Becker: Beim Pokern fühle ich mich wie 25

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Boris Becker am Pokertisch 

München - Tennislegende Boris Becker erlärt im Interview sein Faible fürs Pokern und wehrt sich gegen das Image des Kartenspiels. Über einen Vorwurf aus der Tenniswelt wundert er sich.

Boris Becker ist nach dem Wechsel an der Spitze des Deutschen Tennis Bundes (DTB) wieder zu einem verstärkten Engagement für das deutsche Tennis bereit. Im Interview spricht der dreimalige Wimbledonsieger über das deutsche „Fräuleinwunder“, die Chancen auf ein Engagement beim DTB und Poker als Mittel gegen das Älterwerden.

Boris Beckers Frauen - exotisch und erotisch

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Herr Becker, wenn Sie in der heutigen Zeit aufwachsen würden, wären Sie Pokerprofi geworden oder trotzdem Tennisprofi?

Boris Becker: „Ich hätte natürlich deutlich früher Poker gespielt. Ich bin ein leidenschaftlicher Pokerspieler. Um das aber mal zu klären: Als Pokerprofi würde ich mich nicht bezeichnen, dafür spiele ich zu wenig. Wenn ich das mit dem Tennis hätte verbinden können, wäre das ideal gewesen.“

Häufig wird das größere Freizeitangebot für Jugendliche als Grund für fehlenden Nachwuchs im Sport angeführt. Sehen Sie das genauso?

Becker: „Absolut, die Kinder haben früher ohne Zweifel mehr draußen gespielt und wurden so auch eher an diverse Sportarten herangeführt als heute im Zeitalter des Internets und der Computerspiele. Da sind zum Teil schon auch die neuen Medien schuld. Wobei ich froh bin, dass wir sie haben. Wenn man die Interviews mal genau liest, was unsere Fußball-Nationalspieler in ihren Pausen machen, ist das oft Playstation spielen. Ich glaube, nichts anderes hätte ich heute als 20-Jähriger in meinen Pausen auch gemacht. Aber ich denke nicht, dass der Playstation- oder Internet-Konsum der heutigen Jugend für die fehlenden deutschen Wimbledon Sieger verantwortlich ist!“

Sie haben sich eindeutig positioniert. Können Sie verstehen, warum Menschen Poker immer noch als Glücksspiel ansehen?

Becker: „Nein. Ich bemühe mich seit Jahren, der Öffentlichkeit zu erklären, dass Poker ein Geschicklichkeitsspiel ist - bei dem man natürlich das Quäntchen Glück braucht. Aber das braucht man fast in jeder Sportart. Mittlerweile sehen das auch die Gesetzgeber so, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis da die ganz große Entscheidung fällt.“

Pius Heinz hat mit seinem Gewinn der Poker-WM das Thema in Deutschland noch einmal in die große Öffentlichkeit gebracht. Kann er so etwas für das deutsche Pokern werden wie Sie 1985 für das deutsche Tennis?

Becker: „Ich hoffe das sehr. Ich muss aber mehreren deutschen jungen Spielern ein Kompliment aussprechen. Pius ist sicherlich der Bekannteste und hat den größten Preis gewonnen. Aber es gibt eine ganze Generation, die jetzt durch den Weltmeister Pius eine Galionsfigur hat. Mittlerweile wird Poker ja auch von der'konservativen' Presse wahrgenommen.“

Sie haben mal gesagt: 'Poker gibt mir das Gefühl eines 25-Jährigen zurück.' Ist Poker ein Mittel gegen das Älterwerden?

Becker: „Nicht, dass ich Probleme damit hätte, 44 zu sein. Aber es erinnert mich sehr an meinen Lebensstil als 25-Jähriger. Von Woche zu Woche in anderen Hotels, mit meiner Generation, mit meinesgleichen. Man trifft sich, verbringt den ganzen Tag zusammen. In meinem Fall war es Tennis, hier ist es Poker. Das erinnert mich sehr an meine Tenniszeit, deshalb diese Aussage.“

Viele Sportler spielen mittlerweile Poker. Ist dieser „Kick“, der immer beschrieben wird, das, was nach dem Ende einer Karriere fehlt?

