Der Produzent und Eurovision-Experte

Ralph Siegel: Alle Informationen zum Schlagerstar und Produzenten

Ralph Siegel
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Ralph Siegel

Beim Eurovision Song Contest ist er nicht mehr wegzudenken: Ralph Siegel ist eine absolute Größe im Musik-Business.

  • Ralph Siegel wurde 1945 in eine Musikerfamilie geboren. Schon früh komponierte er eigene Songs und arbeitete an seiner Karriere als Produzent. 
  • Über zwanzig Mal lieferte der Komponist Beiträge für den Eurovision Song Contest. Der Grand Prix wäre ohne Siegel wohl nicht dasselbe. 
  • Mit Jupiter Records baute sich Ralph Siegel eine erfolgreiche Plattenfirma auf. Über 2.000 Songs sind auf seinen Namen bei der GEMA registriert.

Ralph Siegel kam am 30. September 1945 in München zur Welt. Das musikalische Talent wurde dem bayerischen Jungen in die Wiege gelegt: Sein Vater Ralph Maria Siegel war ein deutscher Komponist, Liedtexter, Produzent und Tenor, der außerdem zeitweise als Aufsichtsrat der GEMA tätig war. Während der Zeit des Nationalsozialismus war Ralph Maria Siegel aktiv an der Kulturpolitik des Regimes beteiligt und diskreditierte moderne Musikstile als "Entartete Kunst". Ralph Siegels Mutter Ingeborg Döderlein war eine bekannte Operetten-Sängerin und auch sein Großvater Rudolf Siegel war Opernkomponist und Dirigent. Durch den musikalischen Hintergrund seiner Familie lernte Ralph Siegel schon früh das Spielen verschiedene Instrumente. Seit seinem fünften Lebensjahr betätigte sich das Nachwuchstalent neben der Gitarre auch am Schlagzeug, am Akkordeon und am Klavier. Um sein natürliches Rhythmusgefühl theoretisch zu untermauern, erhielt Ralph außerdem Unterricht in Harmonie- und Kompositionslehre. Mit nur zwölf Jahren schrieb er seinen ersten Song unter dem Pseudonym Peter Elversen.

Ralph Siegel: Die Anfänge im Musikbusiness sind für ihn ein Kinderspiel

Schon früh ist klar, dass Ralph Siegel die Familientradition weiterführen wird. Nach Erreichen der Volljährigkeit geht der Nachwuchsmusiker deshalb nach Paris, um bei einem Plattenlabel als Volontär tätig zu sein. Nur ein Jahr später überquert Siegel den großen Teich, um auch in den USA im Musik-Business Fuß zu fassen. Erste Erfolge lassen nicht lange auf sich warten: Mit nur 19 Jahren kann das Ausnahmetalent seinen ersten Hit als Komponist landen. Der von Don Gibson gesungene Titel "It’s A Long, Long Way To Georgia" erreicht kurzerhand den achten Platz der US-amerikanischen Country-Charts und beweist, dass der junge Siegel auch ohne seine Familie im Rücken in der Musikbranche Erfolge erzielen kann. 

Als 1972 sein Vater stirbt, übernimmt Ralph Siegel das Familienunternehmen Siegel Musikverlage. Bereits Mitte der 1960er Jahre hatte er sich nach der Rückkehr in sein Heimatland als Komponist und Produzent einen Namen in der deutschen Schlagerwelt gemacht. Fast alle Stars der damaligen Szene arbeiteten zeitweise mit Siegel zusammen: Gunter Gabriel, Mary Roos, Drafi Deutscher, Heino, Roy Black, Roberto Blanco und viele mehr waren mit ihm im Studio und verließen sich auf sein natürliches Gespür für Hits. Auch mit internationalen Stars wie beispielsweise den britischen Glam-Rockern The Sweet komponierte Ralph Siegel.

Ralph Siegel wird mit Jupiter Records der einflussreichste Plattenproduzent Deutschlands

1973 gründete Ralph Siegel sein Plattenlabel Jupiter Records. Fortan schrieb er nicht nur Hits, sondern produzierte und verlegte die Titel auch unabhängig vom Familienunternehmen seines Vaters. Mit dem Song "Fly, Robin, Fly" der Band Silver Convention bewies Siegel schnell sein Können als Produzent. Zwar verfasste er den Track nicht selbst, brachte ihn jedoch mit Jupiter Records an den Start - und belegte damit prompt den ersten Platz der US-Charts. Die 1970er bescheren Ralph Siegel reihenweise Megaerfolge. Seine frühen Kompositionen "Fiesta Mexicana" von Rex Gildo und "Du kannst nicht immer 17 sein" von Chris Roberts erklimmen die deutschen Hitparaden und etablieren ihn fest in der deutschen Schlagerwelt. 

