Die "All Blacks" zittern vor dem WM-Fluch

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Die "All Blacks" aus Neuseeland gelten als der Topfavorit der Rgby-WM

Auckland - Neuseeland, Gastgeber der Rugby-WM in diesem Jahr, ist wieder einmal Haushoher Favorit. Bislang jedoch gab es aber nur einen Titel.

Eigentlich kann die berühmten “All Blacks“ nichts umhauen. Doch alle vier Jahre bekommen Neuseelands stämmige Rugby-Helden weiche Knie, Versagensängste überkommen die sonst so hart gesottenen Hünen. Vor jeder WM ist Neuseeland der haushohe Favorit auf den Titel, doch bis auf den Sieg beim Premierenturnier 1987 stand man am Ende ohne den Webb-Ellis-Pokal

Rugby-Regelkunde: Union, Scrum und Ellis

Wenn am Freitag mit dem Spiel gegen Außenseiter Tonga in Auckland die Heim-WM startet, steht die Mannschaft somit unter unvorstellbarem Druck. Das ganze Land erwartet den Titel, alles andere ist keine Option. Das Finale ist trotz der bei 230 Euro beginnenden Ticketpreise seit langem ausverkauft.

Doch es passt irgendwie ins Bild dieses WM-Fluchs, dass Neuseeland das erste Duell des sechswöchigen Mammutturniers schon vor dem Anpfiff verloren hat. Per Münzwurf wurde entschieden, dass Tonga im ausverkauften Eden Park zuerst mit seinem Kriegstanz Kailao beginnen darf - die Neuseeländer spielen mit ihrem berühmten Haka nur die zweite Geige.

Zwtl: Kampf der Anomalie

Die auf die falsche Seite gefallene Münze soll allerdings der einzige Rückschlag bei der Heim-WM bleiben. Denn das ein Land wie Neuseeland, in dem Rugby in den Augen vieler Religion ist, bisher nur einmal Weltmeister war, verstehen die wenigsten. “Ich dachte damals, dass wir jede zweite WM gewinnen würden oder sogar noch öfter“, sagt David Kirk, Kapitän der Weltmeister von 1987.

Heute ist Kirk offizieller Botschafter der Heim-WM und fordert mit Nachdruck den Titel. “Dass seitdem nicht mehr Weltmeister waren, ist einfach nur merkwürdig. Diese Anomalie muss in diesem Jahr gestoppt werden, schließlich sind wir jedes Jahr die Nummer eins der Weltrangliste“, sagt Kirk.

Doch die Nummer eins war bei der WM 2007 in Frankreich nur die Nummer fünf. Im Viertelfinale war gegen den Gastgeber bereits Endstation. Dass die englische Times die Spieler als “Weltklasseversager“ betitelte, war gegen das, was sie in der Heimat erwartete noch wohlwollend formuliert. Ein “Tsunami der Enttäuschung“ rollte über die Spieler hinweg.

Zwtl: Lehrstunde für Weltmeister Südafrika

Trainer Graham Henry, bereits seit 2004 im Amt, hat nichts dem Zufall überlassen, um ein erneutes Debakel auszuschließen. Henry nahm sogar Niederlagen im traditionellen Tri-Nations-Turnier in Kauf. Nachdem man dem amtierenden Champion Südafrika (40:7) sowie dem Erzrivalen Australien (30:14) in Neuseeland eine Lehrstunde erteilt hatte, experimentierte er in den Rückspielen mit einer B-Mannschaft und verlor.

“Ich hasse Niederlagen, aber wir haben ein großes Ziel“, sagte Henry nach dem 20:25 Ende August in Australien. Nun werde man keine übermenschlichen Erwartungen in der Heimat haben, hofft der Coach. Eine wohl eher unrealistische Einschätzung der Lage.

Henry setzt fast ausschließlich auf erfahrene Profis, die alle in Neuseeland spielen müssen, um zu den “All Blacks“ zu gehören. Der 30 Mann starke Kader weist eine Erfahrung von 1.133 Länderspielen auf. Nur Titelverteidiger Südafrika kommt mit 1.224 auf eine höhere Anzahl.

Zwtl: Erzrivale Australien und Frankreich als Herausforderer

Die “Wallabies“ aus Australien dürften bei normalem Verlauf der größte Rivale Neuseelands auf dem Weg zum zweiten WM-Titel sein. Passenderweise sollte es zu diesem Duell erst im Finale kommen, da davon auszugehen ist, dass beide Teams ihre Gruppe gewinnen.

Titelverteidiger Südafrika ist derzeit zwar die Nummer drei der Welt, doch die in die Jahre gekommenen “Springboks“ zeigten zuletzt eher mäßige Leistungen und hatten mit Verletzungen zu kämpfen. Der verjüngten französischen Auswahl ist schon mehr zuzutrauen, zudem hat sich England mit Superstar Jonny Wilkinson in der Vergangenheit als echter Turniermannschaft erwiesen.

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