Doch weiter deutsche Hoffnungen

Australian Open: Aus für Lisicki und Haas

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Sabine Lisicki musste sich Caroline Wozniacki geschlagen geben.

Melbourne - Für Sabine Lisicki sind die Australien Open in diesem Jahr schon nach der ersten Runde zu Ende. Aber andere Deutsche haben den Sprung in die zweite Runde geschafft.

Tommy Haas hatte sein schwarzes Basecap tief ins Gesicht gezogen und blies Trübsal. Nach dem bitteren Erstrunden-Aus an der Stätte seiner größten Erfolge kokettierte der 34-Jährige sogar kurz mit einem Rücktritt. „Wenn morgen ein Angebot für etwas anderes kommt, würde ich es vielleicht annehmen“, sagte Haas nach dem 6:7 (3:7), 6:4, 3:6, 6:4, 6:8 gegen Jarkko Nieminen (Finnland) in seinem Auftaktmatch der Australian Open.

Der Frust saß tief wegen eines vergebenen Matchballs in der Schlussphase des fünften Satzes auf Showcourt 3. Und der genervte Haas hatte nach der dritten Auftaktpleite bei einem Grand-Slam-Turnier in Serie Sorge, dass er vielleicht nie mehr in den geliebten Melbourne Park zurückkehren wird.

„Wer weiß, ob ich nächstes Jahr hier bin. Mir geht das auf die Nerven, weil ich es selbst nicht weiß“, erklärte der Weltranglisten-21., der nach einem Traum-Comeback 2012 in seiner vielleicht letzten Saison nochmal so richtig durchstarten will: „Deshalb ist diese Niederlage jetzt eine bittere Pille.“

Ebenso wie der dreimalige Melbourne-Halbfinalist konnte auch Sabine Lisicki (Berlin) ihre Chancen nicht nutzen. Die Wimbledon-Viertelfinalistin unterlag Caroline Wozniacki (Dänemark/Nr. 10) trotz einer 3:0-Führung im entscheidenden Satz mit 6:2, 3:6, 3:6. Damit haben acht der 14 im Hauptfeld gestarteten deutschen Profis die zweite Runde von Melbourne erreicht.

Florian Mayer indes bewies zwei Tage vor der erwarteten Hitzewelle mit prognostizierten Temperaturen von 39 Grad Celsius große Nervenstärke. Der Davis-Cup-Spieler wehrte beim 2:6, 3:6, 6: 2, 7:6 (14:12), 6:1 gegen Rhyne Williams (USA) zwei Matchbälle ab und sprach trotz allem von der schlechtesten Leistung seiner Karriere.

Die deutsche Nummer eins Philipp Kohlschreiber (6:2, 6:3, 6:4 gegen Steve Darcis/Belgien) gab sich drei Tage nach seiner Final-Niederlage in Auckland keine Blöße. Für Überraschungen sorgten die 18-jährige Annika Beck (6:2, 6:7, 6:3 gegen Jaroslawa Schwedowa/Kasachstan) und Qualifikant Daniel Brands (6:3, 3:6, 6:3, 6:4 gegen Martin Klizan/Slowakei), die sich gegen gesetzte Profis durchsetzten.

Der Traum von Haas, seine Karriere vielleicht doch noch mit einem Grand-Slam-Titel abzurunden, wurde in der australischen Abenddämmerung noch ein Stück unrealistischer. „Das ist sehr enttäuschend. Es wird ein paar Tage dauern, bis ich mich wieder normal fühle“, sagte die einstige Nummer zwei der Welt und flüchtete nach dem Rückschlag Richtung Amerika. Die Zeit läuft gegen Haas - zuletzt hatte er 2007 im Halbfinale von Melbourne gestanden.

Sollte es sein letzter Auftritt an der Stätte seiner größten Erfolge gewesen sein, wird er sicherlich das Intermezzo vom vergangenen Jahr als Abschiedsvorstellung in Erinnerung behalten. Damals hatte er dem späteren Finalisten Rafael Nadal in der vollen Rod-Laver-Arena einen heißen Kampf geliefert. Der Spanier hatte dem Deutschen nach dem Match anerkennenden Applaus gespendet, während auch die Fans ihren Tommy feierten.

Zumindest einen Lichtblick sah der so oft verletzungsgeplagte Haas nach dem jüngsten Erstrunden-K.o. dann aber doch: „Körperlich habe ich mich auch im fünften Satz gut gefühlt. Das ist ein guter Schritt“, meinte der Halle-Sieger von 2012.

Auch Lisicki haderte mit der vergebenen Chance. „Natürlich bin ich sehr enttäuscht. Bei ein paar Schlägen haben hier und da ein paar Millimeter gefehlt. Ich habe dann das Selbstvertrauen verloren“, sagte die Weltranglisten-36., die im Mai 2012 als Zwölfte schon an den Top 10 geschnuppert hatte.

Seit dem Viertelfinal-Einzug in Wimbledon im Sommer 2012 hat die immer wieder von Verletzungen und Krankheiten geplagte Lisicki nur vier von zwölf Spielen gewonnen. Ihre riskante Spielweise - 57 unerzwungene Fehler bei 45 Gewinnschlägen - wurde der 23-Jährigen gegen Wozniacki zum Verhängnis. „Dass Sabine nach dem 3:0 so den Faden verliert, ist von außen betrachtet unerklärlich. Sie braucht jetzt viele Matches für die eigene Sicherheit“, erklärte Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner.

sid

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