"Unterirdisch"

Weltrekord-Heidler scheitert kläglich

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Betty Heidler hat die Nase gestrichen voll

Helsinki - Gold-Favoritin Betty Heidler ist bei der Leichtathletik-EM überraschend in der Hammerwurf-Qualifikation gescheitert. Sie glaubt schon an einen Helsinki-Fluch.

Nächster Schock für das deutsche Team: Dem EM-Verzicht von Hochspringerin Ariane Friedrich und Rang sechs von Titelverteidigerin Verena Sailer im 100-m-Finale folgte am dritten Tag der Leichtathletik-EM in Helsinki die Hammerwurf-Pleite von Betty Heidler. Nach zwei ungültigen Versuchen scheiterte die Weltrekordlerin (79,42 m) mit für sie lächerlichen 65,06 m als 17. am Einzug ins Finale. Weltmeister Robert Harting zog mit 65,49 m nicht ganz so souverän wie erhofft in den Diskus-Endkampf am Samstag ein. Positivpunkt: Weitspringer Sebastian Bayer trumpfte mit 8,34 m auf - wenn auch mit zu viel Wind.

Betty Heidler war stumm und fassungslos, Trainer Michael Deyhle verstand die Welt nicht mehr. „Psychoterror, Katastrophe, Kindergartenfehler“ sprudelte es aus dem Mund des konsternierten Coaches, nachdem die Titelverteidigerin völlig überraschend das Finale der 12 Besten verpasst hatte. Nach zwei ungültigen Versuchen bot die Weltrekordlerin (79,42) eine lächerliche Weite und Deyhle sagte zum Debakel: „Vor Olympia ist es schlimm, sich so eine Ohrfeige abzuholen. Wir müssen jetzt trotzdem positiv an die Aufarbeitung gehen.“

Wenig später fand die 28-Jährige nach dem stummen Marsch durchs Stadion wieder ihre Sprache. „Ich glaube, ich komme nicht mehr nach Helsinki, das ist mir hier jetzt schon zum zweiten Mal passiert“, erinnerte Betty Heidler an ihre dunkle Stunde mit drei ungültigen Versuchen in der WM-Qualifikation 2005. Auch bei Olympia 2008 in Peking hatte die Jura-Studentin ein Jahr nach dem WM-Sieg von Osaka eine Pleite erlebt, als sie nach zwei ungültigen Versuchen mit 70, 06 m nur Neunte wurde.

„Ich bin die Würfe falsch angegangen, habe oben zu viel getan und unten zu wenig. Vor dem dritten Versuch ging gar nichts mehr“, gestand Betty Heidler. Im Wettkampf („ich hatte mich darauf gefreut, ging locker rein“) konnte sie das Problem nicht abstellen. „Ich habe mich zu viel auf die Technik konzentriert und zu wenig auf die Dynamik. Das mache ich bei Olympia anders. Verunsichert bin ich vor London jetzt nicht“, versuchte sie den Journalisten klar zu machen.

Schlecht geschlafen, Kritik am Ring, Probleme mit der Beinarbeit und keine überzeugende Weite: Robert Harting präsentierte sich etwas unzufrieden, nachdem er nur als Drittbester der Qualifikation das Finale erreicht hatte. Im zweiten Versuch wollte er auf Weite gehen. „Das hat nicht ganz geklappt, aber ich weiß auch, woran es liegt: Ich habe schlecht geschlafen, der Ring ist etwas stumpf. Und an der Beinarbeit fehlt es nach dem intensiven Krafttraining gestern.“

Doch für den EM-Zweiten von 2010 und Olympiavierten von 2008 ist vor dem Finale dennoch klar: „Über 68 Meter werfen und gewinnen. Gold muss her. Mir fehlen noch zwei wichtige Titel, die will ich in Helsinki und in fünfeinhalb Wochen bei Olympia in London gewinnen.“

Sebastian Bayer, dessen Freundin Carolin Nytra erkrankt fehlte, als ihre Hürdenkolleginnen Cindy Rohleder (Leipzig) und Nadine Hildebrand (Kornwestheim-Ludwigsburg) ins Halbfinale einzogen, sprang bei 2,4 m Rückenwind weiter als jeder andere vor dem Weitsprung-Finale am Sonntag. „Ich hoffe die Weite im Finale zu bestätigen oder vielleicht sogar zu verbessern.“

Seine Weitsprung-Kollegen Nils Winter (Buxtehude/7,71) und Alyn Camara (Leverkusen/7,80) erhöhten die Zahl der in Runde eins ausgeschiedenen Deutschen auf 12. Denn neben Heidler scheiterte auch Diskuswerfer Martin Wierig (Magdeburg) als 15. der Qualifikation (61,34 m). Weiter kam Markus Münch (Wedel-Pinneberg) mit 62,83, ebenso im Hammerwurf Heidlers Frankfurter Klubkameradin Kathrin Klaas (68,95). Das Halbfinale erreichten über 200 m Sebastian Ernst (Wattenscheid), Sven Knipphals (Wolfsburg) und Inna Weit (Paderborn).

sid

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