Das Grundstück gehört ihr nicht

Zoff im Blumenbeet: Mieterin soll sich von Pflanzen trennen

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Irma Schmidt zeigt ihr geliebtes Blumenbeet mit Bäumen und Hibiskus, Lilien, Rosen und vielen anderen Pflanzen.

Frankfurt – Seit 24 Jahren hegt und pflegt Irma Schmidt ihren Garten. Der Teich ist schon weg. Jetzt will die Wohnungsgesellschaft wegen Sanierungsarbeiten auch das geliebte Blumenbeet entfernen. Aber nicht mit Schmidt: „Meine Blumen lasse ich mir nicht nehmen. “. Von Janine Drusche

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Licht haben die Blumen in ihren Alltag gebracht, als sie nichts anderes hatte: Jetzt soll Irma Schmidt ihr geliebtes Beet aufgeben. Der Vermieter, die Wohnheim GmbH, ABG Frankfurt Holding, will, dass die Pflanzen verschwinden. „Ich kann nicht so wütend sein, wie ich traurig bin“, sagt Schmidt. Eine Mitarbeiterin der Wohnheim GmbH, Technik-Abteilung, will ihren Namen nicht nennen, erklärt aber: „Der von Frau Schmidt bepflanzte Garten, gehört ihr nicht.“ Er stehe nicht im Mietvertrag. Schmidt sieht das anders: „Mein Vormieter hatte eine Genehmigung. Ich habe alles übernommen“, sagt sie und fragt: „Warum sollen die Pflanzen weg, sie stören doch niemanden? Eher erfreuen sich alle daran.“

1992 zieht Irma Schmidt nach Praunheim. Vor der Terrasse der Wohnung hinterlässt der Vormieter einen kleinen Teich. Die Mieterin freut sich über das Stückchen Natur. Dann übernimmt die Wohnheim GmbH das Haus. Etwa im Jahr 2002 kommt Schmidt eines Tages nach Hause und der Teich ist weg: „Da hat es angefangen: Sie haben mir einfach Sand drauf geschüttet“, sagt die Mieterin. Sie fängt an den Boden zu bearbeiten: „Ich habe Laub gesammelt und untergegraben, damit der Boden wieder fruchtbar wird“, sagt Schmidt. Sie pflanzt Blumen und Bäumchen.

Diese Sommerblumen gehören in jeden Garten

Gleichzeitig muss sie sich um ihre pflegebedürftige Mutter kümmern. Dann stirbt plötzlich ihr Mann. Nicht genug: Danach wird Schmidt zuhause mit einer Pistole bedroht und ausgeraubt, sagt sie. Seither lebe sie in Angst. Das einzige, was sie von den Schicksalsschlägen ablenkt, sind ihre „Prinzessinnen“, wie Schmidt die Pflanzen liebevoll nennt.

Die Blumenpracht im Garten - bald Vergangenheit?

Eine ältere Nachbarin hilft Schmidt beim Pflanzen und wird für die 57-Jährige zur Ersatzmutter. „Mittlerweile ist sie tot, aber bevor sie starb, hat sie mir zwei Hibisken eingepflanzt. Sie wollte, dass sie bei mir bleiben und es hier schön ist“, sagt Schmidt. Die Blumen erfüllen ihren Zweck, geben der Gezeichneten Kraft: „Ich hatte eine Magnolie, die im roten Buch für weltweit geschützte Pflanzen eingetragen ist“, sagt sie: „Auch Himbeersträucher, Apfel-, Kirsch und Tannenbäume.“ Schmidt erzählt von nistenden Enten, einem Nachtigallnest im Garten. Eichhörnchen hätten im Nussbaum gelebt: „Die Tiere sind sogar über die Terrasse zu mir reingekommen, über mich gehüpft und haben Nüsse stibitzt.“ Als „Oase“ bezeichnet die gebürtige Ukrainerin ihre Blumen: „Im Sommer ist mein Beet etwas ganz Besonderes, so etwas gibt es sonst nirgends. Dann kommen die Nachbarskinder, essen Obst und pflanzen mit. Die Eltern freuen sich.“

Nun soll die Oase verschwinden. Mehrere Schreiben von der ABG sind bereits ins Haus geflattert: Schmidt sollte bis zum 18. Februar ihr Beet dem Erdboden gleichmachen.

Männer reißen Stauden raus

Weil sie sich weigert, wird die Frist um eine Woche verschoben. Die Mieterin wehrt sich, wendet sich an die ABG, wo man ihr erlaubt habe, das Beet zu behalten, sagt sie. Doch per Post kommt die Anordnung zur Entfernung bis 9. März. Schmidt aber weigert sich, ihr Beet aufzugeben. Zwei Männer, die das Beet wegschaffen wollen, jagt sie davon. „Bevor sie mehr als ein paar Stauden rausziehen konnten. Denn ich bin eine Kämpferin“, sagt die enttäuschte Schmidt.

Man habe von der Wohnheim GmbH aus mehrmals versucht, die Angelegenheit friedlich zu klären, „aber Frau Schmidt will scheinbar nicht verstehen, dass sie mit den Essensresten, die sie als Dünger verbuddelt, Ratten anzieht“, sagt die Mitarbeiterin der Wohnheim GmbH. Wem die Grünfläche aber gehört, kann sie nicht beantworten: „Wahrscheinlich der Wohnheim GmbH.“ Es sei nicht verkehrt, sich um Grünflächen zu kümmern, Schmidt mache aber zu viel. „Da eine Terrassensanierung ansteht, müssen die Blumen definitiv weg“, sagt die Wohnheim-Mitarbeiterin. Jeden Tag kann jemand das Beet einstampfen, aber ohne Schmidt: „Ich verstehe ja einiges, aber sie müssen mich umbringen, dass ich das Beet aufgebe!“

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