Zimmernachbar des Ministerpräsidenten: Die Stimme Hessens ist aus Froschhausen

+
Staatssekretär Michael Bußer in seinem Büro in der Staatskanzlei.

Seligenstadt – Die Stimme Hessens kommt aus Froschhausen. Dort lebt der Sprecher der hessischen Landesregierung, Staatssekretär Michael Bußer. Er gilt bei Parteikollegen als erfahrener Sprecher, pflegt aber einen dezenteren Stil als sein Amtsvorgänger, der allgegenwärtige Koch-Flüsterer, Dirk Metz, der große Fußstapfen in der Staatskanzlei hinterlassen hat. Von Christian Reinartz

Der Mann mit der randlosen Brille auf der markanten Nase, erinnert mit seiner voluminösen Haarpracht an den Dirigenten Herbert von Karajan. Der konnte mit seinem Taktstock ganze Heerscharen von Musikern bewegen. Auch Michael Bußer hat als Sprecher der hessischen Landesregierung nun die Aufgabe, ein Orchester zu dirigieren – das Medien-Orchester.

Doch das lässt sich nicht gerne die Akkorde vorschreiben: Polizei-Affäre, Schuldenbremse, Nachtflugverbot. Immer wieder schleichen sich Misstöne in Zeitungen. Auch wenn der 50-Jährige im Namen seines Chefs Harmonie predigt. Er muss das versuchen. Das ist sein Job. Früher als Bouffier-Sprecher im hessischen Innenministerium, heute als Sprecher der Landesregierung, als Zimmernachbar des Landesvaters.

Diese Gemeinschaft sei allerdings mehr von gegenseitigem, kollegialem Respekt, denn von privater Freundschaft geprägt. „Zum Sonntagsessen war Volker Bouffier noch nie bei uns zu Hause. Auch, wenn wir schon so lange zusammenarbeiten“, verrät der Pressesprecher.

Als solcher muss Bußer immer auf dem Laufenden über die politischen Vorstöße seines Chefs sein. Im besten Fall plant er sie zusammen mit Bouffier. Er ist ein Arbeitstier, das bescheiden im Hintergrund bleibt. „Ich versuche natürlich, mich immer in alle aktuellen Themen einzuarbeiten“, sagt er. Nur so könne er ein guter Sprecher für den Ministerpräsidenten sein. Mit ihm steht er deshalb in ständigem Kontakt. Bouffier tut es offenbar Kanzlerin Angela Merkel gleich und gibt Anweisungen gern per SMS. „Etwa fünf bis sechs erhalte ich von ihm am Tag“, sagt der Regierungssprecher.

Die SMS passen irgendwie zu Bußer. Der Mann ist redegewandt und kann zweifelsohne scharf und mit Ironie formulieren, ein Freund der großen Verlautbarungen à la Amtsvorgänger Dirk Metz ist er nicht. Das ist nicht sein Stil. Und auch nicht der von Bouffier. Die Durch-die-Wand-Politik der Koch-Metz-Ära ist vorbei. Jetzt soll Bouffier-Bußer sein, soll es wieder einen Landesvater geben – und einen zurückhaltenden Sprecher im Hintergrund, der „für den Ministerpräsidenten“ spreche, und nicht für sich selbst.

Dennoch orientiert sich Bußer an seinem Vorgänger, auf den er nichts kommen lässt. „Dirk Metz ist für mich immer ein guter Ratgeber gewesen.“ Er habe ihm nie etwas vorgeschrieben, sondern alle Möglichkeiten aufgezeigt. „Und jetzt fragen mich die Kollegen um Rat.“

Bußer ist anscheinend angekommen. Eine höhere Position kann er als Sprecher nicht erreichen. Außer auf Bundesebene. Ob er bei einem Wechsel von Bouffier nach Berlin folgen würde? „Wenn er mich dabei haben will, würde ich mitgehen“, sagt Bußer nach kurzem Zögern.

Zuviel verbindet ihn mit der Region, mit seiner Heimatstadt Froschhausen. Dort lebt er mit seiner Frau und seiner 16-jährigen Tochter. Zumindest nachts und oft am Wochenende. Hobbys: Außer Politik keine. Dafür bleibt keine Zeit. Tagsüber ist Bußer 55 Kilometer entfernt in Wiesbaden. „Bis zehn, elf Uhr“, dauere sein Arbeitstag: „Aber im Endeffekt bin ich 24 Stunden im Dienst.“ Dennoch sei der Heimweg für ihn jedesmal „wie eine Erdung“, sagt er: „Wenn ich nach Froschhausen reinfahre, habe ich auch innerlich Abstand zur Politik gewonnen.“

Staatssekretär Michael Bußer lässt den EXTRA TIPP hinter die Kulissen blicken

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare