Russen im Glücksrausch

Ski vermasselt Teichmann den Abschied

+
War nach seinem Abschiedsrennen von Olympia nicht zufrieden: Axel Teichmann.

Krasnaja Poljana - Der Olympia-Abschluss ist das Karriere-Ende von Axel Teichmann. Ein Fehlgriff in die Wachskiste kostet ihn eine angemessene Platzierung. Unschlagbar über die 50 Kilometer: drei Russen.

Nach dem olympischen Marathon-Finale verkündete Axel Teichmann kurz und bündig das Ende seiner Erfolgskarriere. „Ab jetzt gehe ich klettern“, sagte der zweimalige Langlauf-Weltmeister und verabschiedete sich in die sportliche Rente: „Mit einem 50-Kilometer-Rennen aufzuhören, ist etwas Besonderes. Ab jetzt genieße ich die Zeit mit der Familie.“

Obwohl Teichmann mehr als vier Minuten nach dem frenetisch bejubelten Alexander Legkow aus Russland ins Ziel kam, war er dort beim Interview-Marathon fast gefragter als der Olympiasieger und dessen mit Silber und Bronze dekorierte Landsleute Maxim Wylegschanin und Ilja Tschernussow. „Stockbrüche, Stürze und ab Kilometer 30 ein Ski, der gar nicht lief - das war's“, stellte er nach Platz 39 ein wenig enttäuscht fest.

Ausgerechnet im letzten Rennen der Karriere wurde der 34-Jährige im zweiten Teilstück vom Material ausgebremst. „Da haben die Techniker in die falsche Strukturkiste gegriffen“, berichtete er. Vorwürfe gab es aber keine. Bei 40 Kilometer stieg er auf ein anderes Gerät um und konnte dann seine abschließenden Karriere-Meter genießen. „Da habe ich meinen Frieden gefunden.“ Entsprechend zufrieden fiel seine Bilanz aus. „Ich bin stolz auf das, was ich geschafft habe.“

Stolz empfanden auch die Biathleten Arnd Peiffer und Erik Lesser, die Teichmann lange begleitet hatten. „Es war uns eine Ehre“, sagte Peiffer. Einen Tag nach dem Gewinn der Silbermedaille mit der Staffel hatte sich das Biathlon-Duo in das Langlauf-Abenteuer gestürzt. „Das war ganz cool. Abgesehen von ein paar Magenproblemen, wegen denen ich mich ein paar Mal übergeben musste, und dem schlechten zweiten Ski hat es richtig Spaß gemacht“, erzählte Peiffer.

Lesser genoss das Rennen ebenfalls. „Ich würde es wieder machen“, berichtete er stolz und ergänzte: „Es ist toll, wenn man so eine Chance bekommt. Die musste ich einfach nutzen. Zwischenzeitlich hatte ich mir sogar schon die Top 30 ausgerechnet. Aber dann kam der Skiwechsel und später stellten sich Krämpfe im Oberschenkel ein.“

Auch der vierte DSV-Starter Thomas Bing klagte über den zweiten Ski. „Ich wollte schon nach fünf Metern umdrehen, weil er überhaupt nicht funktioniert hat. Aber das ist ja leider verboten“, scherzte Bing. Als 36. war er dennoch bester Deutscher.

Eine große Party feierten die Russen, für die es doch noch ein Happy End in der Loipe gab. Tour-de-Ski-Sieger Legkow attackierte am letzten Anstieg und gewann den Spurt von der Spitze. Zu diesem Zeitpunkt war mit Dario Cologna der zweimalige Olympiasieger von Sotschi und Mitfavorit nach einem Skibruch zwei Kilometer vor dem Ziel bereits geschlagen. „Mit mir im Endkampf hätten nicht drei Russen auf dem Podium gestanden“, sagte der Schweizer enttäuscht.

Die deutschen Medaillengewinner in Sotschi

Am ersten Sonntag legte Felix Loch mit vier Fabelzeiten im Bobkanal den Grundstein für erfolgreiche olympische Spiele. Gold im Rodel-Einsitzer der Männer! © dpa
Am Montag gewann Maria Höfl-Riesch in der alpinen Super-Kombination ihre dritte Goldmedaille bei Olympia. © dpa
Auch im Rodel-Einsitzer der Damen dominierten die Deutschen: Natalie Geisenberger holte sich am Dienstag Gold... © dpa
...und Teamkollegin Tatjana Hüfner schnappte sich die Silbermedaille. © dpa
Carina Vogt sorgte am Dienstagabend dann für eine faustdicke Überraschung! bei der Premiere des Damenskispringens bei Olympia siegte die Deutsche. © dpa
Eric Frenzel wurde am Mittwoch seiner Favoritenrolle bei der nordischen Kombination gerecht und holte die fünfte Goldmedaille für Deutschland. © dpa
Tobias Wendl und Tobias Arlt legten am Mittwoch im Doppelrodler nach und sorgten für die dritte deutsche Goldmedaille im Rodeln. © AFP
Aljona Savchenko und Robin Szolkowy holen am Mittwoch Bronze für Deutschland im Eiskunstlauf! © dpa
Biathlet Erik Lesser sicherte sich am Donnerstag Silber über die 20 Kilometer © dpa
Im Super-G krallte sich Maria Höfl-Riesch am Samstag Silber © afp
Nicole Fessel, Stefanie Böhler, Claudia Nystad und Denise Herrmann holten in der 4x5-Kilometer-Staffel Bronze. © dpa
Am Montag holen die DSV-Adler sensationell Gold im Mannschaftsspringen. Andreas Wank, Marinus Kraus, Andreas Wellinger und Severin Freund setzten sich vor dem Quartett aus Österreich durch. Bronze ging an die Japaner. © dpa
Viktoria Rebensburg holte dank einer rasanten Aufholjagd am Dienstag Bronze im Riesenslalom. © dpa
Fabian Rießle holte in einem dramatischen Rennen in der Nordischen Kombination Bronze. © dpa
Die Nordischen Kombinierer Eric Frenzel, Björn Kircheisen, Johannes Rydzek und Fabian Rießle haben am Donnerstag Silber geholt. © dpa
Amelie Kober holte im Parallelslalom der Snowboarder Bronze. © dpa
Snowboarderin Anke Karsten fuhr im Parallelslalom zu Silber. © AFP
Die deutschen Biathleten Erik Lesser, Daniel Böhm, Simon Schempp und Arnd Peiffer haben in der Staffel Silber geholt. © dpa

Auch Petter Northug zog mit hängendem Kopf von dannen. Der norwegische Superstar wurde 18. und blieb ohne Olympia-Medaille. Das interessierte Teichmann aber schon nicht mehr. Er hatte nur noch einen Gedanken: „Heute Abend werde ich einen ausgeben.“

dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare