Sensation im Straßenrennen

Winokurow: Sieg und Rücktritt

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Alexander Winokurow (blaues Trikot)

London - Der mittlerweile 38-jährige kasachische Radprofi Alexander Winokurow hat am Samstag bei den Olympischen Spielen in London die Goldmedaille im Straßenrennen gewonnen.

Andre Greipels Medaillenträume sind geplatzt, auch der britische Weltmeister Mark Cavendish war ohne Chance: In der Nähe des Buckingham Palace hat sich der Kasache Alexander Winokurow im olympischen Straßenrennen die Goldmedaille geholt und für eine faustdicke Überraschung gesorgt. Winokurow siegte nach 250 km auf Londons Prachtstraße „The Mall“ aus einer größeren Ausreißergruppe - und kündigte im Moment seines größten Erfolges sein endgültiges Karriereende an.

Er werde zwar noch beim olympischen Zeitfahren am Mittwoch antreten, aber nur, um seine „Beine zu lockern“, sagte der 38-Jährige, der den Plan der favorisierten Teams der Sprinter durchkreuzt hatte.

Derweil trauerte Greipel der verpassten Chance nach. „Es ist schade, dass es nicht geklappt hat. Ich habe mich sehr gut gefühlt“, sagte der Rostocker. Er hatte zuletzt drei Etappensiege bei der Tour de France ersprintet und wollte in London seine Laufbahn krönen. Doch der 30-Jährige verpasste es, nach Olaf Ludwig (1988) und Jan Ullrich (2000) dritter deutscher Olympiasieger auf der Straße zu werden.

Dabei hatte er alle Unterstützung gehabt, der BDR hatte nur diesen einen Plan. Bei der letztlich entscheidenden Attacke war kein Fahrer mitgegangen, die Kräfte sollten für das Finale gespart werden. „Wir haben diese Karte gespielt und alle an einem Strang gezogen. Es war eine starke Mannschaftsleistung“, sagte der Geraer John Degenkolb, der dem britischen Team eine Mitschuld am ausgebliebenen Massenspurt gab: „Sie sind einen Tick zu langsam über den letzten Berg gefahren, obwohl sie schneller konnten.“

Greipel gewann zwar den Sprint aus dem Feld und wurde mit 40 Sekunden Rückstand 27., aber dies war völlig ohne Wert. „Wir haben alles gemacht wie gewollt, doch es war am Ende ohne Aussicht“, sagte er. Hinter Winokurow, der Nachfolger des verletzten Spaniers Samuel Sanchez wurde und 2000 in Sydney hinter Ullrich Zweiter war, errang der Kolumbianer Rigoberto Uran Silber vor dem Norweger Alexander Kristoff.

Viele der bis zu einer Million Zuschauer an der Strecke wollten nichts anderes als Gold für Cavendish und machten einen Höllenlärm. Greipel sprach nachher vom „wahnsinnigsten Rennen“ seiner Karriere, Degenkolb von „Tinnitus im Ohr“. Der Druck für die Briten war so groß wie nie zuvor, und sie hielten ihm nicht stand. Vor dem Rennen hatte sich Cavendish siegessicher gegeben und von einem britischen „Dreamteam“ gesprochen.

Prince Charles hatte seinen Landsleuten zusammen mit Frau Camilla noch an der Startlinie Glückwünsche für die nationale Aufgabe mit auf den Weg gegeben. Cavendish sollte mit dem ersten Gold die Olympiaeuphorie entfachen. Selbst Tour-de-France-Sieger Bradley Wiggins wollte sich für den Sprinterkönig, den er als „schnellsten Mann der Welt“ bezeichnete, ins Zeug legen.

Das Peloton zu kontrollieren und Ausreißer in Schach zu halten erwies sich für die Briten und auch das BDR-Quintett letztlich als zu große Herausforderung. Besonders auf dem 15,5 Kilometer langen Rundkurs über den Box Hill wurde das Tempo immer wieder erhöht und Unruhe ins Feld gebracht. Auch der nicht gestattete Funkverkehr mit den sportlichen Leitern, sonst ein Standard in allen Radrennen, stellte diese beiden Teams besonders auf die Probe.

Zunächst übernahm für den BDR Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin die Initiative, er stieg aber nach etwa 180 Kilometern aus. Der 27-Jährige, der an den Nachwirkungen eines Kahnbeinbruchs aus der Tour de France laboriert, schonte Kräfte für das Einzelzeitfahren am Mittwoch. „Ich habe meine Arbeit getan“, sagte Martin, der aufgrund einiger Schlaglöcher auf dem kurvenreichen Kurs zudem leichte Schmerzen an der Hand verspürte.

sid

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