Benefizspiel in Kassel

Tränen und Tore zu Ehren der Methes

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Petra Methe, Witwe des verunglückten Handballschiedsrichters Bernd Methe, spricht vor Beginn des Spiels zum Publikum

Kassel - Der Ergebnis war zweitrangig: Rund um das Benefizspiel nach dem Tod der Schiedsrichter-Zwillinge Bernd und Reiner Methe standen die Emotionen im Mittelpunkt.

Als Petra Methe mit brüchiger Stimme eine bewegende Dankesrede an die Handballer richtete, hatten nicht nur die 4300 Zuschauer in der ausverkauften Rothenbach-Halle Tränen in den Augen. „Das ging unter die Haut. Ich bin jemand, der nah am Wasser gebaut ist, und das nimmt einen schon emotional mit“, sagte Linksaußen Dominik Klein nach dem Benefizspiel zu Gunsten der Angehörigen der im November 2011 tödlich verunglückten Schiedsrichter-Zwillinge Bernd und Reiner Methe: „Über die Jahre hinweg hatte man zu den beiden schon eine besondere Beziehung aufgebaut.“

Der 36:29 (18:14)-Sieg der deutschen Handball-Nationalmannschaft gegen den Bundesligisten MT Melsungen war am Ende nebensächlich. „Es war natürlich ein trauriger Anlass, aber ich glaube, so hätten die beiden es gewollt“, sagte Torhüter Silvio Heinevetter: „Vor allem die Rede war sehr bewegend. Aber danach wollten die Zuschauer auch ein Handballspiel sehen, und da sollte man sich bei aller Wehmut auch wieder auf seinen Job konzentrieren.“

Beide Mannschaften boten den Zuschauern offensiven Handball und viele Tore. „Traurig, dass man so einen Anlass braucht, um so ein tolles Handballspiel zu erleben“, sagte Bundestrainer Martin Heuberger: „Dass die Halle ausverkauft war, hat gezeigt, was für große Persönlichkeiten die Methe-Brüder waren. Die Zuschauer haben ihnen damit die letzte Ehre erwiesen.“

Bernd und Reiner Methe waren über viele Jahre das herausragende deutsche Schiedsrichtergespann. Die beiden Weltklasse-Referees waren am 11. November 2011 auf dem Weg zum Bundesligaspiel zwischen der HBW Balingen-Weilstetten und dem SC Magdeburg tödlich verunglückt. Sie wurden 47 Jahre alt. „Es ist eine große Ehre, dass dieses Spiel heute ausgetragen wird. Die große Anteilnahme aus der Handball-Familie hat uns besonders gefreut“, sagte Petra Methe, die Ehefrau von Bernd. Sämtliche Einahmen kamen den Familien der Schiedsrichter zu Gute.

Auch sportlich konnte Heuberger mit der Leistung seiner Mannschaft beim Start in die Vorbereitung auf die EM-Qualifikation zufrieden sein. Der Bundestrainer testete in Kassel zahlreiche Perspektivspieler. Weil knapp vier Wochen vor den wichtigen EM-Qualifikationsspielen gegen Tschechien etliche Stammspieler ausfielen, standen Länderspiel-Debütant Christian Dissinger und Johannes Sellin als U21-Weltmeister von 2011 ebenso im Aufgebot wie Kai Häfner und Fabian Gutbrod als Junioren-Weltmeister von 2009. Zudem hatte Heuberger die Nachwuchskräfte Jens Vortmann, Evgeni Pevnov und Felix Danner nominiert.

„Ich war von unserer Angriffsleistung selbst überrascht. Man könnte meinen, die Mannschaft spielt in dieser Besetzung schon länger zusammen. Vor allem die jungen Spieler haben sich nahtlos eingefügt und tollen Handball gespielt“, sagte Heuberger, der aber auch „Konzentrationsmängel“ in der Abwehr gesehen hatte.

Die Partie gegen Melsungen war das erste von drei Testspielen im Rahmen eines Lehrgangs des Deutschen Handballbundes (DHB) in Rotenburg an der Fulda in dieser Woche. Am kommenden Wochenende tritt die DHB-Auswahl in Wetzlar (9. März) und Koblenz (10. März) jeweils gegen die Schweiz an.

sid

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