Männer holen regulär Bronze

Bahnrad-Frauen vom Gold-Glück geküsst

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Miriam Welte (r.) and Kristina Vogel dachten erst, sie hätten Silber gewonnen 

London - Kristina Vogel und Miriam Welte holen sich im Bahnrad-Teamsprint wegen zweier Disqualifikationen Gold. Wenig später ziehen ihre männlichen Kollegen mit Edelmetall nach.

Kristina Vogel und Miriam Welte schlugen die Hände vor den Mund und konnten ihr Glück kaum fassen. Gold? Ja, Gold! Die beiden deutschen Teamsprinterinnen hatten sich längst auf Silber eingestellt, sie waren eine Ehrenrunde gefahren, sie hatten mit ihren Familien gejubelt - doch dann beugte sich eine Reporterin der BBC über die Absperrung und sagte: Die Chinesinnen werden zurückgestuft - Wechselfehler.

Gold, Silber, Bronze - die deutschen Medaillengewinner bei Olympia 2012

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Kristina Vogel und Miriam Welte waren sprachlos, bei der Siegerehrung schienen sie immer noch nicht zu verstehen, dass sie Olympiasiegerinnen waren. Und beflügelt vom Gold der Frauen retteten anschließend Rene Enders, Robert Förstemann und Maximilian Levy beim britischen Triumph mit Weltrekord zumindest Bronze gegen Australien. Nach dem Ausfall von Stefan Nimke war es ein versöhnliches Ende eines dramatischen Tages.

Kristina Vogel und Miriam Welte hatten gleich zweimal Glück. Schon in der ersten Runde waren die deutschen Weltmeisterinnen nur weitergekommen, weil Großbritannien ebenfalls zurückgesetzt wurde. Im Endlauf waren Welte und Vogel 0,179 Sekunden langsamer gewesen als die Chinesinnen, doch wegen Verlassens der Bahn wurden Gong Jinjie und Guo Shuang auf Rang zwei zurückgesetzt.

Auch die deutschen Männer hatten goldene Träume - und waren nach der Verletzung von Nimke zum Auftakt der Bahnradrennen durch ein Wechselbad der Gefühle gegangen. Nach einer Serie von Niederschlägen durften sie nach einem Sieg gegen Australien doch noch jubeln. Die Gastgeber mit Chris Hoy fuhren indes im Endlauf gegen Frankreich mit Weltrekord zu Gold.

Vogel und Welte wussten da noch immer nicht, wie ihnen gerade geschah. Ungläubig schüttelten die Erfurterin und die Kaiserslautererin immer wieder den Kopf. Hand in Hand stand das deutsche Duo dann auf dem Podium, sang mit glänzenden Augen die Hymne mit und herzte sich.

Für die deutschen Männer hätte der Wettkampf schon nicht schlechter beginnen können. Routinier und Leitfigur Nimke musste wenige Minuten vor der Qualifikation die Segel streichen. Der 34-Jährige aus Schwerin, die bei seinen letzten Olympischen Spielen wie in Athen 2004 Gold holen wollte, war wegen einer Muskelzerrung im Rücken nicht in der Lage zu starten.

Bis zuletzt war der viermalige Weltmeister und beste deutsche Bahnradfahrer der jüngeren Vergangenheit behandelt worden. Doch Nimke konnte vor Schmerzen kaum gehen und musste der bitteren Wahrheit ins Auge sehen. Für das Spiel mit den Hundertstel- und Tausendstelsekunden waren dies denkbar schlechte Voraussetzungen. Im Ringen um Details litt darunter zwangsläufig die Harmonie.

Das BDR-Trio wurde unter den Augen von Prinz William und seiner Gattin Kate Opfer der Umstände und verpasste das fest anvisierte Gold, das auch Bundestrainer Detlef Uibel als die wichtigste aller Medaillen auf der Bahn als klares Ziel ausgegeben hatte. Mit einer Energieleistung schafften sie zumindest noch den Sprung aufs Podium.

Vogel und Welte vertrauten hingegen wieder ihrem erfolgreich erprobten Ritual. Mit schwarz-rot-gold lackierten Fingernägeln waren beide an den Start gegangen, im Training hatten sie zudem Bestzeiten erzielt. Die Chinesinnen hatte das thüringisch-pfälzerische Duo aber wohl nicht so stark erwartet.

sid

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