101-Jähriger schafft London-Marathon

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Fauja Singh beim Dehnen

London - Der 101 Jahre alte Fauja Singh hat den kenianischen Stars beim 32. London-Marathon die Show gestohlen. Eine 30-Jährige starb bei der Laufveranstaltung.

Als die Sieger des London-Marathons sich schon im Ziel feiern ließen, passierte Fauja Singh gerade die Elf-Kilometer-Marke - und doch stahl der Inder allen Stars die Show. Der 101-Jährige, ältester Marathonläufer der Welt und seit 16 Jahren an der Themse lebend, steigerte die Bestmarke in seiner Altersklasse um mehr als 35 Minuten auf 7:49:21 Stunden. Wilson Kipsang (2:04:44) und Mary Keitany (2:18:36/Afrika-Rekord) stellte das Mitglied der Laufgemeinsschaft „Sikhs in the City“ in den Schatten. „Ich bin sehr glücklich und will laufen, bis ich sterbe. Man soll mich in Erinnerung behalten als den Mann, der bis zu seinem Ende gelaufen ist“, sagte Singh im Ziel. Auf Rang 36.615 war er längst nicht Letzter - und viel schneller als bei seinen 8:25:17 Stunden im Oktober 2011 in Toronto. Künftig will der Mann, der erst mit 89 Jahren begonnen hatte, ernsthafter zu laufen, kürzere Strecken bevorzugen „und bessere Zeiten laufen“. Singh, drei Jahre vor dem Ersten Weltkrieg am 1. April 1911 geboren, war schon 2004 in einer Werbe-Kampagne seines deutschen Sportartikelausrüsters (adidas) zusammen mit Englands Fußball-Star David Beckham und Box-Legende Muhammad Ali aufgetreten. Zu seinem 100. Geburtstag im vergangenen Jahr hatte er sogar ein Glückwunschtelegramm von Königin Elisabeth II. erhalten. Gleichzeitig erschien ein Buch über ihn („Tornado mit Turban“), das er allerdings nicht lesen kann, weil er nur wenige Worte Englisch spricht. Rekorde hat der Lauf-Methusalem nicht nur im Marathon aufgestellt. Binnen 94 Minuten erzielte er einmal britische Altersklassen-Bestmarken über 200, 400, 800, 3000 m und eine Meile. Und mit 100 Jahren lief er acht Weltrekorde an einem Tag: 100 m in 23,14 Sekunden, 200 m in 52,23 Sekunden, 400 m in 2:13,48 Minuten, 800 m in 5:32,18 Minuten, 1500 m in 11:27:81 Minuten, die Meile in 11:53,45 Minuten, 3000 m in 24:52,47 Minuten und 5000 m in 49:57,39 Minuten. Einige dieser Bestmarken waren zugleich Rekorde in der Gruppe der 95-Jährigen. Drei Tage später bewältigte Singh, der beim Gedanken an seine Lieblingsspeise Ingwer-Curry leuchtende Augen bekommt, den Toronto-Marathon in 8:11,06 Stunden, doch gewertet wurde eine Zeit von 8:25:17 Stunden, weil der gebürtige Sikh 14 Minuten zu spät gestartet war. Weiteres Pech für Singh: Seine Bestmarke wurde nichts in das berühmte Guinness-Buch der Rekorde eingetragen, weil er keine Geburtsurkunde präsentieren konnte. Denn noch heute werden in dem Milliarden-Reich 40 Prozent aller Kinder geboren, ohne dass ein solches Papier ausgestellt wird. Nur sein Pass zeigte das Geburtsdatum, doch dies reichte dem Verlag nicht. Singh sieht es locker: „Ich wusste bisher gar nicht, was das Guinness-Buch ist, und ich könnte das ohnehin nicht lesen. Was für mich zählt, ist die Freude am Laufen - und, dass ich andere inspirieren kann.“ Singh will laufen bis in den Tod - in London traf dies tragischerweise auf eine 30-Jährige zu. Nach ihrem Kollaps kam auch sofortige Hilfe zu spät. Die Organisatoren des Laufes drückten Familie und Freunden der Toten ihr Beileid aus. Damit forderte der 1981 eingeführte Lauf bereits sein zehntes Opfer, zuletzt hatte es 2007 einen Toten gegeben. Eine Woche zuvor war ein 14 Jahre alter Schüler beim Rotterdam-Marathon an einem Herzstillstand gestorben. Der Junge war mit seiner Schule im 10-km-Lauf gestartet und im Ziel zusammengebrochen.

sid

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