Boy: Beendet er seine Karriere?

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Philipp Boy

Cottbus - Vize-Weltmeister Philipp Boy hat noch keine Entscheidung über die Fortsetzung seiner Turn-Karriere getroffen. Beendet er seine Laufbahn?

Seine Karriere steht auf der Kippe. Vize-Weltmeister Philipp Boy hat auch reichlich sechs Wochen nach seinem sportlichen Debakel bei den Olympischen Spielen in London noch keine Entscheidung über die Fortsetzung seiner Turn-Karriere getroffen. „Es wäre nicht klug, wenn ich jetzt eine Entscheidung treffen würde. Klar ist nur, dass ich in diesem Jahr keine Wettkämpfe mehr turnen werde“, sagte Boy in seinem ersten Interview nach seinem Absturz der „Lausitzer Rundschau“ (Freitagausgabe).

Bei der am Samstag startenden Deutschen Turn-Liga wird er ebenso fehlen wie bei den letzten Weltcups des Jahres in Stuttgart und Glasgow. Für die gut dotierten Mehrkampf-Weltcups hatte er ohnehin seinen Platz für den Olympia-Zweiten Marcel Nguyen räumen müssen.

Der lädierte Körper bereitet ihm weiter große Sorgen. Entzündungen im Handgelenk und im Schlüsselbein, ein eingeklemmter Rückennerv, ein angeschlagenes Sprunggelenk - die Liste seiner Verletzungen in der Olympia-Saison ist lang. „Mir tut sehr viel weh“, erklärte Boy. Beobachter der Cottbuser Turn-Szene hatten registriert, dass Boy zwar nach seinem Urlaub einige Male in der Turnhalle auftauchte, an ein leistungsorientiertes Training aber nicht zu denken war.

In London hatte er nach zwei Reck-Abstürzen und dem Schock des verpassten Mehrkampf-Finales noch erklärt, die größten Schmerzen bereiteten ihm nicht die lädierten Knochen, sondern der Kopf. Es sei für ihn ganz schwer, den schweren sportlichen Rückschlag mental zu verarbeiten. „Ich war vor Olympia gnadenlos zu meinem Körper“, räumte Boy ein. „Jetzt muss ich ihm erst einmal dringend Ruhe geben.“

Auch Wochen nach dem letzten Wettkampf fällt es ihm noch schwer, die richtigen Worte für den zerstörten Traum zu finden. „Vor einigen Wochen war ich den Tränen nahe. Meine Familie und Freunde haben mir in dieser schwierigen Zeit sehr geholfen“, berichtete der gefeierte Mehrkampf-Europameister von 2011 seiner Heimatzeitung.

Cheftrainer Andreas Hirsch wird einiges daran setzen, den Cottbuser weiter zu motivieren. „Er musste eine schwere Kröte schlucken. Ich werden ihn daher in keiner Weise bedrängen, aber ich werde ihm auch nicht den Rücken zuwenden. Wir haben vereinbart, uns demnächst zu einem offenen Vier-Augen-Gespräch zusammenzusetzen“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa, ohne eine Richtung vorzugeben.

Auch Boy lässt sich auf Spekulationen nicht ein. „Im Moment fehlen mir das Feuer und die Motivation, um mich jeden Tag in der Halle im Training zu schinden“, meinte er. Und er weiß auch, dass sein Umfeld noch einiges von ihm erhofft. Er fühle sich aber nicht bedrängt, weder von seinem Heimatverein SC Cottbus noch von Sponsoren.

Als Indiz, dass seine Karriere zu Ende geht, ist Boys Absage eines Lehrgangs der Bundeswehr-Sportfördergruppe im November und Dezember. Das könnte gleichbedeutend mit seinem Abschied von seinem wichtigsten Geldgeber sein. „Für diese Gedanken habe ich momentan noch keine Lösung“, gesteht auch Hirsch. „Ich gebe mir Zeit bis zum Jahresende und werde dann schauen, was mein Körper sagt“, kündigte Boy an.

Ein lockeres Ausklingen der Karriere komme für ihn nicht infrage. Eine Olympia-Medaille ist in weite Ferne gerückt, zumal Boy zuletzt nur die Nummer drei hinter Marcel Nguyen und Fabian Hambüchen war. „Wenn ich etwas mache, dann will ich der Beste sein. Nur bei Olympia dabei zu sein, zählt für mich nicht.“ Für die Fortsetzung der Laufbahn spricht, dass er vom 4. bis 18. Oktober mit dem Gros der Auswahl auf Trainingsreise nach Chile und Brasilien geht.

Hambüchen und Nguyen verzichten auf Trainingsreise nach Südamerika

Die deutschen Olympia-Silbermedaillengewinner Marcel Nguyen und Fabian Hambüchen verzichten auf die geplante Trainingsreise der deutschen Turn-Auswahl vom 4. bis 18. Oktober nach Chile und Brasilien. Das kündigte Chef-Trainer Andreas Hirsch am Freitag an.

Marcel Nguyen wird in den kommenden Wochen für Meister KTV Straubenhardt in der Deutschen Turn-Liga (DTL) antreten und zugleich mehrere Sponsoren-Termine wahrnehmen, Fabian Hambüchen startet am 1. Oktober sein Studium an der Sporthochschule Köln. „Daher haben wir vorher abgesprochen, dass sie beide nicht mitkommen“, sagte Hirsch.

Die Reise nach Südamerika diene in erster Linie dem Kennenlernen des Austragungsortes der nächsten Olympischen Spiele Rio de Janeiro, erklärte der Cheftrainer. Bei gemeinsamen Trainingsstunden mit chilenischen und brasilianischen Spitzenturnern werde man die Kontakte zu den Südamerikanern vertiefen. Größere Wettkämpfe sind auf der zweiwöchigen Tour nicht geplant.

dpa

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