Anand verteidigt WM-Titel im Schach

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Viswanathan Anand (l.) setzte sich durch

Moskau - Titelverteidiger Viswanathan Anand (Indien) hat erneut die Schach-Weltmeisterschaft gewonnen. Ein turbulentes Stechen brachte die Entscheidung.

Großmeister Viswanathan Anand aus Indien bleibt der König auf 64 Feldern. Im Finale der Schach-WM bezwang der Titelverteidiger seinen Herausforderer Boris Gelfand aus Israel mit 2,5:1,5 im Tiebreak und verlängerte seine seit 2007 bestehende Regentschaft. Anand spielte am Mittwoch in Moskau in den vier Schnellschach-Partien mit verkürzter Bedenkzeit seine Routine aus. Zuvor hatte es nach zwölf regulären Runden 6:6 zwischen den beiden Finalisten gestanden. Sie lieferten sich ein zähes Ringen, das erst im Stechen richtig in Fahrt kam.

“Es war sehr eng und die Anspannung riesig. Jetzt bin ich erleichtert, mein Sieg war jedoch etwas glücklich“, erklärte Anand. Der 42 Jahre alte “Tiger von Madras“, der 2000 erstmals Champion geworden war, wirkte diesmal nicht so bissig wie sonst. “Am Ende war es vor allem eine Sache der Nerven“, sagte Anand. Gelfand leistete gute Gegenwehr und freute sich über die große Resonanz des WM-Matchs in Israel. “Ich hoffe, das Interesse für Schach hält dort auch an“, sagte der ein Jahr ältere Herausforderer. Er stammt aus Weißrussland und lebt seit 14 Jahren in Israel.

Der Erfolg von Anand löste auch in Deutschland bei der OSG Baden-Baden großen Jubel aus. “Wir freuen uns riesig, er ist ja fast einer von uns“, kommentierte der OSG-Vorsitzende Jens Thieleke den Sieg seines bekanntesten Team-Mitgliedes.

Der indische Superstar spielt seit acht Jahren für den deutschen Mannschaftsmeister, wird sporadisch in der Bundesliga eingesetzt und ist in Baden-Baden sehr beliebt. “Seine Clubkollegen Peter Heine Nielsen und Rustam Kasimdschanow haben ihn in Moskau unterstützt“, berichtete OSG-Teamchef Sven Noppes.

Anand und seine Frau Aruna mussten in der Tretjakow-Galerie lange Zeit um den Favoritensieg bangen. Erst im Stechen des umkämpften, aber nicht immer hochklassigen Zweikampfs spielte der Inder seine große Erfahrung im Schnellschach aus. Anand gilt als weltbester Spezialist in dieser Variante. Er zwang in der zweiten Partie mit Weiß seinen ein Jahr älteren Gegner nach 77 Zügen zur Aufgabe. Die drei anderen Partien endeten jeweils mit einem Remis, wobei Gelfand trotz großer Bemühungen seine Chancen nicht nutzen konnte.

“Im letzten Spiel reichte die Zeit einfach nicht, um die besten Züge aufs Brett zu bekommen“, erklärte Gelfand. Alle vier Spiele mit verkürzter Bedenkzeit verliefen sehr turbulent und boten mehr Spannung als die meisten der regulären Partien des Matchs.

Mehrere Beobachter hatten den zähen WM-Verlauf kritisiert. Zehn der zwölf Spiele endeten mit einem Remis, den Überraschungssieg von Gelfand in der siebten Runde konterte Anand umgehend mit einem Erfolg im achten Durchgang. Er wird als die kürzeste gespielte WM-Partie in die Schach-Geschichte eingehen.

Trotz seines letztlich verdienten WM-Sieges wirkte Anand nicht so stark wie etwa 2008 bei seinem Erfolg gegen Wladimir Kramnik (Russland) in Bonn. Das Preisgeld von knapp zwei Millionen Euro wird zwischen beiden Spielern im Verhältnis 55:45 geteilt.

dpa

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