Peinlicher Auftritt in EM-Qualifikation

Handballer blamieren sich gegen Montenegro

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Der Druck auf Martin Heuberger und seine Mannschaft ist nach der Heimpleite gestiegen.

Mannheim - Das hatten die deutschen Handballer nicht erwartet: Zum Auftakt der EM-Qualifikation blamierte sich der EM-Siebte in Mannheim mit einer Heimpleite gegen Montenegro.

Kein Mut, keine Leistung, kein Konzept - die deutschen Handballer haben sich zum Auftakt der EM-Qualifikation bis auf die Knochen blamiert. Die Mannschaft von Bundestrainer Martin Heuberger verlor gegen das international zweitklassige Montenegro völlig verdient mit 27:31 (11:17) und steht vor dem zweiten Gruppenspiel in Israel am Sonntag (18.30 Uhr) bereits gehörig unter Druck. Zwei Monate vor der WM in Spanien läuft das deutsche Team seiner Bestform bedenklich hinterher.

„Wir haben erst in den letzten 15 Minuten Handball gespielt. Keiner hat seine Leistung abgerufen“, sagte Kapitän Oliver Roggisch: „Am Sonntag müssen wir ein anderes Gesich zeigen. So haben wir es auch in Israel schwer.“ Auch Heuberger war enttäuscht: „Wir haben keine Sicherheit bekommen. Montenegro hat clever gespielt. Wir sind nicht mehr rangekommen. Ich muss die Sache erst einmal verarbeiten.“

Bester Torschütze in einer über die gesamte Spielzeit enttäuschenden Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) vor 7247 Zuschauern in Mannheim war Kreisläufer Patrick Wiencek mit sechs Treffern. Für Montenegro traf Drasko Mrvaljevic am häufigsten (7). Dritter Gegner in Gruppe 2 der EM-Qualifikation ist Tschechien. Nur die ersten beiden Teams sind bei der Europameisterschaft im Januar 2014 in Dänemark dabei.

Hinten zeigte sich die von Roggisch dirigierte 6:0-Formation teilweise wie ein Hühnerhaufen, vorne mangelte es gegen die offensive Deckung der Gäste an Durchschlagskraft, Ideen und Spielfreude. Vor den Augen von Joachim Deckarm, Weltmeister von 1978, und DHB-Manager Heiner Brand fanden die deutschen Spieler zu keiner Zeit ein Mittel gegen die robusten Gäste.

Obwohl Montenegro flächenmäßig nicht einmal die Größe Schleswig-Holsteins besitzt, hatte Heuberger vor dem Duell mit dem Balkanstaat davor gewarnt, dass „die Leistungsdichte in Europa unglaublich ist“ und derzeit „alles möglich“ sei. Montenegro, das bisher erst bei einem großen Turnier dabei war, hatte in der Qualifikation zur WM in Spanien den späteren Olympia-Zweiten Schweden ausgeschaltet.

Heuberger musste beim ersten Pflichtspiel seit fünf Monaten auf drei Stammkräfte verzichten. Sowohl die Rückraumspieler Holger Glandorf und Lars Kaufmann als auch Rechtsaußen Patrick Groetzki pausierten nach Verletzungen sicherheitshalber. Den Comeback-Plänen von Spielmacher Michael Kraus hatte der Bundestrainer unterdessen trotz starker Leistungen im Verein von sich aus eine Absage erteilt.

So standen zunächst vor allem Martin Strobel und der nach einem Fußbruch genesene Michael Haaß im Fokus. Doch auch die beiden Spielmacher konnten den katastrophalen Start des Favoriten nicht verhindern. Schon nach elf Minuten nahm Heuberger die erste Auszeit. „Wir kriegen keine richtige Dynamik rein. Das ist alles zu langsam. Wir müssen mehr Power entwickeln“, schimpfte der 48 Jahre alte Schutterwälder beim Stand von 1:5.

Seine Spieler schienen ihm allerdings nicht wirklich zugehört zu haben. Auch in der Folgezeit dominierten die Gäste das Geschehen, trafen selbst in Unterzahl nach Belieben, so dass Deutschland über ein zwischenzeitliches 7:12 (22.) mit einem deutlichen Rückstand in die Pause ging. Ein Kempa-Trick der Montenegriner sorgte für den negativen Schlusspunkt einer Halbzeit, die als eine der schlechtesten der vergangenen Jahre in die Historie einging.

Im zweiten Abschnitt begann die auf mehreren Positionen veränderte Heuberger-Sieben zunächst etwas konzentrierter. Die eingewechselten Außen Tobias Reichmann und Dominik Klein verkürzten mit Kontern auf 13:17 (34.), und auch Keeper Silvio Heinevetter bekam ein paar Bälle zu fassen.

Die Montegriner ließen sich vom kurzen Zwischenhoch des Gastgebers allerdings nicht beirren und zogen scheinbar mühelos das Tempo wieder an. Spätestens beim 18:26 (50.) war die Partie entschieden. In den Schlussminuten gestaltete die DHB-Auswahl das Ergebnis etwas freundlicher.

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SID

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