Neuaufnahmen statt Originalsongs

Etikettenschwindel? Gericht entscheidet: Schlager-CD „Hit-Giganten“ darf nicht mehr verkauft werden

Die Schlagerstars Marianne Rosenberg und Costa Cordalis vor einem Stoppschild, dahinter das Landgericht München (Fotomontage)
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Das Münchner Landgericht entschied: Die Schlager-CD „Die Hit-Giganten“ darf nicht mehr verkauft werden - für das Urteil spielten auch Songs von Marianne Rosenberg und Costa Cordalis eine Rolle (Fotomontage)
  • Jonas Erbas
    VonJonas Erbas
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Das Landgericht München I hat den weiteren Verkauf der Schlager-CD „Die Hit-Giganten“ untersagt. Ausgerechnet Klassiker von Marianne Rosenberg, Nicole und Costa Cordalis sind der Auslöser - bei den von ihnen enthaltenen Songs handelt es sich nämlich nicht um die Originalaufnahmen.

München - Dass eine Schlager-CD im Mittelpunkt einer Gerichtsverhandlung steht, dürfte im deutschen Rechtssystem wohl nicht gerade alltäglich sein. Im Fall von „Die Hit-Giganten - Die besten Schlager-Hits aller Zeiten“ hat es sich für die Justiz allerdings gelohnt, genau hinzuschauen: Das Landgericht München I kam zu dem Schluss, das Cover führe den Kunden in die Irre - Schuld daran sind ausgerechnet Kult-Hits von Marianne Rosenberg (66), Nicole (56) und Costa Cordalis (†75).

Mit „Ein bisschen Frieden“ gewann Nicole 1982 den Grand Prix Eurovision de la Chanson - Jahre später sorgt eine Neuaufnahme auf der Schlager-CD „Die Hit-Giganten“ für Ärger

Schlager: Gericht stoppt Verkauf von „Hit-Giganten“ - wegen Marianne Rosenberg und Costa Cordalis

Der Titel „Die Hit-Giganten - Die besten Schlager-Hits aller Zeiten“ ist keine Untertreibung: Insgesamt 40 wahrhaftige „Hit-Giganten“ finden sich auf der Doppel-CD, mit dabei sind unvergessene Klassiker wie „Verdammt, ich lieb‘ dich“ von Matthias Reim (63) oder „Ein Bett im Kornfeld“ von Jürgen Drews (76). Für Unmut sorgen allerdings drei andere Songs: „Ein bisschen Frieden“ von Nicole, „Er gehört zu mir“ von Marianne Rosenberg und „Anita“ von Costa Cordalis. Bei diesen Liedern handelt es sich nicht um die Originalaufnahmen, sondern um sogenannte ‚Re-Recordings‘, die Jahre später eingespielt wurden. Der Kunde ahnt beim Kauf nichts, denn auf der CD fehlt ein entsprechender Vermerk.

Dass es sich eben nicht um die Originalaufnahmen handelt, hätte aus dem Cover der „Die Hit-Giganten“-CD allerdings unmissverständlich hervorgehen müssen, wie die auf Wettbewerbsrecht spezialisierte 33. Zivilkammer in ihrem Urteil vom 22. Juni 2021 entschied - und den Verkauf der Schlager-Compilation untersagte. Über die Verwertungsrechte der Erstveröffentlichungen verfügt das Musik-Label Sony Music. Dieses hatte vor dem Landgericht geklagt, da man nicht damit einverstanden war, dass die Neuaufnahmen ohne entsprechenden Hinweis derart ‚billig‘ verschachert werden. Das Gericht sah dies ähnlich. Rechtskräftig ist das Urteil (Az. 33 O 6490/20) allerdings noch nicht.

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Schlager: Gericht zieht „Hit-Giganten“ aus dem Verkehr - doch es gibt noch Hoffnung

„So, wie das Cover jetzt ist, darf die CD ab sofort nicht mehr verkauft werden“, erklärte eine Sprecherin des Landgerichts gegenüber Focus Online. Doch „Die Hit-Giganten - Die besten Schlager-Hits aller Zeiten“ könnte dennoch schon bald wieder in den Ladenregalen stehen, sollte sich die betroffene Firma dazu entschließen, einen unmissverständlichen Vermerk zu genannten Songs auf dem Cover zu platzieren. Dies sei beispielsweise ganz unkompliziert mit einem Aufkleber zu bewältigen, so die Landgerichts-Sprecherin. Die Musiker selber hatten mit dem Fall natürlich nichts zu tun - egal in welcher Form: Ihre Hits bleiben zeitlos!

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