet. Und da er noch besser ist als sein Vater, kommt er auch ins goldene Buch“, sagte Bürgermeister Josef Schwegler und schaute dabei zu Helmut Bradl. Der war 1991 Vize-Weltmeister in der 250er Klasse geworden. “Es ist ein unfassbarer Tag für mich“, sagte der sichtlich bewegte 21-jährige Bradl Junior bei der Unterschrift ins Goldene Buch.

Gemeinde im Ausnahmezustand

Als Geschenk gab es ein Luftbild vom Ort, eine Gemeindefahne und einen Reisegutschein. “Damit er mal hinfliegen kann, wo er will. Und nicht, wohin er muss“, sagte der Bürgermeister.

Für den Empfang von Bradl befand sich die beschauliche 2.000-Seelen-Gemeinde einen Tag lang im Ausnahmezustand. Bereits am Münchener Flughafen warteten die sangesfreudigen Fanclub-Mitglieder auf ihr Idol und zeigten den anderen Menschen am Flughafen, “was es bedeutet, endlich wieder einen deutschen Motorrad-Weltmeister zu haben“, wie Melanie Huster aus dem Vorstand des Vereins sagte.

Fast 500 Besucher wollten “unseren Stefan“ sehen. So gut besucht war die Festhalle schon lange nicht mehr. “Das letzte Mal bei meinem 50. Geburtstag“, sagte Josef Schwegler. “Das hätte ich mir nicht träumen lassen, als ich mit vier Jahren erstmals auf einem Motorrad gesessen habe“, sagte Bradl angesichts seiner Erfolge bei der Ehrung im Dorfgemeinschaftshaus.

Nach WM-Titel folgt Aufstieg in MotoGP

Bradl ist der erste deutsche Weltmeister in diesem Sport seit 1993. Damals holte Dirk Raudies (Biberach) in der 125er Klasse den Titel. In der kommenden Saison wird Bradl in der MotoGP antreten, der Königsklasse des Motorradrennsports. “Wir haben uns mündlich auf ein Engagement mit LCR-Honda geeinigt“, sagte Stefan Bradl der Nachrichtenagentur dapd.

Ein unterschriebener Vertrag werde in den kommenden Tagen folgen. Der letzte deutsche Fahrer in der höchsten Rennklasse war Alexander Hoffmann (Mindelheim). Er startete bis 2007 bei insgesamt 29 Rennen für Ducati.

Wenig Zeit zum Erholen

Jeder aus der Dorfgemeinschaft hatte seinen Teil zu dem Fest beizutragen. Feuerwehr und Schützenverein schickten ihre Fahnenträger zum Gruß, die Blaskapelle steuerte die Nationalhymne und allerhand bayerische Folklore bei.

Viel Zeit zum Genießen und Relaxen bleibt Bradl auch nach dem Feiern nicht. “Es beginnt bald schon das Training für die neue Saison“, sagte der müde Bayer am Ende eines langen Tages, am Ende einer aufreibenden Saison. “Es war wunderschön, aber jetzt bin ich wirklich froh, einmal eine Woche lang abschalten zu können. Da kommt der Reisegutschein gerade recht, den werde ich nutzen.“

dapd

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