Tschechien weiter

7:01 Stunden! Rekord-Doppel im Davis-Cup

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Nach 7:01 Stunden durften Tomas Berdych (L) und Lukas R osol jubeln

Buenos Aires - Tschechien ist beim Davis-Cup ins Viertelfinale eingezogen - auch aufgrund eines Sieges in einem Rekord-Doppel-Match von 7:01 Stunden.

Ein Doppelfehler setzte den unrühmlichen Schlusspunkt hinter ein unvergessliches Spiel: 7:01 Stunden waren im Davis-Cup-Doppel zwischen der Schweiz und Titelverteidiger Tschechien gespielt, da verfehlten Mario Chiundinellis Aufschläge ihr Ziel. Der erste landete im Netz, der zweite im Aus. Fassungsloses Schweigen in Genf - Tschechien gewann das längste Spiel in der 113-jährigen Geschichte des Davis Cups und zog einen Tag später ins Viertelfinale ein.

Chiundinelli war der unglücklichste der vier Protangonisten, sein Doppelpartner Stanislas Wawrinka blickte entgeistert durch die Halle. Auf der anderen Seite jubelten Tomas Berdych und Lukas Rosol, schienen jedoch selbst noch nicht begriffen zu haben, dass sie gerade ihren 13. Matchball verwandelt hatten.

„So lange habe ich noch nie Tennis gespielt“, sagte der Weltranglistensechste Berdych nach dem 6:4, 5:7, 6:4, 6:7 (3:7), 24: 22. So lange hat kaum jemand außer den vier Akteuren bislang gespielt. Um genau zu sein, waren es nur John Isner (USA) und Nicolas Mahut (Frankreich), die im legendären Erstrundenduell von Wimbledon 2010 länger auf dem Platz gestanden hatten. 11:05 Stunden dauerte die epische Schlacht damals und ging mit 70:68 im fünften Satz an Isner.

Immer wieder drängt sich nach einem solchen Spektakel die Frage auf, ob ein entscheidender Durchgang ohne Tiebreak noch zeitgemäß ist. „Ich bin nicht dafür“, sagte der deutsche Teamchef Carsten Arriens im fernen Argentinien, nachdem er vom Rekord-Doppel aus Genf erfahren hatte. Berdych sah das allerdings anders: „Ich finde das gut, denn jetzt habe ich eine ganz neue Erfahrung gemacht.“

Am Sonntag trafen Berdych und Wawrinka erneut aufeinander - diesmal „nur“ für 3:15 Stunden. Der Tscheche gewann 6:3, 6:4, 3:6, 7:6 (7:5) und holte damit den entscheidenden Punkt für sein Team. Die Schweiz, die ohne Rekord-Grand-Slam-Sieger Roger Federer, aber dennoch mit Hoffnungen aufs Viertelfinale angetreten war, muss nach dem 2:3 in die Abstiegsrunde.

Dieses Schicksal traf auch die Nachbarn aus Österreich. In Astana unterlagen Jürgen Melzer und Co. Kasachstan, dem Viertelfinalgegner der Tschechen. Nachdem Julien Knowle und Alexander Peya im Doppel auf 1:2 verkürzt hatten, unterlag Melzer im Spitzeneinzel Andrej Golubew 6:4, 3:6, 4:6, 2:6. Das letzte Einzel fand nicht mehr statt.

Keine Überraschungen gab es dagegen für die Favoriten Serbien und Frankreich. Mit Australian-Open-Sieger Novak Djokovic setzte sich Serbien, Champion von 2010, in Charleroi problemlos mit 4:1 gegen Belgien durch und trifft nun auf die USA oder Brasilien. Djokovic reichte ein Auftritt im Schnelldurchgang gegen Olivier Rochus. Frankreich hatte mit den Top-10-Spielern Jo-Wilfried Tsonga und Richard Gasquet gegen Israel keine Schwierigkeiten und trifft nach dem 5:0 auf Deutschland-Bezwinger Argentinien.

Italien setzte sich gegen Kroatien mit 3:2 durch. Fabio Fognini sicherte den Azzurri durch einen 4:6, 6:4, 6:4, 6:4-Erfolg im abschließenden Einzel gegen Ivan Dodig den entscheidenden Punkt.

sid

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