Runde drei in Melbourne

Australian Open: So schlagen sich Kohli und Co.

+
Philipp Kohlschreiber besiegte Amir Weintraub in drei Sätzen.

Melbourne - Philipp Kohlschreiber steht bei den Australian Open in der 3. Runde der Herren-Konkurrenz. Florian Mayer kassierte dagegen eine bittere Pleite.

Im Glutofen von Melbourne hat Philipp Kohlschreiber kühlen Kopf bewahrt und ist nur noch einen Sieg von einem möglichen Australian-Open-Achtelfinale gegen Roger Federer entfernt. Daran denken wollte die deutsche Nummer eins zwar offiziell noch nicht. Doch beim Regenerieren im verdienten Eisbad nach dem 6:2, 7:6 (7:4), 6:4 gegen Amir Weintraub (Israel) dürfte Kohlschreiber insgeheim den ein oder anderen Gedanken an den Grand-Slam-Rekordsieger aus der Schweiz verschwendet haben.

„Ich wäre schon ganz zufrieden, wenn ich in der zweiten Woche auf dem Centre Court spielen könnte“, sagte der letztjährige Melbourne-Achtelfinalist Kohlschreiber, der am Samstag zunächst auf den Aufschlagspezialisten Milos Raonic (Kanada/Nr. 13) trifft.

Während Kohlschreiber als dritter und letzter deutscher Profi souverän in die dritte Runde der Australian Open einzog, platzte für ein Trio der Traum von einem Kräftemessen mit den Besten der Welt auf der großen Tennis-Bühne. Abreise für Florian Mayer, Daniel Brands und Annika Beck statt Rendezvous in Down Under mit Federer, Andy Murray und Serena Williams.

Vor allen Dingen Florian Mayer enttäuschte am bislang heißesten Turniertag mit Temperaturen bis zu 40 Grad Celsius auf der ganzen Linie. Bezeichnenderweise mit einem Harakiri-Volley besiegelte der an Position 25 gesetzte Davis-Cup-Spieler seine für ihn selbst „unerklärliche“ 2:6, 3:6, 1:6-Niederlage gegen den litauischen Qualifikanten Ricardas Berankis. Darum wurde es auch nichts mit einem Vergleich mit dem britischen US-Open-Gewinner Murray.

Auf Qualifikant Daniel Brands hätte im Kampf um den Sprung ins Achtelfinale sein Vorbild Federer gewartet. „Das wäre ein Traum gewesen, das Highlight meiner Karriere“, sagte der Weltranglisten-121. Brands. Doch auf dem Weg Richtung Federer verpasste der Deggendorfer trotz einer starken Leistung vor 15.000 Zuschauern in der Rod-Laver-Arena eine dicke Überraschung.

Nach der Abwehr von sieben Matchbällen musste sich der Wimbledon-Achtelfinalist von 2010 dem australischen Hoffnungsträger Bernard Tomic mit 7:6 (7:4), 5:7, 6:7 (4:7), 6:7 (8:10) beugen. Da nutzte es wenig, dass Brands insgesamt sogar einen Punkt mehr machte als Tomic (154:153) und von dem frischgebackenen Sydney-Sieger als „Top 10, Top 15“-Spieler bezeichnet wurde.

Die Bonnerin Annika Beck sprach derweil ganz offen aus, dass sie der Gedanke an ein mögliches Drittrunden-Duell mit der großen Serena Williams (USA) gelähmt habe. „Ich hatte die nächste Runde im Hinterkopf, das lässt sich nicht ausblenden“, sagte die 18-jährige Beck nach dem 2:6, 0:6 gegen die Japanerin Ayumi Morita.

Die Gewinnerin des French-Open-Juniorenwettbewerbs zahlte bei ihrer ersten direkten Hauptfeld-Teilnahme bei einem Major-Turnier dann doch noch Lehrgeld. Auch Benjamin Becker (Orscholz) scheiterte mit 2:6, 4:6, 2:6 an Juan Martin del Potro aus Argentinien. Am Freitag haben Angelique Kerber (Kiel/Nr. 5) und Julia Görges (Bad Oldesloe/Nr. 18) die Chance auf den Sprung ins Achtelfinale.

Ungeachtet seiner Niederlage sorgte Brands am vierten Turniertag für Aufsehen und wurde mit Lob von allen Seiten überschüttet. Nach dem heißen Tanz im Tollhaus von Melbourne schwankte der 1,96 Meter große Wahl-Münchner (23 Asse) deshalb auch zwischen Enttäuschung und Euphorie. „Ich hatte mich relativ schnell an die Atmosphäre gewöhnt. Das macht ziemlich viel Spaß. Es muss mein Ziel sein, da wieder hinzukommen“, meinte Brands, der einen Sprung in die Top 15 für „nicht unmöglich“ hält.

Dass er das Zeug dazu hat, konnte der deutsche Mannschafts-Meister vor drei Jahren schon beweisen. Im Nachhinein aber hat der Achtelfinal-Einzug in Wimbledon 2010 den 25-Jährigen eher ausgebremst als angetrieben. „Das kam etwas zu früh. Ich konnte damals nicht so umgehen damit und habe mir zuviel Druck gemacht“, gestand Brands.

Die einstige Nummer 66 des Rankings verlor immer öfter und fand sich plötzlich bei Challenger Turnieren anstatt in den großen Arenen der ATP-Tour wieder. „Das tat weh und war schon schwer für den Kopf“, berichtet Brands, „denn ich wusste ja, dass ich mit den anderen mithalten kann.“

In diesem Jahr soll alles besser werden. Die Vorzeichen stehen gut: Vor zwei Wochen erreichte Brands das Halbfinale von Doha und besiegte unter anderem den Franzosen Gael Monfils. Zum Sprung ins gleißende Schweinwerferlicht hat es in Melbourne diesmal noch nicht gereicht. „Aber ich glaube an mich und weiß, was ich kann. Ich habe gelernt, mit dem Druck umzugehen“, versicherte „Brandy“.

sid

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare