Schleck sagt Tour-Start ab

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Andy Schleck sagt seinen Start bei der Tour de France ab

Luxemburg - Stürze, Formschwäche - und jetzt noch der Tour-Verzicht: Eine Saison voller Pannen gipfelt für den luxemburgischen Radprofi Andy Schleck im größtmöglichen Fiasko.

Der 27-Jährige hat seine Teilnahme an der 99. Tour de France (30. Juni bis 22. Juli) wegen eines Kreuzbein-Bruch abgesagt und muss ein weiteres Jahr auf seinen Traum vom ersten „echten“ Sieg beim größten Radrennen der Welt warten.

Die Gewinner der Tour de France seit 1989

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Schleck, der wegen des Dopingfalls Alberto Contador nachträglich zum Tour-Sieger 2010 erklärt worden war, hat sich die Verletzung nach Medienangaben wohl beim Sturz im Zeitfahren des Criterium du Dauphine zugezogen. Statt auf die Große Schleife zu gehen, verbringt der Kapitän des Teams RadioShack-Nissan die nächsten Wochen nun im Krankenbett. Sein Team wollte die Meldung zunächst weder bestätigen noch dementieren. Für Mittwochnachmittag (16.00 Uhr) kündigte RadioShack, in dessen vorläufigem Tour-Aufgebot die Deutschen Jens Voigt (Grevesmühlen), Andreas Klöden (Mittweida) und Linus Gerdemann (Münster) stehen, eine Pressekonferenz mit Schleck an.

Tour-Mitfavorit Schleck war am vergangenen Donnerstag bei seiner Generalprobe für die Frankreich-Rundfahrt im Zeitfahren der Dauphine bei starkem Wind gestürzt. Kurz nach der ersten Zwischenzeit hatte eine Böe Schleck aus einer Rechtskurve getragen und ihn zu Fall gebracht. Schleck verlor dadurch jede Motivation und quälte sich irgendwie ins Ziel. „Das ist ein Tag zum Vergessen, aber ich mache mir wegen der Tour trotzdem keine Sorgen“, hatte er im Anschluss noch gesagt. Am Samstag war er dann nach weiteren Problemen ausgestiegen, wegen „Schmerzen in der rechten Seite“, wie es offiziell hieß. „Ich habe so viel Pech dieses Jahr, ich war noch nie in meiner Karriere so oft verletzt“, sagte der Luxemburger demoralisiert.

In den Tagen zuvor war er von den Konkurrenten zudem am Berg spielend leicht abgehängt worden. Diese Formschwäche hatte er mit Knieproblemen erklärt, die nach einer Inspektionstour der Alpen-Anstiege der Tour aufgetreten waren. Drei Tage lang hatte sich Schleck deshalb nach eigenen Angaben in einer Schweizer Klinik behandeln lassen. Von seinen Plänen, bei der Tour in zweieinhalb Wochen als Vorjahreszweiter um den Sieg mitfahren zu wollen, hatte sich Schleck bis dato dennoch nicht verabschieden wollen. „Ich kann noch eine Menge aufholen“, sagte er nach seinem Ausstieg bei der Dauphine: „Das ist meine Stärke. Ich habe das in den letzten Jahren gezeigt. Ich werde nicht aufhören, daran zu glauben, denn ich habe hart dafür gearbeitet.“

Manager Johan Bruyneel, der die Schleck-Brüder Andy und Frank kürzlich öffentlich unter Druck und damit sogar Wechselspekulationen in Gang gesetzt hatte, klang da schon deutlich skeptischer. „Wir müssen abwarten, wie schwer die Verletzung ist. Wenn du Probleme hast, einen Aufbau startest, Verbesserungen siehst und dann wieder einen Rückschlag hinnehmen musst, bekommst du niemals eine gute Basis“, sagte er: „Andys Situation ist kein gutes Zeichen für die Tour, vor allem, wenn man die Leistungen seiner Konkurrenten sieht.“

Erst am 29. Mai hatte Schleck offiziell das Gelbe Trikot für seinen Tour-Sieg 2010 erhalten. Auch wenn er sich nur verhalten darüber freute, sollte es das Ende der Seuchenwochen und den Beginn besserer Tage markieren. Eine Kernspinuntersuchung gab nun aber Aufschluss über die Schwere von Schlecks Verletzung. Der Kletterspezialist wird in den kommenden Woche nicht auf dem Rad sitzen und stattdessen nur seinem Bruder Frank die Daumen drücken können, der sich gerade bei der Tour de Suisse in Top-Form bringt.

sid

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