Das tragische Ausnahmetalent

Drafi Deutscher: Alle Informationen zum Schlagerstar und Produzenten

Drafi Deutscher
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Drafi Deutscher war schon zu Lebzeiten eine Schlager-Legende

"Marmor, Stein und Eisen bricht" ist Drafi Deutschers größter Hit. Der Schlagersänger war auch als Produzent tätig, bevor er zu früh verstarb.

  • Drafi Deutschers Kindheit in Berlin war geprägt von Entbehrungen. Schon in jungen Jahren trat er in Kneipen auf, um sich über Wasser zu halten. 
  • Mit Marmor, Stein und Eisen bricht feierte der Schlagersänger Mitte der Sechziger einen Riesenerfolg. Doch sein Absturz ließ nicht lange auf sich warten. 
  • Sein ausschweifender Lebensstil wurde Drafi Deutscher schlussendlich zum Verhängnis: Der Sänger verstarb im Alter von nur 60 Jahren an einem Herzinfarkt.

Drafi Deutscher, der mit vollem Namen Drafi Richard Franz Deutscher hieß, kam am 9. Mai 1946 im Berliner Stadtteil Charlottenburg zur Welt. Seinen Vater, den ungarischen Musiker Drafi Kálmán, lernte der spätere Schlagerstar nie kennen. Drafis Mutter Margarete Lehmann war Krankenschwester, durch sie hatte der Musiker auch den Halbbruder Klaus-Dieter Lehmann. Da seine Mutter Tag und Nacht arbeitete, um die Familie zu versorgen, lebte Drafi bei seiner Großmutter. Die ließ ihrem Enkel im Nachkriegsdeutschland zwar eine strenge Erziehung zukommen, förderte jedoch auch das musikalische Talent des Jungen, indem sie ihm sein erstes Instrument - eine Mundharmonika - schenkte. 

Drafi Deutscher wuchs in bitterer Armut auf, zeitweise lebte er mit seinen Verwandten sogar in einem Obdachlosenasyl in Berlin-Lichterfelde. Bereits mit 14 Jahren verließ der Nachwuchsmusiker die Schule, um seine Familie finanziell zu unterstützen. Im Laufe der Jahre stellte der Schlagerstar mehrfach die Behauptung auf, der bekannten ungarischen Musikerfamilie Kálmán zu entstammen. Der Operettenkomponist Emmerich Kálmán sei angeblich sein Großonkel gewesen. Diese Vermutungen Deutschers können heute von seinen verbliebenen Familienmitgliedern weder bewiesen noch entkräftet werden, erscheinen jedoch fraglich.

Drafi Deutscher: Seine Anfänge als Musiker waren nicht leicht

Bereits im zarten Alter von elf Jahren konnte Drafi Deutscher einen Talentwettbewerb für sich entscheiden, bei dem er mit dem Hit-Song Tutti Frutti seines großen Vorbilds Little Richard antrat. Nachdem er seine Schulausbildung abgebrochen hatte, trat das Multitalent mit der Band Charlie & The Timebombs in Berliner Kneipen auf. Die minderjährigen Musiker wollten sich mit ihren Interpretationen amerikanischer Rock’n’Roll-Klassiker ihren Lebensunterhalt finanzieren - nicht selten endeten die illegalen Auftritte jedoch unter dem Tresen: Dort versteckten sich Drafi Deutscher und seine Bandkollegen vor der Polizei, sobald eine Razzia stattfand. 

Neben seinen Auftritten in Bars und Nachtlokalen schlug sich der Musiker außerdem mithilfe von Gelegenheitsjobs durch, unter anderem als Page und in einer Eisengießerei. 1963 - Charlie & The Timebombs hatten sich inzwischen aufgelöst - traf Drafi Deutscher auf die Musikgruppe The Magics, mit denen er fortan auf der Bühne stand. Außer den klassischen Rock’n’Roll-Hits hatten die Bandmitglieder auch die an Bekanntheit gewinnende Beatmusik im Repertoire, die Deutschers einzigartigen Schlager-Sound entscheidend prägen sollte. Im selben Jahr wurden der Produzent Peter Meisel und der Komponist Christian Bruhn bei einem Gesangswettbewerb auf Drafi aufmerksam und nahmen ihn kurzerhand bei der Plattenfirma Decca unter Vertrag. Bereits seine ersten Aufnahmen, die von Bruhn komponierten deutschsprachigen Beat-Songs Teeny und Shu Bi Du Bi Du The Slop, kamen beim Publikum unerwartet gut an und verkauften sich um die 80.000 Mal.

Drafi Deutscher: Marmor, Stein und Eisen bricht wird zu seinem großen Durchbruch 

Nach einigen weiteren Single-Veröffentlichungen und einer ersten LP brachte Drafi Deutscher 1965 den Hit auf den Markt, der ihn unvergessen machen sollte: Marmor, Stein und Eisen bricht stieg mühelos auf Platz Eins der deutschen Hitparade und machte seinen Interpreten über Nacht zum Schlagerstar. Ganze fünf Wochen blieb der Song an der Spitze der Charts, verkaufte sich fast eine Million mal und wurde mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet. 