Becker: „Ja, es erinnert mich an bestimmte Herzfrequenzen bei entscheidenden Spielständen. Das ist etwas, was auf der einen Seite anstrengend ist und nervt, auf der anderen Seite das gewisse Etwas ausmacht. Ja, das mag ein Grund sein, warum viele Athleten Poker spielen. Es ist dieses Gefühl, was man kaum beschreiben kann.“

Gibt es auch mal schlaflose Nächte nach bestimmten Situationen?

Becker: „Absolut. Wenn man eine Leidenschaft für etwas hat, dann spielt man auch mit Emotionen. Wenn ich abends um zehn mit einer dummen Hand verloren habe, dann findet die Nacht ohne Schlaf statt, und man überlegt die ganze Nacht. Das ist nach wie vor so.“

Es gibt das Zitat: 'Boris Becker macht viel Urlaub und spielt Poker. Er könnte mehr für das deutsche Tennis tun und es nicht in acht von zehn Interviews schlechtreden!' Wissen Sie, von wem das stammt?

Becker: „Ich weiß nicht, wer das gesagt haben soll. Helfen Sie mir auf die Sprünge?“

Philipp Petschner wurde so zitiert.

Becker: „Ach so. Philipp kenne ich eigentlich gut und mag ihn auch. Es würde mich wundern, wenn diese Aussagen eins zu eins von ihm gekommen sind. Wie soll ich drauf antworten? Soll ich ihn anrufen und fragen, ob wir uns morgen zum Mittagessen treffen oder ob ich ihm mal die Rückhand beibringen soll?!“

Und was noch?

Becker: „Er ist vielleicht das beste deutsche Talent, das wir haben. Der Junge ist 26 Jahre und hat sich entschlossen, leider nur im Doppel weltklasse zu spielen und nicht im Einzel. Warum er das macht, ist mir und jedem, der sich für das deutsche Tennis interessiert, schleierhaft. Er wird seine Gründe haben. Mir hat er sie jedenfalls noch nicht verraten.“

Interessiert Sie solche Kritik überhaupt?

Becker: „Also Punkt A: Ich wünschte, ich könnte deutlich mehr Urlaub machen, als ich es tue. Meine Frau würde sich freuen. Punkt B: Versuche ich dem deutschen Tennis immer schon zu helfen - als Spieler, als Teamchef. Das war natürlich alles auch vor seiner Zeit. Vielleicht erinnert er sich nicht mehr an alles, was ich gemacht habe.“

Wie ist denn Ihr Verhältnis zum neuen DTB Präsidenten Karl Altenburg?

Becker: „Er hat mich direkt nach seiner Wahl angerufen, und wir haben vereinbart, dass wir uns austauschen und bestimmt eine Lösung finden werden, wie ich dem deutschen Tennis helfen kann.“

Zuletzt haben Sie das deutsche Frauentennis sehr gelobt. Sehen wir 2012 eine deutsche Grand-Slam-Siegerin?

Becker: „Kann gut sein. Ich wäre nicht überrascht, wenn die Andrea (Petkovic, d. Red.) oder die Sabine (Lisicki, d. Red.) es schaffen, nicht nur ins Halbfinale oder ins Finale zu kommen, sondern auch ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen. Es ist ja eine Gruppe von vier Mädels, die sich gegenseitig pushen und gerade bei Grand Slams für Furore sorgen.“

Wie wichtig sind die Damen im Moment für das deutsche Tennis?

Becker: „Ich merke das ja auch in Deutschland, Tennis ist wieder in aller Munde. Alle freuen sich über den Damenerfolg und fragen: Wo sind die Männer? Das deutsche Tennis hat das verdient, dass es wieder in den Medien ist, dass wir darüber lesen können, und vielleicht gibt es ja 2012 eine Renaissance des deutschen Tennis.“

Was machen die Frauen denn besser?

Becker: „Ihre Priorität ist es, gerade bei den Grand Slams ihr bestes Tennis zu zeigen, und das ist der große Unterschied zu den Herren.“

sid

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