Auf zwei Rädern um den Globus

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Theo Schlaghecken bei einem Zwischenstopp an der Küste Kaliforniens.

Bad Homburg – Gejagt von Banditen, gebremst von einem Grizzlybären und begleitet von der Polizei. Die zweijährige Weltreise mit dem Motorrad wurde für Theo Schlaghecken zum Abenteuer mit jeder Menge Nervenkitzel. Nach seiner Rückkehr sieht er die Welt mit anderen Augen. Von Jörn Polzin

Er wollte raus, weg von den üblichen Denkmustern. Entdecken, was das Leben noch zu bieten hat. „Für mich war klar, dass die Zeit für eine längere Auszeit gekommen ist“, blickt der Bad Homburger zurück. Schlaghecken kündigte seine Wohnung, löste seinen Arbeitsvertrag und ließ Freunde und Familie zurück. „Ich habe alle Brücken hinter mir abgerissen“, erzählt der Abenteurer. Eine Entscheidung, die er heute, 100.000 Kilometer, fünf Kontinente und 51 Länder später, nicht bereut. Im Gegenteil.

Wegerkundungen an der pakistanischen Grenze.

In dieser Zeit, oft in Begleitung seines Kollegen Joachim von Loeben, hat sich für den Unternehmensberater ein neuer Horizont eröffnet. Brenzlige Situationen, wie seine Flucht vor einer Ganoven-Bande in El Salvador oder eine Polizei-Eskorte, die ihn aus Sicherheitsgründen durch die Wüste Arabiens begleitete, will Schlaghecken nicht überbewerten. „Ich war eigentlich immer gut auf alles vorbereitet, bin keine wirklich unkalkulierbaren Risiken eingegangen.“ Und dennoch hatte der 43-Jährige, der es als motorisierter Tourist schnell auf das Titelbild der einheimischen Gazetten schaffte, einige Schutzengel an seiner Seite. Auch als ihm ein Grizzlybär in den Wäldern Kanadas den Weg versperrte. Schlaghecken: „Er hat mich eine Weile gemustert und ist dann nach einer gefühlten Ewigkeit weggetrabt.“

Zwölf Hilfsprojekte gegründet

Zu den hunderten Höhepunkten zählt er vor allem die Begegnungen mit den Menschen auf der Straße und die zwölf Hilfsprojekte, die er ins Leben rief. Auf seiner Reise sammelte er 23.000 Euro, indem er die gefahrenen Kilometer im Internet (www.world-tourer.de) verkaufte. Die Spendengelder flossen etwa in ein Haus für eine arme Familie in Vietnam, Strickmaschinen für ein Bergdorf in Bolivien und einen Spielplatz in Guatemala. Geprägt haben Schlaghecken aber auch seine Aufenthalte in einem Aids-Hospiz und in Waisenhäusern. Auf seinem Trip legte der 43-Jährige knapp 300 Tankstopps hin, nächtigte in 230 Unterkünften, passierte 80 Grenzabfertigungen und 45 Polizeikontrollen. Und heute?

Die Reise habe ihn extrem verändert. „Vorher wollte ich viel Geld verdienen und mir vieles kaufen, doch nach über zwei Jahren Leben nur mit dem Notwendigsten habe ich gelernt, dass viele und teure Dinge kaum dazu beitragen, wirklich glücklich zu sein.“ Echtes Glück gebe es ganz umsonst und ganz in der Nähe – nämlich in uns drin.

Um dieses neue Lebensgefühl und seine Erfahrungen weiterzugeben, bietet Schlaghecken so genannte Outbreak-Kurse an. „Ich habe das Coaching in den USA gelernt und biete den Leuten an, mit mir zusammen an ihrem persönlichen Ausbruch zu arbeiten, auszubrechen aus den gewohnten Sichtweisen und vielen Zwängen, in denen wir oft festzustecken glauben.“

Seine Erlebnisse will Schlaghecken auch niederschreiben. Es soll vor allem eine Motivation erzeugen: Auf zu neuen Ufern und Möglichkeiten.

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