Das Lied, das schnell zum absoluten Evergreen avancierte, war so erfolgreich, dass Deutscher 1966 eine englischsprachige Version mit dem Titel Marble Breaks and Iron Bends einspielte, die - für die damalige Zeit eher unüblich - sogar in den US-amerikanischen Charts Beachtung fand. Mitte der 1960er Jahre war Drafi Deutscher auf dem vorläufigen Höhepunkt seiner jungen Karriere angelangt: Sein genreübergreifender Sound begeisterte sowohl Schlagerfreunde als auch Fans der Beatmusik, weshalb sich Singles wie Honey Bee oder Nimm mich so wie ich bin, ebenso wie die LP Drafi! in den Plattenläden der Bundesrepublik rasant verkauften.

Drafi Deutscher: Sein Erfolg reißt nicht ab, die privaten Probleme nehmen überhand 

Der in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsene Drafi Deutscher wusste mit seinem plötzlichen Ruhm und dem damit einhergehenden Reichtum nicht umzugehen und kämpfte immer öfter mit persönlichen Problemen. 1967 löste der Musiker einen Skandal aus, als er sich betrunken von einem Balkon herab erleichterte, wobei ihn Schulkinder beobachteten. Der darauffolgende Prozess wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses wurde medienwirksam von der Boulevard-Presse verfolgt - schlussendlich verurteilte man den Schlagersänger zu neun Monaten auf Bewährung

Immer öfter geriet Drafi Deutscher in die Schlagzeilen. Seine Veröffentlichungen erfreuten sich jedoch weiterhin großer Beliebtheit, auch wenn der Musiker vermehrt unter Pseudonymen publizierte, um aufgrund seiner prekären finanziellen Situation Steuerzahlungen zu umgehen. Zwischenzeitlich konzentrierte sich Deutscher größtenteils auf die Hit-Produktion für andere Künstler. Als Komponist schrieb er unter anderem für Tina Rainford und Boney M., wodurch er seinen Stand in der deutschen Musikbranche festigte. 

Sein größter Erfolg als Songwriter gelang ihm 1983 mit dem englischsprachigen Lied Guardian Angel, das in der deutschen Version als Jenseits von Eden von Nino de Angelo gesungen wurde. 1986 kehrte Drafi Deutscher mit seiner erfolgreichsten Solo-Platte Gemischte Gefühle noch einmal ins Rampenlicht zurück. Doch je gefragter der Schlagerstar war, desto mehr hatte er auch mit seiner Drogen- und Verschwendungssucht zu kämpfen. In einem Interview verriet der Sänger einst, dass er nach einer zeitweisen Abstinenz wieder zum Kokain griff, da er sich daran erinnerte, wie er unter Einfluss der Droge seinen Hit Jenseits von Eden geschrieben hatte. Auch die zweite Hochphase in Drafi Deutschers Karriere ebbte so aufgrund seines turbulenten Privatlebens langsam aber sicher ab.

Drafi Deutscher: Seine Familie und die letzten Jahre der Schlagergröße 

Zu seinen Söhnen Drafi jr. und René hatte Drafi Deutscher zeitlebens ein gutes Verhältnis. Sie waren es auch, die im März 2007 posthum seine letzte Platte The Last Mile veröffentlichten. Die Mutter der Zwillinge war seine Jugendliebe Karin, mit der er von 1966 bis 1976 verheiratet war. Nach einer zweiten gescheiterten Ehe heiratete der Marmor, Stein und Eisen bricht-Interpret 1989 die Sängerin und Schauspielerin Isabel Varell - auch diese Ehe endete 1991 in Scheidung

Um die Jahrtausendwende zog Drafi Deutschers ausschweifender Lebensstil erstmals gesundheitliche Folgen nach sich. 1998 erlitt er zwei Schlaganfälle, nur kurze Zeit später stellten seine Ärzte eine Diabetes-Erkrankung fest. 2003 feierte Drafi Deutscher sein 40-jähriges Bühnenjubiläum

In seinen letzten Lebensjahren absolvierte die Schlagerlegende in zwölf Monaten meist nur noch um die zwanzig Auftritte bei Schlager- oder Oldie-Veranstaltungen. Am 21. Mai 2006 brach Drafi Deutscher zusammen, nachdem er eine Kneipe in der Nähe von Frankfurt am Main besucht hatte. Der Ausnahmemusiker hatte offenbar einen Herzinfarkt erlitten, sein Zustand wurde durch eine verschleppte Lungenentzündung verschlimmert. Am 9. Juni 2006 erlag Drafi Deutscher seinem Leiden in einem Frankfurter Krankenhaus - genau einen Monat nach seinem 60. Geburtstag.

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