Burn-out, Doping, Manipulation

Aufregung um alarmierende Studie

Berlin/Köln - Eine anonyme Befragung der Deutschen Sporthilfe sorgt für Aufregung. Demnach sind leiden zahlreiche Athleten an psychischen Erkrankungen.

Die Deutsche Sporthilfe hatte am Mittwoch nach der anonymen Befragung von 1154 Spitzenathleten eine Studie über die Dysfunktionen des Spitzensports veröffentlicht, bei der zahlreiche Athleten psychische Erkrankungen wie Depressionen, Burn-out oder Essstörungen angaben. Einige der Befragten gaben zu, schon einmal an Absprachen über den Spiel- und Wettkampfausgang beteiligt gewesen zu sein.

NADA zur Sporthilfe-Studie: „Kein Rückschlag im Anti-Doping-Kampf“

Die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) sieht in den Ergebnissen keinen Rückschlag im Kampf gegen Doping-Betrüger. „Wir sind ja nicht blauäugig. Wir kämpfen mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln gegen Doping, weil wir wissen, dass es Sportler gibt, die dopen“, teilte die NADA auf Anfrage des SID mit: „Viele Ergebnisse der Studie bestärken uns, dass wir auf dem richtigen Weg.“

DBB-Präsident sieht Studie als „Spiegelbild der Gesellschaft“

Für den Präsidenten des Deutschen Basketball Bundes, Ingo Weiss, sind die Ergebnisse zu psychischen Erkrankungen und Existenzängsten im deutschen Spitzensport ein „Spiegelbild der Gesellschaft“. Dennoch sei es wichtig, die Untersuchung sehr ernst zu nehmen. „Die Zahlen bedeuten für uns, dass wir für unsere Athleten noch mehr tun und sie absichern müssen“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Sportjugend.

Das Bemühen, vor allem jungen Sportlern eine duale Karriere zu ermöglichen, müsse noch weiter gesteigert werden. „Ich kann nicht erwarten, dass ein 18-Jähriger, der gut Basketball spielt, auf jeden Fall ein neuer Dirk Nowitzki wird“, sagte Weiss, „bei diesen Jungs müssen wir dafür sorgen, dass sie auch nach der Karriere noch etwas haben.“

Dagmar Freitag sieht Anlass zur Sorge: „Nur Spitze des Eisberges“

Dagmar Freitag, die Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, hat die Studie der Deutschen Sporthilfe begrüßt. „Ich bin der Sporthilfe sehr dankbar, dass das Thema aufgegriffen wurde. Eine solche Studie war überfällig und die Ergebnisse zeigen, dass sich der deutsche Sport brennenden Themen zu stellen hat“, sagte die SPD-Politikerin am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa.

Die wichtigsten Zahlen der Studie im Detail:

- 8,7 Prozent der Sportler gaben an, schon einmal an Absprachen über den Spiel- oder Wettkampfausgang beteiligt gewesen zu sein. 37,2 Prozent gaben auf diese Frage keine Antwort.

- 5,9 Prozent der Athleten räumten die regelmäßige Einnahme von Dopingmitteln ein. 40,7 Prozent wollten diese Frage nicht beantworten.

- 10,2 Prozent sehen absichtliche Regelverstöße als legitimes sportliches Mittel an.

- 9,3 Prozent erklärten, unter depressiven Erkrankungen zu leiden. 40,9 Prozent beantworteten diese Frage nicht.

- 11,4 Prozent der befragten Topathleten leiden nach eigenen Angaben unter Burn-Out. 42,4 Prozent äußerten sich nicht.

- 9,6 Prozent der Sportler räumten Essstörungen ein. Von 38,2 Prozent gab es keine Antwort.

- 57,7 Prozent gaben Existenzängste als Grund für Fehlverhalten im Sport an

- 88,6 Prozent der Sportler sehen Erfolgsdruck als Parameter für Dysfunktionen.

- 79,8 Prozent der Befragten verspüren Druck aus dem Umfeld.

- 69,8 Prozent der Befragten gaben das Streben nach Anerkennung als Grund für Fehlverhalten im Spitzensport an.

- 40,5 Prozent nehmen gesundheitliche Risiken bewusst in Kauf

- 10,8 Prozent der Athleten gaben zu, regelmäßig zu Schmerzmitteln zu greifen.

dpa/SID

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