Fünfjährige kann nicht mehr in den Kindergarten

Zuckermessen lohnt sich nicht? Pflegedienste lehnen Lana ab

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Die fünfjährige Lana kann sich schon selbst stechen und den Blutzucker messen. Um ihren Blutzuckerspiegel im Auge zu behalten, ist das Mädchen aber noch viel zu jung.

Region Rhein-Main - Lana ist fünf und hat Diabetes. Bisher hat ein Pflegedienst im Kindergarten Zucker gemessen. Doch der hat jetzt gekündigt. Andere Pflegedienste lehen das Kind ab. Offiziell, weil sie keine Kapazitäten haben. Doch die Mutter ist überzeugt: "Für die rechnet sich das nur nicht." Von Christian Reinartz

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Es ist nicht einfach. Für Lana nicht und für Lanas Mutter auch nicht. Die Kleine leidet seit jeher unter Diabetes, muss deshalb ständig überwacht werden – fünfmal alleine während ihres Aufenthalts im Kindergarten. Noch ist sie zu jung, um sich selbst sicher zu versorgen. Mutter Vivien Risch arbeitet als Krankenschwester. Sie und ihre Familie sind auf das Geld angewiesen. Lana geht deshalb in den Kindergarten. Bisher übernahm dort ein Heusenstammer Pflegedienst die Kontrolle des Blutzuckers. „Aber die haben uns einfach fristlos gekündigt“, sagt Risch. Die junge Frau ist am Ende, weiß nicht mehr, wie es weitergehen soll.

Selbst die Caritas lehnt Lana ab

Sie widerspricht der Kündigung, hofft auf Einsicht des Pflegedienstes. „Aber die haben mir dann einfach eine fristgerechte Kündigung für Mitte November geschickt.“ Eine Galgenfrist, die Lanas Mutter ausnutzen will. Sie telefoniert sich durch sämtliche Pflegedienste der Gegend. „Aber die haben uns immer abgelehnt“, sagt Risch. „Niemand scheint sich um ein Kind kümmern zu wollen, das Diabetes hat.“ Selbst bei der Sozialstation der Caritas in Heusenstamm, einem katholischen Träger, wird sie abgelehnt. Risch: „Die haben mir klipp und klar gesagt, sie nehmen keine Kinder.“

Lanas Kinderärztin habe ihr daraufhin erklärt, dass sich das reine Blutzuckermessen finanziell nicht lohne. Ein Verdacht, den Ute Kern-Müller, Bereichsleiterin der Caritas Sozialstation, weit von sich weist. „Wir haben auch schon Kinder betreut, aber im Moment haben wir einfach keine Kapazitäten.“ Dass Risch gegenüber gesagt worden sei, die Caritas nehme keine Kinder, bestreitet sie, muss aber einräumen: „Es wurde vielleicht erwähnt, dass wir keine Kinderkrankenschwester haben.“

Pflegedienst leide unter Personalmangel

Als der EXTRA TIPP dann beim Heusenstammer Pflegedienst „Daheim“ nachhakt, zeigt sich Geschäftsführerin Christine Moses, gesprächsbereit. „Wir haben hier einfach derzeit nicht genug Personal, das diese medizinische Aufgabe übernehmen kann“, erklärt Moses die Situation. „Allein für Lana bräuchte ich mehr examinierte Pflegekräfte, als ich zur Zeit einsetzen kann.“ Das hänge damit zusammen, dass ihr jüngst eine Stelle weggefallen sei. „Ich kann die Situation von Lana und ihrer Familie verstehen“, sagt Moses. Deswegen will sie sich nun mit den Rischs an einen Tisch setzen. „Vielleicht finden wir ja eine Lösung, mit der wir alle leben können.“

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