Zwischen Raub und Realität

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Auf dem Weg zur Bushaltestelle wurde Inge Jäger die Tasche geklaut. Für sie bleibt ein unsicheres Gefühl, für die Polizei ist sie eine Ausnahme.

Heusenstamm – Inge Jäger ist geschockt. Sie wurde am hellichten Tag ausgeraubt. Und das in Heusenstamm. Wo die Schlossstadt doch als sicher und ruhig gilt. Für die 74-Jährige ist nun klar: „Hier wird einem nur die heile Welt vorgespielt“. Von Mareike Palmy

Der Überfall steckt ihr immer noch in den Knochen. Schrecksekunden durchlebte die Rentnerin. Und hätte Inge Jägers Nachbar nicht so schnell reagiert und den Dieb geschnappt, wäre die Tasche mit den Wertsachen jetzt weg. „Seit 24 Jahren wohne ich in Heusenstamm, aber sowas ist mir noch nicht passiert. Hier ist es nicht so sicher wie immer von den Verantwortlichen behauptet wird“, sagt die Rentnerin. Vor allem die „Weggucker“-Mentalität in der Schlossstadt mache sie wütend. „Friede, Freude, Eierkuchen ist in dieser Stadt normalerweise das Motto, dabei gibt‘s hier genauso Probleme wie anderswo“, sagt Jäger, „Kriminialität und Armut gibt es in Heusenstamm wohl nicht. So etwas wird hier kleingeredet.“

Die Polizei in Heusenstamm dagegen versteht die Aufregung nicht: „Von all unseren Gebieten macht mir Heusenstamm am wenigsten Kummer. Seit zehn Jahren sind hier die Fallzahlen auf dem niedrigsten Niveau“, sagt Dienststellenleiter Karlheinz Tilgner. Der Diebstahl von Inge Jäger sei eine Ausnahme. Zwar habe es zu Beginn des Jahres eine ungewöhnliche Häufung von Raubstraftaten gegeben, „alle Fälle konnten aber aufgeklärt werden“, so Tilgner.

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