Blamage für Bolt - Müller gewinnt Silber

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Usain Bolt kann's nicht fassen

Daegu - Superstar Usain Bolt hat bei der Weltmeisterschaft den größten Fehlstart der Leichtathletik-Geschichte hingelegt. Für Deutschland gab's indes die erste Medaille.

Usain Bolt riss sich im Zorn das Trikot vom Körper und Nadine Müller vollführte nach dem Diskus-Silber Freudensprünge: Jamaikas Weltstar mutierte am zweiten Tag der Leichtathletik-WM vom Siegertypen zum Verlierer von Daegu. Durch einen Fehlstart brachte sich der Weltrekordler ums reservierte 100-m-Gold. Dies schnappte sich in 9,92 Sekunden Landsmann Yohan Blake, der 2009 bei Bolts Weltrekordlauf in Berlin (9,58) wegen einer dreimonatigen Dopingsperre zum Zuschauen verurteilt war. „Suchen sie nach Tränen? Das wird nicht passieren“, sagte Bolt nach dem Finale kurz angebunden und ergänzte: „Wie es jetzt weitergeht? Die 200m sind am Freitag? Dann werden wir das am Freitag sehen.“

Nadine Müller, vor einem Jahr beim EM-Fehlschlag von Barcelona nur Achte, trat in Südkorea in die Fußstapfen der dreimaligen Weltmeisterin Franka Dietzsch, auch wenn ihre 65,97 m gegen die ebenfalls im zweiten Durchgang mit 66,52 m auftrumpfende Weltranglistenerste Li Yanfeng (32) aus China diesmal noch nicht zum Gold reichte.

„Genial, einfach nur genial. Ich bin super happy“, waren die ersten Worte, die die 25 Jahre alte Vize-Weltmeisterin in die Mikrofone sprach. Dann gestand die 1,93 m lange Blondine mit der Model-Figur: „Ich hätte vorher nicht gedacht, dass es zur Medaille reicht.“

Für Bolt reichte es tatsächlich nicht. Ungläubig starrte der Mann, der Vorlauf und Halbfinale so überlegen gewonnen hatte, dass er für viele Zweifler schon wieder unschlagbar war, auf die Wiederholung des Starts. Die unbestechliche Filmkamera lieferte den Beweis: Er hatte alles selbst vermasselt. Wortlos flüchtete er in die Katakomben des Stadions, sah nicht mehr hin, als Blake vor dem Amerikaner Walter Dix (10,08) und Ex-Weltmeister Kim Collins (St. Kitts und Nevis/10,09) das Gold gewann. Bester Europäer wurde der französische Europameister Christophe Lemaitre als Vierter (10,19).

Damit platzte Bolts Traum von der lückenlosen Titelsammlung, die bei Olympia 2008 in Peking mit drei Weltrekorden über 100, 200 und 4x100 m begonnen hatte, sich in Berlin mit drei weiteren Titeln und neuen Bestmarken auf den Einzelstrecken fortgesetzt hatte. Doch noch kann Bolt Schadensbegrenzung betreiben. Am Samstag hat der 25-Jährige die Chance auf 200-m-Gold, am Sonntag kann er mit der Staffel siegen. Mit Blake, der nach positiven Tests auf das Stimulans Methylxanthin 2009 drei Monate gesperrt war.

Mit Bolts Scheitern endete ein Wochenende, das in ganz anderer Weise schon spektakulär begonnen hatte. Nachdem Kenias Langstrecklerinnen zum Auftakt Sportgeschichte geschrieben und sämtliche sechs Medaillen gewonnen hatten bei den Triumphen von Edna Kipglagat im Marathon und Vivian Cheruiyot im 10.000-m-Lauf, schlugen die gedemütigten Äthiopier dann am Sonntag zurück. Der frühere Junioren-Weltmeister Ibrahim Jeilan rettete nach dem Ausstieg des viermaligen 10.000-m-Titelträgers Kenenisa Bekele in 27:13,81 Minuten die Ehre seines Landes.

Das erste Gold für die USA gewann Olympiasiegerin Brittney Reese, die mit 6,82 m den 2009 in Berlin gewonnenen Titel erfolgreich verteidigte. Wenig später folgte der Zehnkampf-Doppelsieg der US-Amerikaner durch Trey Hardee (8607) und den Weltranglistenersten Ashton Eaton (8505). Am Morgen hatte auch Olympiasieger Waleri Bortschin beim russischen Doppelsieg im 20-km-Gehen wie 2009 in Berlin gewonnen.

Während sich das deutsche WM-Team durch den Ausfall von Vize-Europameister Carsten Schlangen (Berlin/1500 m) auf 71 Athleten verkleinerte, wollen Stabhochspringer Malte Mohr nach 5, 65 m in Runde eins („eine Medaille ist drin“) und der Leverkusener Hammerwerfer Markus Esser (77,60 m in der Qualifikation) am Montag ihre Chance auf Edelmetall nutzen.

Nicht ganz so gut sieht es nach 18,75 m im Kugelstoßen für die WM-Zweite Nadine Kleinert (Magdeburg) aus. Mit dem Stab rechnen sich für Dienstag die Leverkusenerin Silke Spiegelburg („Ich will ganz vorn mitspringen“) und Martina Strutz (Hagenow) gute Chancen aus.

Die Zehnkämpfer Jan-Felix Knobel (vier Bestleistungen/8211) und sein Frankfurter Klubkamerad Pascal Behrenbruch (8200) landeten auf den respektablen Plätzen sieben und acht. Dagegen kam schon in der zweiten Diszipin das Aus für Rico Freimuth (Halle/Saale) nach drei ungültigen Weitsprüngen und verletztem Knie.

Von 24 gestarteten Deutschen schieden in Runde eins acht aus. Im Weitsprung scheiterten Bianca Kappler (Rehlingen/6,48) und Sosthene Moguenara (Wattenscheid) mit blamablen 6,02 m, im Stabhochsprung Raphael Holzdeppe (Zweibrücken/5,50) und der zuletzt noch ins Team gerückte Karsten Dilla (Uerdingen-Dormagen) mit nur 5,35 m und im Kugelstoßen Josephine Terlecki (Magdeburg) mit 17,85 m. In Vorläufen schieden über 3000 m Hindernis als Neunte Jana Sussmann (LG Nordheide), über 110 m Hürden als Sechster Alexander John (Leipzig) und über 100 m als Fünfte Leena Günther (Köln) aus.

sid

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