Trainer wundert sich über Keppler-Aussage

"Bevor wir uns blamieren, fährt keiner"

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Stephan Keppler (Foto) hat bei seinem Trainer Charly Waibel für Verwunderung gesorgt

Kitzbühel - Die Torläufer um Felix Neureuther trumpfen groß auf, aber der Deutsche Skiverband könnte ohne Abfahrtsläufer zur WM in Schladming fahren. Die letzte Qualifikationschance bietet sich nun ausgerechnet in Kitzbühel.

Tobias Stechert lief mit einem glücklichen Lächeln durch den Zielraum der berüchtigten Streif in Kitzbühel. Es mag daran gelegen haben, dass die Sonne schien, in erster Linie aber wohl an seinem dick eingepackten, erst viereinhalb Monate alten Sohn Alexander, den er auf dem linken Arm trug. Stechert (27) wollte sich nur ein bisschen umsehen und trainieren. Der beste deutsche Abfahrer war verletzt, er wird in Kitzbühel nicht starten. Ein wenig hofft er noch auf die WM in Schladming (4. bis 17. Februar) - es könnte aber auch sein, dass dort gar kein deutscher Schussfahrer dabei ist.

Cheftrainer Charly Waibel war nach dem zweiten Training in Kitzbühel „ernüchtert“ von den Leistungen von Stephan Keppler und Andreas Sander. Und als ihm außerdem zu Ohren kam, dass sich Keppler „sicher“ ist, „dass wir nicht ohne Abfahrer zur WM fahren“, platzte dem sonst eher besonnenen Coach fast der Kragen. „Lieber fahren wir mit gar keinem hin, als dass wir uns dort blamieren“, sagte er mit ungeahnter Schärfe, „wenn keiner in WM-Form ist, fährt auch keiner.“ Stechert ist nicht in WM-Form, Sander nach seinem Trainingsunfall am Donnerstag ohnehin nicht bei der WM dabei. Keppler findet, seine Formkurve zeige „steil nach oben.“

Auf der berüchtigten Streif in Kitzbühel finden mit dem Super-G am Freitag und der Abfahrt am Samstag die letzten Speed-Rennen vor der WM statt - die letzte Chance, sich sportlich für Schladming zu qualifizieren. Sander wird sie nicht wahrnehmen können, auch die WM findet ohne ihn statt, nachdem er beim Einfahren für das Abschlusstraining einen Bruch des rechten Zeigefingers und einen Haariss im Handgelenk erlitt: Drei Wochen Gips bedeuten für Kitzbühel und Schladming das Aus.

Stechert dürfte selbstverständlich teilnehmen in Schladming, er hat am 24. November beim Abfahrtsrennen im kanadischen Lake Louise sensationell Rang fünf belegt. Das Nominierungs-Kriterium für eine WM-Teilnahme - einmal unter die ersten Acht oder zweimal unter die ersten 15 im Weltcup - war damit auch erfüllt. Doch nur eine Woche später in Beaver Creek im US-Bundesstaat Colorado der Rückschlag: Nach drei verheißungsvollen Trainingsfahrten zog sich Stechert im Rennen, an dritter Stelle liegend, eine Knorpelverletzung und eine Blessur am Fibulaköpfchen im linken Knie zu. Operation. Pause.

„Ich weiß nicht, ob es reicht für Schladming“, sagt Stechert. Sein operiertes linkes Knie schmerzt, vielleicht wird er erst nach der WM in Garmisch-Partenkirchen oder im norwegischen Kvitfjell in den Weltcup zurückkehren. Bleiben Keppler und Sander. Keppler hat immerhin eine Platzierung unter den ersten 15 vorzuweisen, Sander keine. Das muss nichts heißen, eine WM-Nominierung läuft nicht ganz so streng ab wie bei Olympia, das bedeutet: Auch wer die Kriterien nicht erfüllt, kann für die WM nominiert werden - wenn die Trainer dies befürworten. Aber die Form sollte schon stimmen.

Tom Aschauer, Abfahrtstrainer der deutschen Männer, bestätigt immerhin die zweite Einschätzung von Keppler: Der zeige in der Tat ansteigende Form. Bei der vorletzten Abfahrt in Bormio war er guter Elfter, am Samstag in Wengen schied er aus. Zurzeit hat Keppler aber auch Probleme mit dem rechten Sprunggelenk. Im Abschlusstraining für die Abfahrt kam er immerhin auf Rang 19.

sid

Die Sporthöhepunkte des Jahres 2012 in Bildern

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