Armstrong hofft auf Comeback

"Diese Strafe habe ich nicht verdient"

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Lance Armstrong findet, er hat die "Todesstrafe" nicht verdient

Chicago - Im zweiten Teil seiner Doping-Beichte zeigte sich Lance Armstrong von seiner emotionalen Seite. Sogar Tränen konnte man erahnen. Doch die Reue währte nicht lange - Armstrong plant bereits sein Comeback.

Nach seinem erstaunlich nüchternen Auftritt im ersten Teil seiner Doping-Beichte hat sich Lance Armstrong in der Fortsetzung von seiner emotionalen Seite gezeigt. Ob er sich nun entehrt fühle, fragte ihn Talkmasterin Oprah Winfrey zum Auftakt des am Freitag (Ortszeit) ausgestrahlten Interviews. „Ich fühle mich gedemütigt und erniedrigt“, entgegnete Armstrong. „Ich schäme mich.“ Der demütigendste Moment sei in dem ganzen Skandal der erzwungene Abschied von seiner Krebsstiftung Livestrong gewesen.

Livestrong „war wie mein sechstes Kind. Und die Entscheidung zu treffen, sich zurückzuziehen, war eine große Sache“, sagte Armstrong. „Es war das Beste für die Stiftung, aber es tat weh wie die Hölle.“

Die frühere Sportikone berichtete, seine jahrelang sorgsam aufgebaute Fassade habe erst zu bröckeln begonnen, als „ich meinen Sohn Luke dabei beobachtete, wie er mich verteidigte“. „Er (Luke) sagte: 'Das stimmt nicht. Was ihr über meinen Vater sagt, ist nicht wahr'“, erzählte der 41-jährige Armstrong mit Blick auf die Dopingvorwürfe, die er wider besseren Wissens bis vor kurzem vehement zurückgewiesen hatte. „Das war der Zeitpunkt, als ich wusste, dass ich es ihm sagen muss.“

Anders als im ersten Interviewteil, in dem Armstrong aus Sicht von Kritikern nicht sonderlich zerknirscht wirkte, verlor er an dieser Stelle die Fassung. Der gefallene Radsport-Legende war den Tränen nahe, blinzelte und schaute mit bebenden Lippen an Winfrey vorbei.

„Verteidige mich nicht länger“

„Was haben Sie ihm gesagt?“, hakte die Talkmasterin nach. Armstrong antwortete: „Ich habe ihm gesagt: 'Hör zu, über deinen Vater hat es viele Fragen gegeben. Über meine Karriere. Ob ich gedopt habe oder nicht. Ich habe das immer rabiat und trotzig zurückgewiesen. Das habt ihr Jungs gesehen. Deswegen habt ihr mir vermutlich vertraut'“. Dann folgte eine lange Pause. „Ich sagte: 'Verteidigte mich nicht länger. Tu es nicht'“, erklärte Armstrong stockend. Der 13-jährige Luke ist der älteste seiner fünf Kinder.

Winfrey kam auch auf seine Exfrau Kristin zu sprechen, die nach Aussage von Armstrong von seinem jahrelangen Doping und Leugnen wusste. Sie habe ihn gebeten, damit aufzuhören, erinnerte er sich. Dann habe er ihr zudem versprochen, bei seinem Radsport-Comeback 2009 zu keinen leistungssteigernden Substanzen zu greifen.

Pressestimmen zur Armstrong-Beichte: "Er bereut nichts"

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Schon im ersten Teil seiner Beichte hatte Armstrong erklärt, bei seiner aufsehenerregenden Rückkehr in den Radsport sauber gewesen zu sein. Die amerikanische Anti-Doping-Behörde USADA widersprach jedoch der Darstellung. So lenkte Winfrey das Gespräch denn auch auf ein Interview mit USADA-Chef Travis Tygart, in dem dieser erklärte, ein Vertreter Armstrongs habe der Behörde eine Spende angeboten. USADA habe die Offerte jedoch abgelehnt.

„Haben Sie versucht, USADA zu kaufen?“, fragte Winfrey drei Mal in unterschiedlicher Form. Armstrong verneinte diesmal mehrmals. In einer Stellungnahme bekräftigte USADA-Sprecherin Annie Skinner jedoch die Angaben aus dem Interview von Tygart.

75 Millionen Dollar an einem Tag verloren

Ein weiterer harter Schlag war der Absprung seiner finanzkräftigen Sponsoren, wie Armstrong erzählte. Einer nach dem anderen habe ihn angerufen, um die Partnerschaft aufzukündigen: Erst Nike, dann Trek Bicycles, der Radsportzubehör-Hersteller Giro und schließlich die Brauerei Anheuser-Busch. „Das waren 75 Millionen Dollar an einem Tag“, sagte Armstrong. „Das (Geld) ist einfach so aus ihrem Leben verschwunden?“, fragte Winfrey. „Weg“, sagte Armstrong knapp. „Und es kommt wahrscheinlich nie wieder zurück.“

Was ist die Moral aus der Geschichte? „Betrügen, um Radrennen zu gewinnen, darüber lügen und Leute schikanieren, natürlich soll man all diese Dinge nicht machen. Das bringen wir unseren Kindern bei“, sagte Armstrong. Dann folgte eine weitere Pause - und eine letzte Entschuldigung. „Das ultimative Verbrechen ist der Verrat an jenen, die mich unterstützten und an mich glaubten. Auch sie wurden angelogen.“

Nach seiner Doping-Beichte hofft Armstrong nun auf die Reduzierung seiner lebenslangen Sperre und ein Wettkampfcomeback. „Möchte ich wieder in den Wettkampf? Dann sage ich ja! Ich bin Wettkämpfer. Ich liebe das Training, ich liebe Wettkämpfe“, sagte der 41-Jährige und klagte dann: „Aber ich habe die Todesstrafe! Ich sage nicht, dass es unfair ist, aber es ist eine Andersbehandlung. Ich verdiene es, bestraft zu werden, aber ich bin nicht sicher, ob ich die Todesstrafe verdiene. Was haben andere Sportler bekommen?“. Mit dieser Frage spielte Armstrong auf auf Marion Jones an. Der frühere Leichtathletik-Star musste wegen zweimaligen Meineides 2008 für sechs Monate ins Gefängnis. Der gesperrte Radprofi wünscht sich deshalb, seine Geschichte gegen eine mildere Sperre einzutauschen, rechnet aber nicht damit.

dapd/sid

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