Nach Zoff um Fiege

Dieburger haben neues Ziel des Protests

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In Dieburg jetzt ein Blumenladen samt Gärtnerei zu finden ist, soll ein Lebensmittel-Markt mit 1200 Quadratmetern Verkaufsfläche entstehen.

Dieburg - Nach Protesten gegen das Reifenlager der Firma Fiege haben die Dieburger nun ein neues Ziel des Protests gefunden: Den Bau eines großen Lebensmittelmarkts. Von Jens Dörr

Die Dieburger als „Wutbürger“ zu bezeichnen, wäre im Allgemeinen wohl etwas zu hoch gegriffen. Dass die Einwohner des Mittelzentrums das ein oder andere Vorhaben ihrer Volksvertreter besonders kritisch begleiten, wird derzeit jedoch einmal mehr deutlich: Bestimmten zuletzt besonders Proteste gegen das riesige Reifenlager des Unternehmens Fiege am „Dieburger Dreieck“ (der EXTRA TIPP berichtete mehrfach, nachzulesen auf www.extratipp.com) die lokale politische Großwetterlage, so regt sich seit längerer Zeit schon Widerstand an einem anderen, parlamentarisch noch zu beschließenden Vorhaben: Einige Bürger fürchten durch den Bau eines großen Lebensmittel-Markts an der Groß-Umstädter Straße – in Verbindung mit der derzeit teils gesperrten Frankfurter Straße wichtigste Nord-Süd-Achse der Stadt – Verkehrschaos und Unfallgefahr.

Auch die Begleitumstände des Projekts sorgen für Empörung. Auf dem Grundstück neben dem Friedhof will ein deutscher Konzern einen Lebensmittel-Markt mit 1200 Quadratmetern Verkaufsfläche errichten. Derzeit befindet sich dort eine Gärtnerei mit Blumenladen. Der Grundstücks-Eigentümer hat mit dem Bauinteressenten bereits einen Kaufvertrag geschlossen, der aber nur gültig ist, wenn die Stadt das Baurecht für das Gelände schafft – was noch nicht geschehen ist. Dieburgs Parlamentarier stehen dem Vorhaben bis heute überwiegend positiv gegenüber, trotz einiger Veränderungen in den vergangenen Monaten. So war ein wichtiges Argument, um das Projekt wohlwollend zu begleiten und den neuen Bebauungsplan bald aufzustellen, die weitere Existenz einer eingesessenen Dieburger Kaufmanns-Familie zu sichern. Die besitzt einige hundert Meter entfernt ein kleineres Lebensmittel-Geschäft und wollte den neuen, größeren Markt zunächst für den Konzern betreiben. Inzwischen zog die Familie ihr Interesse am Einstieg aber zurück, deutete gar an, bei Eröffnung des neuen, moderneren Markts mit seinem wesentlich größeren Sortiment im Wettbewerb wohl ohne Chance zu sein.

Sorge um zusätzlichen Lärm

Zudem sorgte in der Stadt für Kopfschütteln, dass das Projekt trotz einer zu geringen Zahl an Stellplätzen rund um den Markt ermöglicht werden soll. Die fragwürdige Lösung, nachdem der Investor nicht bereit war, die Verkaufsfläche zu reduzieren und damit ein ordnungsgemäßes Verhältnis von Verkaufsfläche und Stellplätzen herzustellen: Die Stadt überprüft nun die Anpassung der Stellplatzordnung, an deren Ende der Bauherr vor geringeren Anforderungen stehen könnte.

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Die Anwohner, teils erst vor nicht allzu langer Zeit in die angrenzenden Häuser gezogen, ohne von den Verkaufsplänen der Gärtnerei eine Ahnung gehabt zu haben, machen sich unterdessen einerseits wegen des drohenden Zusatzlärms Sorgen, vor allem aber wegen der Unfallgefahr: Die jüngst sanierte Groß-Umstädter Straße, im Frühjahr dieses Jahres wieder freigegeben, wurde so eng gestaltet, dass schon jetzt Auto- und Busfahrer spätestens bei Gegenverkehr auf den Radfahr-Streifen ausweichen müssen und der Ritt auf dem Drahtesel so zum Risiko wird. Inzwischen hat auch die Stadt eingesehen, dass die Streifen unbrauchbar sind, und den Radfahrern die Benutzung des Bürgersteigs erlaubt. Die Anwohner, namentlich vertreten durch sieben Dieburger, sorgen sich um die geplante Zufahrt zum Parkplatz des Lebensmittel-Markts, der schwer einsehbar sein werde und die die Verkehrswege rund um den Markt überlasten könnte. Ein Verkehrsgutachten erwartet für den Markt mehr als 1000 Pkw-Einkäufer pro Tag. Einen Plan zum Bauvorhaben sowie weitere Infos und die Kontaktmöglichkeit zu den Anwohnern gibt es online unter www.verkehrssicherheit-dieburg.de.

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