Im Jahr 1974 produziert Siegel mit Udo Jürgens die Lieder "Der Teufel hat den Schnaps gemacht", "Geschieden", "Ein ehrenwertes Haus" und "Griechischer Wein", die allesamt zu Hits werden. Auch wenn sein Name im Laufe der Jahre nicht mehr so prominent mit seinen Projekten in Verbindung gebracht wird, bleibt Ralph Siegel als Komponist und Produzent aktiv und liefert immer wieder Lieder, die schnell zu Evergreens werden. Bei der GEMA ist der Ausnahmekünstler rekordverdächtig mit über 2.000 Titeln vertreten.

Ralph Siegel: Seine Leidenschaft für den ESC macht ihn zu Mr. Grand Prix

Der Eurovision Song Contest, oft auch Grand Prix genannt, wird wohl für immer mit dem Namen Ralph Siegel in Verbindung bleiben. 1974 komponiert er erstmals einen Song für den Musikwettbewerb: Das Lied mit dem Titel "Bye, Bye I Love You" erreicht gesungen durch Ireen Sheer den vierten Platz für Luxemburg. Durch diesen ersten Erfolg ist Ralph Siegels Leidenschaft für den ESC geweckt: In den Folgejahren liefert er immer wieder Songs für den Vorentscheid, die es nicht selten bis ins Finale des Contests schaffen. 

1976 landen die Les Humphries Singers mit "Sing Sang Song" noch auf einem der unteren Plätze, 1980 läuft es dann bereits besser für Siegels Beitrag: Der von Katja Ebstein interpretierte Titel "Theater" wird fast zum Eurovision-Sieger, auch 1981 erreicht Lena Valaitis mit "Johnny Blue" den zweiten Platz. 1982 folgt dann Ralph Siegels größter Grand-Prix-Erfolg: Die Ballade "Ein bisschen Frieden" mit Schlagerstar Nicole am Mikrofon kann die ESC-Siegertrophäe mit nach Hause nehmen. 

Das Treppchen des europäischen Musikwettbewerbs erreicht der Ausnahme-Produzent mit seinen Komposition danach noch drei weitere Male. 1987 erhalten Wind mit "Lass die Sonne in dein Herz" die Silbermedaille. Das Trio Mekado singt sich 1994 mit "Wir geben ’ne Party" auf Platz Drei. Ebenfalls auf dem dritten Platz landen 1999 Sürpriz mit "Reise nach Jerusalem". Eine weitere Siegel-Produktion für den Eurovision Song Contest erreicht zwar im Jahr 1979 zwar nur Platz Vier, startet danach jedoch eine weltweit erfolgreiche Karriere: "Dschinghis Khan", eine der skurrileren Ideen aus Ralph Siegels Feder, kommt beim Publikum hervorragend an tritt nach dem Debüt beim Grand Prix unter anderem in Australien, Russland, Japan und Israel auf.

Ralph Siegel privat: Eine erfolgreiche Patchwork-Familie

Ralph Siegel ging bereits vier Mal den Bund der Ehe ein. 1975 heiratete er die Slowakin Dunja. Die Scheidung erfolgte 1989. Aus der Beziehung stammen die Töchter Giulia, die 1974 zur Welt kam, sowie Marcella, die 1976 das Licht der Welt erblickte. Giulia Siegel startete 1991 selbst eine Karriere im Showbusiness: Als Model lief sie für Armani und Escada über den Laufsteg, wobei sie unter Pseudonym auftrat und ihre wahre Identität als Tochter des Plattenproduzenten erst 1995 preisgab. Heute ist Giulia außerdem als Schauspielerin und DJ tätig. 

1992 heiratete Ralph Siegel in zweiter Ehe Dagmar Kögel, mit der er die Tochter Alana (*1996) hat. Das Paar trennte sich 2002. Mit Kriemhild Jahn ging Siegel 2006 seine dritte Ehe ein. Die Sopranistin und der Komponist trennten sich 2014, zwei Jahre später erfolgte die Scheidung. Seit 2015 ist Ralph Siegel mit der Schweizer Musikmanagerin Laura Käfer liiert. Im September 2018 gaben sich die beiden das Ja-Wort. 2007 zog sich Ralph Siegel für einige Zeit aus der Musikbranche zurück. Der Grund war eine Prostatakrebs-Erkrankung, über die er in der Öffentlichkeit erst nach seiner Genesung sprach. 2010 feierte Ralph Siegel sein 50-jähriges Jubiläum als Komponist.

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