Furioser Olympia-Auftakt

Sehbehinderter Athlet stellt Weltrekorde auf

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Im Dong-Hyun 

London - Mit zwei Weltrekorden sind Südkoreas Kunstschützen um Im Dong-Hyun furios in die olympischen Wettbewerbe im Bogenschießen gestartet.

Auf kurze Distanz blind wie ein Maulwurf, aber aus der Ferne ein Kunstschütze: Der stark sehbehinderte Südkoreaner Im Dong-Hyun hat zum Auftakt der Wettbewerbe mit dem olympischen Recurve-Bogen mit Weltrekorden in Einzel und Team für Paukenschläge der besonderen Art gesorgt. Der 26-Jährige, der eine Zeitung kaum noch lesen kann, erzielte im altehrwürdigen Lord's Cricket Ground mit seinen 72 Pfeilen aus 70 Meter Entfernung 699 Ringe - dabei hatte das Ziel gerade mal einen Durchmesser von 12,2 Zentimetern. Zudem verbesserte Im mit seiner Mannschaft im Teamwettbewerb die Höchstmarke gleich um 18 auf 2087 Ringe.

Obwohl er kaum etwas sieht, hat er den Bogen raus. „Das war nur die erste Runde, deshalb bin ich auch nicht so wirklich aufgeregt“, sagte Im, der im Nahbereich auf dem linken Auge nur noch zehn Prozent Sehkraft besitzt. Auf dem rechten sind es noch 20 Prozent. Im Dong-Hyun mag den Wirbel um seine Person generell nicht. Und er hat es auch nicht gern, wenn man ihn auf seine Sehschwäche anspricht. Brüsk kontert er dann: „Ich habe keinen Stock und keinen Blindenhund. Ich finde es nicht schön, wenn mich Leute behindert nennen. All dieses Interesse an meinem Sehvermögen heiße ich nicht willkommen.“

So ganz im Dunkeln lässt Im die Menschheit aber nicht. „Wenn ich auf das Ziel schaue, sieht es so aus, als wären verschiedene farbige Bilder in Wasser getaucht worden“, so schilderte er der BBC seine Sicht der Dinge, „die Ränder sind verschwommen, die Trennungslinien zwischen den Farben unscharf.“

An diesem Zustand etwas ändern will Im Dong-Hyun aber nicht. Weder das Tragen einer Brille noch eine Operation kommen für ihn infrage. „Ich habe es mit einer Brille versucht, aber das war beim Schießen nicht sehr bequem“, sagte Im. Er könne nur versuchen, die Farben zu erkennen und zu unterscheiden. „Wenn das nicht gelingt, habe ich ein Problem“, sagt Im.

Mit der Farbe Gold hatte Im Dong-Hyun bislang keine Schwierigkeiten. Bereits zweimal hatte er mit Südkorea Mannschafts-Gold gewonnen, 2004 in Athen und vier Jahre später in Peking. Hinzu kommen vier WM-Siege. Nun soll im dritten Anlauf endlich auch der erste Einzel-Triumph folgen, im Finale am kommenden Freitag. „Das ist mein dritter Versuch. Wenn der gelingt, bin ich glücklich“, sagte Im.

Gefährlich werden könnte ihm allerdings ein Landsmann. Kim Bubmin lag in der Vorplatzierungsrunde mit 698 Ringen nur einen hinter seinem Teamkollegen. In diese Sphären konnte der einzige deutsche Teilnehmer nicht vorstoßen. Camilo Mayr (Welzheim) landete mit 653 Ringen auf dem 52. Platz unter 64 Teilnehmern. In der Frauen-Konkurrenz landete Elena Richter (Berlin) mit 645 Ringen auf Position 30. Beste war die Südkoreanerin Ki Bobae (671).

sid

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