Klein, elektrisch, gemietet: Expertin über die Auto-Zukunft

Das eigene Auto war gestern

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Statt ein eigenes Auto zu besitzen, greifen schon heute viele auf Carsharing-Angebote zurück.

Region Rhein-Main - Obwohl der Verkauf von Neuwagen im Vergleich zu 2013 im März zugenommen hat, entscheiden sich nur wenige für Elektro-Modelle. Verkehrswissenschaftlerin Petra Schäfer  verrät, was potenzielle Käufer abschreckt und wie wir uns in Zukunft fortbewegen. Von Angelika Pöppel

Gerade einmal 12.000 Elektro-Autos rollen über Deutschlands Straßen – darunter 900 in Hessen. Elektro-Mobilität passt zum ökologisch-bewussten Zeitgeist. Aber woran hapert es?

Zum einen schafft man sich ein neues Auto eher selten an. Das ist eine wohlüberlegte Entscheidung. Autofahrer wollen nicht mehr Geld für ein Elektro-Auto ausgeben und nicht auf den gewohnten Komfort verzichten. Zum anderen wurde erst vor einem Jahr auf der Internationalen Automobilausstellung eine Vielfalt an serienreifen Elektro-Autos vorgestellt. Die Autos konnten sich nicht schneller verbreiten, weil sie noch gar nicht da waren. Die Autoindustrie hat einfach ein wenig zu lange gebraucht. Jetzt sind die Wartelisten für diese Autos lang.

Liegt das auch daran, dass Elektro-Mobilität in der öffentlichen Meinung nicht sexy genug ist?

Nein. Das Image ist sehr gut. Die E-Autos sind umweltfreundlich, leise und spritzig. In einer Umfrage der Goethe-Universität in Offenbach gaben 26 Prozent der Befragten an, sich vorstellen zu können, auf E-Mobilität umzustellen. Darunter waren mehr jüngere Passanten.

Gibt es gar keine Probleme mehr mit Elektro-Fahrzeugen?

Es gibt technisch keine Probleme. Die Autos bleiben auch nicht stehen, wie viele befürchten. Elektro-Autos sehen heute normal aus, können beim Komfort und der Sicherheit mithalten. Nur ein Punkt ist noch unklar: Der Wiederverkaufswert. Keiner weiß, wie lange die Batterien halten und wie viel das Auto gebraucht noch wert ist. Das wird man erst in fünf Jahren wissen.

Wie weit komme ich tatsächlich mit den ausgereiften Modellen?

Es gibt Autos, die schaffen 200 Kilometer. Doch im Sommer und mit eingeschaltetem Radio sind 100 bis 150 Kilometer realistisch.

Wie viel kann ich einsparen?

Der Kaufpreis ist zwar noch höher, aber die Laufzeit ist preiswerter. Bei den Betriebskosten kann bis zu 40 Prozent eingespart werden. Doch die Autos werden in Zukunft definitiv günstiger. Bisher müssen Hersteller noch viel in die Forschung investieren und verdienen nicht viel mit den Modellen. Aber in einigen Jahren, denke ich, können sie das gleiche Preisniveau erreichen, wie herkömmliche Autos.

Und was sind dann die Vorteile eines Hybrid-Fahrzeugs?

Für Geschäftsreisende, die viele Kilometer zurücklegen, ist ein Hybrid (siehe Kasten unten) sinnvoll. Für den Otto-Normalverbraucher ist diese Technik Quatsch.

Wer fährt heute schon batteriebetrieben?

Bisher ist die Mehrzahl der E-Fahrzeuge Dienstwagen. Deshalb sind die Zielgruppe noch klar männliche, berufstätige, technikaffine Akademiker. Umfragen haben ergeben, dass Nutzer, die jetzt schon Elektro-Autos fahren, sehr zufrieden sind.

Wäre eine Förderung für Privatpersonen, um den Verkauf anzukurbeln, sinnvoll?

Andere Länder machen es vor. In Norwegen beispielsweise wird die Anschaffung bei Privatpersonen gefördert. Bei uns wird die Forschung gefördert und Unternehmen, die ihre Dienstwagenflotte umstellen. Seit Neustem werden auch Handwerksbetriebe in das Programm aufgenommen. Ich denke, bei uns ist die private Förderung nicht notwendig.

Wann werden alle Hessen umgestiegen sein?

Ich fürchte, das werde ich nicht mehr erleben. Ich gehe davon aus, dass die Elektro-Mobilität für viele attraktiv, aber auch noch nicht in allen Köpfen angekommen ist. Wichtig ist es, dass der Prozess angefangen wurde. Das hessiche Ziel von einer Million Elektro-Autos bis 2020 können wir schaffen.

Und wo liegt das Ziel danach?

Das Ziel ist es nicht, alle alten Autos durch batteriebetriebene Modelle zu ersetzen. Das wird die Verkehrsprobleme nicht lösen. Das Verkehrsaufkommen steigt und steigt. Dabei werden es nicht mehr Autos. Die Menschen haben ihren Radius erweitert und legen privat auch größere Strecken zurück. Es muss ein Umdenken stattfinden. Tägliche Wege mit dem Auto müssen infrage gestellt werden. Kurze Strecken sind auch mit dem Fahrrad oder einem Pedelec (siehe Kasten) möglich. Und für einen Urlaub im Jahr muss auch kein Kombi angeschafft werden. Stattdessen würde vielen Fahrern ein kleines Auto genügen. Wenn es nötig ist, kann man sich immer noch ein größeres Auto mieten. Car-Sharing ist die Zukunft. Schon jetzt werden die vielen Angebote sehr gut angenommen.

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