Nur Blech statt Gold

Olympia-Aus: Spanier als schlechte Verlierer

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Madrid - Nach dem Gewinn der Welt- und Europameisterschaft wollten Spaniens Fußballer sich auch olympisches Gold holen. Zwei 0:1-Schlappen gegen Japan und Honduras setzten den Hoffnungen ein jähes Ende.

Juan Mata verstand die Fußball-Welt nicht mehr. Fassungslos stand der im Mai mit dem FC Chelsea als Champions-League-Sieger und dann vor vier Wochen als Europameister gekürte spanische Nationalspieler auf dem Rasen des St. James' Park in Newcastle. Gerade war sein Traum, den sportlichen Super-Sommer mit der olympischen Goldmedaille zu krönen, durch das blamable 0:1 der spanischen Olympia-Auswahl gegen Außenseiter Honduras jäh zerstört worden.

„Blech“ statt Gold - das irritierte die erfolgsverwöhnten Fans daheim. „Die Niederlage fühlt sich an wie ein trockener Faustschlag in die Magengrube“, beschrieb die Zeitung „El Mundo“ am Montag die Stimmung unter den spanischen Fußballfreunden.

Da die Spanier bereits ihr erstes Gruppenspiel gegen Japan 0:1 verloren hatten, können sie selbst bei einem Sieg im letzten Match gegen Marokko nicht mehr ins Viertelfinale einziehen. Dagegen sind die übrigen Top-Favoriten auf Kurs. Gold-Anwärter Brasilien zog mit einem 3:1-Sieg über Weißrussland vorzeitig ins Viertelfinale ein. Gastgeber Großbritannien verhinderte mit dem mühsamen 3:1-Erfolg über die Vereinigten Arabischen Emirate eine Schlappe und steht schon bei einem Punktgewinn gegen Uruguay ebenfalls in der Runde der Top-Acht.

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Die Spanier hatten nach dem Gewinn der EM-Turniere 2008 und 2012 sowie der Weltmeisterschaft 2010 bei Olympia mit einem Finale gegen Brasilien und dem Gewinn der Goldmedaille geliebäugelt. „Das Olympia-Aus beschädigt das Ansehen des spanischen Fußballs“, beklagte die Zeitung „El País“. „Spanien bot gegen Teams der zweiten Kategorie Darbietungen, die am Rande der Lächerlichkeit standen.“

Nach dem Abpfiff des Honduras-Spiels erwiesen sich die Spanier auch noch als schlechte Verlierer. Die Europameister Mata und der vom FC Bayern München umworbene Javier Martínez konnten ihre Teamkameraden nur mit Mühe davon abhalten, ihren Frust am Schiedsrichter auszulassen. „Jeder hat gesehen, was geschehen ist: Der Referee hat uns zwei Elfmeter versagt“, empörte sich Iker Muniain, der noch der beste spanische Akteur war.

Sein Team war durch Jerry Bengtson (7. Minute) früh in Rückstand geraten und fand lange nicht zum Spiel. Erst in der Schlussphase bestürmte „La Rojita“ (die kleine Rote) bedingungslos das Tor der Mittelamerikaner, hatte aber bei drei Pfosten- und Lattentreffern Pech. „Spanien spielte erst so wie Spanien, als praktisch schon zu spät war“, meinte „El Mundo“.

Das Madrider Sportblatt „Marca“ tröstete die Fans damit, dass im Fußball vor allem die Welt- und Europameisterschaften zählen. „Olympia hat nie wirklich an den Fußball geglaubt“, schrieb die meistgelesene spanische Zeitung. „Spanien hat die Wettbewerbe gewonnen, auf die es in Wirklichkeit ankommt. Die Olympia-Schlappe gefällt uns zwar nicht, aber sie schmerzt auch nicht sonderlich.“

dpa

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